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29. Dezember 2008 1 29 /12 /Dezember /2008 17:56
Mein Auto, mein Haus, mein Papst. Wie bitte? Ich besitze einen Papst? Mein Auto ist mein Auto, weil ich es bar bezahlt habe. Ich hatte lange genug dafür gespart. Mein Haus ist mein Haus, weil ich es mühsam Rate für Rate abgestottert habe und es jetzt laut Grundbucheintrag mir gehört. Aber mein Papst?

Meine Kinder, meine Frau, mein Papst. Dieses Wortspiel passt schon besser. Obwohl eigenständige Wesen, sind meine Kinder meine Kinder, weil ich sie gezeugt habe, meine Frau ist meine Frau, weil wir seit über dreißig Jahren irgendwie zusammengehören. Aber mein Papst?

Weniger als Theologie- denn als Mathematikstudent faszinierten mich in jungen Jahren während meiner Studienzeit in Tübingen zwei Theologieprofessoren in ihrem redlichen denkerischen Bemühen um Wahrheit und Klarheit ihrer Sichtweisen ganz besonders, Walter Kasper und Joseph Ratzinger. Der eine ist heute Kardinal, der andere Papst. Offensichtlich hatten beide Männer etwas an sich, dass nicht nur mir imponierte, sondern vielen anderen, viel bedeutenderen und einflussreicheren Menschen erging es ebenso; denn sonst wäre diese kirchliche Karriere so nicht möglich gewesen.

Was mich heute daran erstaunen lässt und mich in meiner Erinnerung an damals immer wieder neu berührt, war mein sicheres Gefühl dessen, was Qualität ausmacht, eine Empfindung, die in mir, dem jungen Studenten, so felsenfest verankert schien, dass es mir nach dreißig Jahren als Lehrer wie eine Bestätigung meines eigenen roten Fadens in meinem bisherigen Leben vorkommt, aller Meinungsverschiedenheiten zum Trotz.

Wenn ich im Vorwort von „Jesus von Nazareth“, dem neuen Bestseller von Papst Benedikt XVI., lese: „Ich bitte die Leserinnen und Leser um jenen Vorschuss an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt.“, dann blitzt für mich jene Extraklasse auf, die ich schon als Student an ihm schätzte. Ich halte meinen ehemaligen Theologieprofessor Joseph Ratzinger für einen der scharfsinnigsten, umfassendsten und redlichsten Denker, denen ich in meinem Leben begegnet bin. In diesem Sinne ist Papst Benedikt XVI. für mich ganz persönlich mein Papst.
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Kommentare

