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18. Januar 2013 5 18 /01 /Januar /2013 15:48

Gross-.jpgErinnerungen an die  deutsch – französische Freundschaft,  1962 im Ludwigsburger Schloss.


von Wolfgang Gross, geb. 06.10.1944

Der  2. Weltkrieg hat auch in meiner Familie einschneidende Spuren hinterlassen. Mein Vater ist im Weltkrieg vermutlich in Rumänien seit September 1944 vermisst.

Meine Mutter, heute würde man alleinerziehend sagen, musste mich in Wohngemeinschaft mit meinem schon pensionierten Großvater aufziehen, bestimmt in diesen Tagen keine leichte Aufgabe.


Nach dem Krieg waren wir in Ebingen französische Besatzungszone. Der Truppenübungsplatz Heuberg (Stetten am kalten Markt) liegt in unmittelbarer Nähe.

Die Bevölkerung war nicht gerade freundlich auf die Besatzer eingestellt. Ich erinnere mich noch, als Knirps am Straßenrand in der Sonnenstraße mit anderen Kameraden, wenn Panzer durchfuhren, gestanden zu haben und lauthals Franzosen, Franzosen mit den roten Hosen …. abfällig, solche oder ähnliche Sprüche gerufen zu haben. Natürlich nichts ahnend, was wir da brüllten.

Im Alter von 12 Jahren war ich bei den Christlichen Pfadfindern als Jugendlicher in einer Gruppe in Ebingen. Dort hörten und lernten wir, was es mit dem 2. Weltkrieg auf sich hatte.  In dieser Gemeinschaft war ich begeistert dabei und bin heute noch gerne Pfadfinder.

Wolfgang.jpgMit 16 Jahren war ich mit einer Pfadfindergruppe mit dem Fahrrad in der Bretagne. Dort lernte ich die Franzosen eigentlich richtig lieben und kennen. Wir mussten damals im Ausland über der linken Brusttasche das Deutschlandemblem tragen. Es war so gedacht, dass wir sofort als Deutsche erkannt würden, das war aber nicht zum Nachteil wie von der Politik angedacht, sondern wir wurden als "Allmands " freundlich angesprochen und manchmal auch bei Bauern eingeladen, zu vergleichen mit dem Made in Germany, das ja auch eingeführt wurde, um deutsche Ware zu meiden. Made in Germany wurde aber zum Qualitätsbegriff.  Bei der Heimkehr ins Elternhaus berichteten wir von der Freundlichkeit der französischen Bevölkerung. Unsere Eltern staunten sprachlos.

Der 9. September 1962 im Innenhof von Schloss Ludwigsburg mit der großen Rede von de Gaulle war damals für uns Pfadfinder eine überwältigende Sache. Die Deutsche Jugend wurde eingeladen, daran teilzunehmen. Mit dem Bus fuhren wir nach Ludwigsburg mit ein bisschen Stolz; denn auch wir Pfadfinder vom Stamm St. Martin durften dabei sein. Was uns erwartete, konnten wir ja kaum ahnen. Dass dies eine historische Stunde war, begriffen wir ja erst viel später.

Ludwigsburg, 9. September 1962

Als wir ankamen, trauten wir unseren Augen kaum. Tausende von Jugendlichen, bestimmt aus ganz Baden – Württemberg und Rheinland – Pfalz usw., befanden sich im Schlosshof. Um uns die Zeit zu vertreiben, bis de Gaulle erschien, sangen wir, wie damals üblich, Fahrtenlieder und deutsche Volkslieder zuhauf. Eine friedliche begeisterte Stimmung. Es war einfach überwältigend. Eine Bühne war aufgebaut. Dort nahmen hohe Politiker, darunter Bundespräsident Lübke, Kanzler Konrad Adenauer, Altpräsident Heuss, Ministerpräsident Kiesinger ( gebürtiger Ebinger ) usw. Platz.

Dann erschien endlich unter großem Beifall der Staatspräsident Frankreichs, de Gaulle. Ein großer Mann mit einer riesigen Nase stand auf der Bühne am Rednerpult und begann seine Rede an die deutsche Jugend. Wir verstanden ihn. Er hielt seine Rede auf Deutsch. Immer wieder unterbrochen von Beifall und Jubelrufen. Was genau der Inhalt war, verstanden wir akustisch nicht immer. Mir ist nur im Gedächtnis, Worte wie Freiheit verteidigen, ihr habt als Jugend die friedliche Zukunft vor euch, heute beginnt eine große Zeit der Versöhnung Deutschlands mit Frankreich und umgekehrt. Bleibt wach. Deutschland ist eine großartige Nation, denkt an die vielen Dichter und Denker in eurem Land. Wir müssen aus unseren Fehlern lernen, usw. So verstanden wir alle, dass etwas Besonderes hier und heute im Schlosshof Ludwigsburg vonstatten ging. Wir sind beeindruckt nach Hause gefahren. Dass diese Stunde historisch war, haben wir erst in reiferen Jahren verstanden.

Heute wissen wir, die Freundschaft zwischen beiden Nationen ist ungebrochen. Später als  Kommunalpolitiker, durfte ich dann weiter mitarbeiten an einem friedlichen Europa. Das wollte uns der General ins Stammbuch schreiben.


Gott sei Dank haben wir es alle bis zum heutigen Tage verstanden. Das vereinte Europa ist Wirklichkeit.

Frankreich und Deutschland, "Erzfeinde sind Freunde geworden", das müssen wir unserer europäischen Jugend immer wieder bewusst machen. Um die Freiheit muss immer wieder neu gerungen werden. Gleichgültigkeit ist der Feind eines friedlichen Zusammenlebens.

Ich freue mich, Sie, Herr Schley, am 22. Januar persönlich kennen zu lernen.

Liebe Grüße

Wolfgang Gross

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  • Winfried Schley
  • Niemals in Gleichgültigkeit verfallen, unabhängig davon, was im Leben auf mich zukommt !  
 Ich interessiere mich für alles, was dem friedlichen Zusammenleben der Menschen dient.
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