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3. Januar 2012 2 03 /01 /Januar /2012 16:38

Einband12.jpg

 

Schon auf den ersten Seiten der jüdisch-christlichen Bibel liest man, dass der Mensch auf Gott hin angelegt ist und sein wahres Menschsein verfehlt, wenn er diese Beziehung nicht richtig pflegt.

 

Wie ein roter Faden durchzieht die Bibel die immer stärker ausgeprägte Hoffnung, dass eine vollkommene Beziehung zu Gott in einem ewigen Leben in seiner Gegenwart erreicht wird.

 

Wer in seinem irdischen Leben die Fähigkeit entfaltet, sich mit verantwortlich zu fühlen für sich selbst, für die Familie, für eine Gemeinschaft, für eine Gesellschaft, für ein Land, ja letzten Ende für die ganze Menschheit, dem liegt Gottes Schöpfung gemäß göttlicher Absicht am Herzen.

 

Seine persönliche Beziehung zu Gott stützt sich somit auf vier Wesenszüge.

Erstens, sich selbst als geliebtes Kind Gottes annehmen lernen.

 
Zweitens, anderen sich wohlgesonnen zuwenden lernen, weil auch sie gottgewollt sind.


Drittens, sich in Wort und Tat einsetzen für eine friedvollere und gerechtere Welt als Vorbote der kommenden Gottesherrschaft.


Viertens, die Natur hegen und pflegen, sich an ihr erfreuen als Schöpfung Gottes.

Wo Leben verneint wird, wird Gott verneint. Wo Leben bejaht wird, wird Gott bejaht. Wer sich diese vier Wesenzüge Schritt für Schritt aneignet, wird inneren Frieden finden und gelassen erledigen, was fällig ist. Alles, was er anpackt und wie er lebt, wird stillschweigend zum Gebet. Damit wird der Mensch in seinem tiefsten Kern zum betenden Wesen, auch dann, wenn er sich dessen nicht voll bewusst ist.
 

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25. Dezember 2011 7 25 /12 /Dezember /2011 10:39

krippe.jpgAlle Jahre wieder bekommen in der Vorweihnachtszeit die Journalisten ihr soziales Gewissen, beklagen den Einkaufsrummel und rufen zu Spendenaktionen für Bedürftige ihres Einzugsgebietes auf.


Aber nicht einer scheint die Vision des Propheten Jesaia zu kennen: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß, und der Friede hat kein Ende.“ (Jes 9, 5f).


Nirgends sonst spricht das Alte Testament von einem Menschen, genauer von einem Kind, und bezeichnet es als starken Gott, Vater in Ewigkeit. Was Jesaia sich dabei gedacht hat? Hatte er ein konkretes Kind im Blick? Die Bibel übernimmt hier eine Vision vom wahren und endgültigen Frieden, die weit über den historischen Augenblick hinaus in eine geheimnisvolle Zukunft reicht.


Das Evangelium nach Lukas im Neuen Testament greift diese Friedensvision erneut auf, spricht von einem gewickelten Kind in einer Futterkrippe, lässt Hirten, den Ärmsten der Armen in der damaligen Zeit, von Engeln verkünden: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden Frieden den Menschen seiner Gnade.“ (Lk 2,14)


Der Apostel Paulus setzt diesen Gedanken in seinem Brief an Titus fort: „Als aber die Güte und die Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschien, hat er uns gerettet  ... durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist. Ihn hat er in reichem Maße über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter, damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden und das ewige Leben erben, das wir erhoffen“ (Tit 3,4-7).


Diese neue, tröstende Gewissheit in Gestalt eines Neugeborenen geschenkt bekommen, ist, kurz gefasst, das Wesen von Weihnachten.


Als im Jahr 1223 Franz von Assisi in Greccio Weihnachten feierte mit lebenden Krippenfiguren samt Ochs und Esel und mit einer mit Heu gefüllten Futterkrippe, wurde Weihnachten „das Fest aller Feste“, wie er es nannte. Er hatte damit in einer ganz neuen Tiefe das Menschsein Jesu entdeckt; denn für die alte Kirche war das Fest der Feste Ostern. In der Auferstehung hatte Christus die Türen des Todes aufgestoßen und so die Welt von Grund auf verändert. Der Mensch bekam seinen Platz in Gott.  Die Auferstehung aber setzt die Menschwerdung voraus. Gottes Sohn als Kind, als wirkliches Menschenkind – das hatte Franziskus zuinnerst getroffen und Glaube zu Liebe werden lassen. Damit konnte man Gott gewissermaßen in dem Kind im Stall zu Bethlehem anfassen und liebkosen, einfach lieb haben. So erhielt das Kirchenjahr eine zweite Mitte im Weihnachtsfest als dem Fest des Herzens, als Gegenpol zu Ostern, dem Fest der Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott.