W
ZurAufhebung der Exkommunikation Papst Benedikt XVI.gegenüber Bischöfen der Pius-Bruderschaft - Auszüge aus einem kath.net-Kommentar von Peter Seewald mit dessen freundlicher Genehmigung - Erneut hat ein Spruch aus Rom einen nahezu biblischen Wirbel ausgelöst. Ist Benedikt XVI. nun „der rätselhafte Papst“, wie die SZ ihren Lesern glauben machen will? Oder gar der „Entrückte“, wie der Spiegel titelt, der die katholische Kirche blamiert bis auf die Knochen? Hat er wirklich, wie es die Schlagzeilen suggerieren, „Holocaust-Leugner" in die Kirche zurückgeholt“? Der Papst ist kein Politiker. Soviel hat man gerade noch verstanden. Aber darf er sich erlauben, so zu handeln, wie es Jesus im Gleichnis vom verlorenen Sohn fordert? Darf er gar die Maxime „liebe deine Feinde“ umsetzen, um die Spirale von Ausgrenzung und Hass zu unterbrechen? Der Papst müsse doch Brücken bauen und auf „Andersgläubige zugehen“, sagen sie. Aber welche Brücken gebaut werden und welche „Andersgläubige“ die richtigen Andersgläubigen sind, dass bestimmen bitteschön die Oberpäpste in den Redaktionen. Weder der unsägliche Herr Williamson noch die Pius-Bruderschaft sind Teil der katholischen Kirche geworden, die Bischöfe weiterhin suspendiert. Die Aufhebung der Exkommunikation ist nichts anderes als die ausgestreckte Hand, die nicht einigen wenigen, sondern einer Gruppierung von 600.000 Gläubigen und 500 Priestern gilt, die sich von Rom abgespalten hat. Es ist dieselbe Hand, die den chinesischen Partei-Bischöfen galt, deren Exkommunikation aufgehoben wurde. Und es ist dieselbe Hand, die auch einem Hans Küng galt, der als einer der Allerersten nach der Papstwahl von Benedikt empfangen wurde. Vier Jahre lang haben die Journalisten es totgeschwiegen, wenn er gegen Folter aufrief, den Turbokapitalismus geißelte, den Krieg im Irak und anderswo verurteilte, eine gerechte Verteilung der Güter forderte. Geschwiegen auch, wenn er in Wort und Tat den Dialog mit anderen christlichen Kirchen, den Muslimen, vor allem aber den „geliebten Brüdern“ jüdischen Glaubens vorantrieb. Dass da vor wenigen Tagen in Würzburg von demselben Papst ein Weihbischof kreiert wurde, der als Pfarrer die Glocken seiner Kirche gegen neonazistische, antisemitische Aufmärsche hatte läuten lassen, passt, sorry, nicht ins Bild. Es passt auch nicht ins Bild, daran zu erinnern, dass dieser Benedikt bei seinem ersten Deutschlandbesuch als erster Papst überhaupt eine jüdische Synagoge besuchte. Mit welch persönlicher Anteilnahme er in Auschwitz des Holocaust gedachte. Wie er nicht müde wurde, jegliche Form von Antisemitismus zu verurteilen. Oder dass, es liegt gerade ein paar Wochen zurück, unter diesem Papst erstmals ein Rabbiner eingeladen wurde, vor der Bischofssynode zu sprechen. Muss man wirklich daran erinnern, dass in den KZs auch zigtausende von Priestern, Ordensleuten, mutigen Christen umgekommen sind? Es gibt in der Tat eine Parallele zur „Regensburger Rede“. Groß war die Empörung bei den biederen Kommentatoren, weil der Papst etwas tat, was man doch nicht tun darf. Sein Vortrag hat im Ergebnis zu Kontakten geführt und eine Diskussion mit der muslimischen Welt in Gang gebracht, die es vorher nicht gab. Vielleicht könnte man diese Krise sogar nutzen, um in den Medien zu überprüfen, inwieweit die Kirchenkampf-Kampagnen nicht schon den Charakter öffentlicher Hinrichtungen haben, wie man sie aus dem Iran kennt. Benedikt XVI. mag im Handling der Aufhebung der Exkommunikation gegen die Pius-Bruderschaft schlecht beraten gewesen sein. Aber man muss sich wohl an den Gedanken gewöhnen, dass es in seinem Pontifikat Friedhofsruhe nicht geben wird; kein Eingehaustsein in das Übliche, in die Bequemlichkeit und die Mutlosigkeit.
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C
Wow, bei Ratzinger im Studium gewesen? Das ist sicher interessant, so einen Menschen persönlich gekannt zu haben, wenngleich es eine Weile her ist. Das Buch ist sicher keine leichte Kost, aber wenn man wirklich gewillt ist und die Geduld aufbringt, mehrfach wieder von vorn anzufangen und über alles nachzudenken, dann geht es eigentlich. Man braucht halt etwas Zeit dafür.
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W
<br /> Für dieses Buch braucht man nicht nur genügend Zeit, sondern auch einiges an Hintergrundwissen, sonst überliest man viel Nachdenkenswertes.<br /> <br /> Einen solchen Menschen persönlich gekannt zu haben, stimmt erst im Nachhinein nachdenklich; denn vor 35 Jahren war ihm ja nicht anzusehen, dass er mal Papst wird.<br /> <br /> <br />
W
Warnung!Dieses Buch ist keine leichte Bettlektüre! Papst Benedikt XVI. will darin aufzeigen, dass dieser Jesus Christus, in dessen Dienst er sein eigenes Leben gestellt hat, in einer einmaligen, unverwechselbaren und nicht wiederholbaren Weise ganz auf die Seite Gottes gehört, wie sie keinem anderen Menschen möglich war, ist und jemals sein wird.
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  • Winfried Schley
  • Niemals in Gleichgültigkeit verfallen, unabhängig davon, was im Leben auf mich zukommt !  
 Ich interessiere mich für alles, was dem friedlichen Zusammenleben der Menschen dient.
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