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8. Februar 2010 1 08 /02 /Februar /2010 17:24

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(Pater Gertler hat mal wieder zugelangt:)

„Darüber kann man doch nicht sprechen!“ Das höre ich oft, wenn es um persönliche Probleme geht. „Das kann ich Ihnen doch nicht zumuten. Das belastet Sie doch nur.“ Meine Erfahrung ist eine ganz andere. Mich belastet, wenn ich solche persönlichen Probleme spüre und sie eben nicht angesprochen werden. Und das gilt für mich selbst und das gilt für die Menschen, mit denen ich lebe und die mich um Gespräche bitten. Ja, das geschieht, Menschen bitten um geistliche Gespräche, aber das Eigentliche kann nicht gesagt werden… Es ist schlimm, wenn es nicht geäußert wird, immer nur im Inneren kreist, aber den Menschen nie verlässt. Das vergiftet auf die Dauer. 

Freilich schäme ich mich auch, wenn ich etwas sehr Privates aussprechen will. Und wie! Wer tut das nicht? Das ist ja schon bei jedem Arztbesuch so, wenn es um private Körpergegenden geht. Was wird der andere von mir denken, wenn ich ihm dieses Problem oder dieses schlimme Vorkommnis beichte? Ja, es kostet große Überwindung. Es braucht Mut. Und es braucht großes Vertrauen, dass der andere mein Geständnis nicht missbraucht. Oder dass ich es eines Tages als Anspielung oder ironische Bemerkung wieder zu hören bekomme. Darum kann das nur in einem geschützten Raum stattfinden. 

Aber es gibt auch kaum eine größere Erleichterung und Befreiung, kaum eine größere Freude, wenn es heraus ist. Und wenn es in Liebe, Ehrfurcht und Barmherzigkeit angehört und angenommen wurde. Ja, wenn ich losgesprochen wurde. 

Ich weiß noch, wie ich als Kind jubelnd die Kirchenstufen herabgesprungen bin, wenn ich von der Beichte kam. Oder auch später als Jugendlicher nach dem Gespräch bei meinem Kaplan, der mich begleitete und bei dem ich das Beichtgespräch (außerhalb des Beichtstuhls) kennen gelernt habe. Wie erleichtert und glücklich war ich! Oder auch nach so manchem schwierigen Gespräch in den späteren Jahren. Sogar nach meinem letzten Impuls über die pharisäerhaften oder auch zöllnerhaften Gedanken in mir war ich nachher freier davon. Ging es mir damit gut, obwohl es mir schwer gefallen war, das so zu Papier bringen oder besser in meinen Computer zu tippen. Dabei ist das, was ich hier in „update für die Seele“ schreibe, natürlich auch immer so etwas wie „literarisch“. Ich bin das, was ich schreibe, aber ich bin auch noch jemand anderes. Ich spitze zu und verallgemeinere. Aber um es gültiger zu machen. 

Aber zurück zum Thema: Warum schreibe ich über diese befreienden Erfahrungen des geistlichen Gesprächs und der Beichte? Ich möchte Ihnen Mut machen, sich auch eine geistliche Begleiterin oder einen geistlichen Begleiter oder auch einen Beichtvater zu suchen. „Unmöglich – no way“ werden Sie vielleicht sagen. Aber so unmöglich ist es nicht. Sie finden sogar auf „update seele“ unter der Rubrik „Gesprächspartner“ (rechts oben) Männer und Frauen, die bereit sind, Sie ein Stück auf Ihrem Glaubensweg zu begleiten. Warum möchte ich Ihnen dazu Mut machen? 

Weil ich mir die schönsten Dinge auf dieser Welt gar nicht selber sagen kann. Sie müssen mir von anderen gesagt werden. Weil ich frei werde, wenn ich äußere, was da in mir ist und mich traurig, unglücklich, ja verzweifelt macht. Wenn ich äußere, was an Last in mir liegt, dann kommt sie ja heraus. Dann ist sie nicht mehr nur in mir. Dann ist sie draußen. Jemand trägt sie mit: geteiltes Leid ist halbes Leid. Das ist immer meine Erfahrung gewesen und ich bin unendlich dankbar dafür. Und ich danke den vielen, die mich seit meiner Kindheit so begleitet haben im Beichtstuhl und außerhalb. 

Vielleicht sagen Sie: ich habe das aber noch nie gemacht. Ich habe noch nie über mein Inneres oder gar mein Innerstes gesprochen. Wie soll ich das denn können? Darf ich Ihnen dazu einen Vorschlag machen? Kaufen Sie sich ein Tagebuch. Oder wenn Ihnen das auch noch zu schwierig ist – es könnte ja mal irgendjemand in die Hände fallen –, dann nehmen Sie erst einmal ein ganz normales Blatt Papier. Sie dürfen auch gleich die Streichhölzer danebenlegen. Aber schreiben Sie mal auf: Ihre Wut, Ihre Trauer, Ihre Sehnsucht, Ihre Wunden, Ihre Sünden, Ihre schlechten Gewohnheiten, Ihre Belastungen, was immer da in Ihrem Inneren umherkreiselt. 

Sie werden die Erfahrung machen, dass das bei den ganz schweren Sachen erst einmal gar nicht geht. Ich krieg’s nicht mal aufs Papier. Ich kann’s nicht aufschreiben. Ich kann’s nicht in Worte fassen. Ja, so ging es mir auch manchmal. Und wenn ich es dann doch hingeschrieben hatte, dann habe ich es gleich wieder zugekritzelt. Das können Sie auch. Oder Sie können es gleich verbrennen… Aber was ich dann aufs Papier schreiben konnte, das ist schon mal geäußert. Das ist schon mal draußen und raus. Und wenn das geschafft war, dann konnte ich es eines Tages auch jemandem sagen. Und dann wurde ich freier und erlöster. Es muss dann nicht einfach weg sein, aber es setzt ein Verstehensprozess ein und allmählich auch Versöhnung. Ich lerne mich selbst neu und besser kennen. Ich lerne, mich selbst besser anzunehmen, weil ich die Annahme durch meine/n Begleiter/in spüre. Welch ein Glück! 

Also nur Mut. Es geht. Nehmen Sie erst einmal ein Stück altes Schmierpapier… 

(01.02.2010)

Es grüßt Sie herzlich

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 Ich interessiere mich für alles, was dem friedlichen Zusammenleben der Menschen dient.
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