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16. Oktober 2011 7 16 /10 /Oktober /2011 16:14

Ob irgendein Gott menschliche Sehnsüchte erfüllt, kann man mittels Vernunft weder belegen noch ausschließen.
 
Dennoch ist es vorteilhaft, wenn man auf die Existenz Gottes setzt. Man fühlt sich dann wohl und hält sich damit seelisch gesund, wenn man ein sittlich gutes und sinnerfülltes Leben führt, das an einem göttlichen Willen ausgerichtet ist. Sollte sich mit oder nach dem Tod herausstellen, dass Gott nicht existiert, hat man nichts verloren.

Setzt man umgekehrt darauf, dass Gott nicht existiert, misst man notgedrungen sein eigenes Handeln an sich selbst, weil man nicht anders kann, als sich am eigenen Gutdünken, an der eigenen Willkür auszurichten, will man nicht von woanders her fremdbestimmt sein und sich damit an einen Ersatzgottglauben hängen. Sollte sich mit oder nach dem Tod herausstellen, dass Gott wider Erwarten doch existiert und Rechenschaft einfordert, hat man alles verloren.

So ist es aus philosophischer Sicht vorteilhafter, damit zu rechnen, dass es Gott gibt. Nicht beantworten kann die Philosophie allerdings die Frage, welcher Art dieser Gott ist, wenn sie nicht von vornherein, von nirgends her begründete sittliche Modelle wählt. Damit trifft sie Vorentscheidungen, die man jederzeit hinterfragen und anzweifeln kann. Ein auf diese Weise philosophisch erschlossener Gott wird dem Menschen nur kurzfristig oder gar nie den inneren Frieden schenken. Der Zweifel wird immer an ihm nagen, ob es sich bei diesem Gott nicht doch nur um ein Hirngespinst seiner eigenen Gedankenwelt handelt.

Will der Mensch diesen Zweifel umgehen, muss er sich aus freiem Willen vertrauensvoll beschenken lassen, glauben, dass da jemand ist, der um ihn weiß und an den er sich jederzeit wenden kann. Er muss also die Gottesfrage theologisch und nicht philosophisch an sich heranlassen.

Jesus von Nazaret hat dies vorgemacht, indem er sich voll und ganz an jemanden außerhalb seiner selbst hängt, den er „Vater“ nennt, und dabei entdeckt, dass er ganz auf dessen Seite gehört. Davon sind auch seine Anhänger überzeugt und geben ihm daher die Namen Messias, Christus, Sohn Gottes oder Herr, je nach Horizont ihrer eigenen kulturellen Herkunft.

Vgl. „Auch angenabelt?

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5. August 2011 5 05 /08 /August /2011 07:17

geld.jpgIn meiner Kindheit kannte jedes Kind Jesu Erzählung vom barmherzigen Samariter, der einem  unter die Räuber Gefallenen die Wunden verband und ihn einem Herbergswirt gegen Geld in Pflege gab. Sie galt mir wie selbstverständlich als Musterbeispiel gelungener Nächstenliebe, geprägt vom Gedanken des Almosens.

Heute, gut fünfundfünfzig Jahre später, habe ich ein zwiespältiges Verhältnis zu dieser Sichtweise. Mein Herz sagt, dass das Geld in der Pflege des Opfers sehr gut angelegt war. Mein Ordnungssinn schreit: „ Mit diesem Geld hätte man eine römische Kohorte mieten und das Räubernest ausrotten können!“ Mein soziales Gewissen stellt fest, dass der barmherzige Samariter naiv handelte und er dieses Geld besser in die Lebensnot der Räuber gesteckt hätte, um ihr aussichtsloses Überleben anderweitig zu sichern; denn ihre eigene Not war die eigentliche Ursache dieses sicher nicht einmaligen Überfalls.

Wohin ich auch schaue, entdecke ich heute diesen Konflikt in fast allen Notsituationen, von denen ich Kenntnis erhalte. Helfen mit Geld? Ja natürlich! Aber wie am besten?

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7. Mai 2011 6 07 /05 /Mai /2011 10:52

In seiner Predigt beim Traugottesdienst von Catherine Middleton und Prinz William sagte der anglikanische Bischof von London, Richard Chartres:


ehering11a.jpg„Die Ehe ist gedacht als Weg, auf dem Mann und Frau sich gegenseitig helfen, das zu werden, was Gott vom Einzelnen gedacht hat: im tiefsten und wahrsten Sinne er selbst...
Im Geist dieses großzügigen Gottes sollen Mann und Frau sich dem anderen schenken. Das spirituelle Leben wächst, indem die Liebe ihr Zentrum jenseits von uns selbst findet. Treue und engagierte  Beziehungen bieten eine Tür ins Geheimnis des spirituellen Lebens an, und wir entdecken: Je mehr wir von uns selber geben, desto reicher werden wir in der Seele; je mehr wir in der Liebe über uns hinausgehen, desto mehr werden wir zu unserem wahrhaften Selbst, und die Schönheit des Geistes liegt vollständig offen. In der Ehe streben wir danach, einander zum volleren Leben zu begleiten.“

Treffender kann ich es als katholischer Religionslehrer und Ehemann auch nicht ausdrücken.

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1. April 2011 5 01 /04 /April /2011 06:28

Pilgern.jpgAm 30. Juli 2009 war es geschafft: Nach sieben Monaten und 4500 Kilometern stand ich auf dem Ölberg. Vor mir lag das Ziel meiner Reise: Jerusalem!

Es war ein ganz seltsames Gefühl in diesem Moment: ein bisschen Stolz, es geschafft zu haben, aber auch etwas Wehmut, im Wissen darum, dass diese unglaubliche Reise nun zu Ende sein würde, aber vor allem war es Freude darüber, bis hierher gekommen zu sein. Als ich am 6. Januar in St.Georgen (Schwarzwald) aufgebrochen war, hatte ich noch große Zweifel, ob ich mein Ziel je erreichen würde.
Für mich ging es bei dieser Reise zum einen darum, eine Auszeit zu nehmen und persönliche Fragen zu klären. "Ich bin dann mal länger weg", war dabei mein Motto in Anlehunug an den Bestseller von Hape Kerkeling. Pilgern bedeutet für mich jedoch mehr als nur einen spiritueller Selbstfindungstrip. So ging es mir darum, diese Fragen und Bitten, aber auch meinen Dank vor Gott zu bringen. Pilgern hat immer ein Ziel, in meinem Fall die Grabeskirche in Jerusalem. Dort wollte ich meine Anliegen vor Gott bringen.
Zu Fuß unterwegs zu sein zu einem solchen Ziel, bedeutet für mich dabei auch meinen Glauben zu leben, zwar mit Vorratstasche und Wanderstab, aber doch im Sinne des Evangeliums unterwegs zu sein und  Zeugnis zu geben.
Neben diesen religiösen Motiven sind es auch andere Momente, die dazu führten, dass mich seit meiner ersten Pilgerreise nach Santiago 2002 die Sehnsucht nach dem Pilgern nicht mehr loslässt. Es ist ein wunderbares Gefühl der Freiheit, alles auf dem Rücken zu haben, was man braucht und sich so einmal wieder auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Nachdem ich schon nach Santiago und nach Rom zu Fuß gepilgert war, blieb noch Jerusalem, das größte aller Pilgerziele.
Im Herbst 2008 entschied ich mich, mir diesen Traum zu erfüllen.
Ich habe mich bewusst entschieden, allein zu laufen. Das war nicht immer ganz einfach, weil man auf so einer Reise gezwungen ist, sich mit sich selbst auseinander zu setzen und nicht vor sich weglaufen kann. Gleichzeitig gehörte diese Erfahrung aber zu den wertvollsten der Reise.

So wurde ich also am 6. Januar in einem Gottesdienst von meiner Gemeinde ausgesandt und bin  einfach losgelaufen... Die Strecke hatte ich nicht genau geplant, sondern nur eine ungefähre Route im Kopf. Diese führte mich zunächst über die Alpen und dann durch Italien. Da Jerusalem erst einmal sehr  weit weg schien, nahm ich mir Assisi nach gut 1000 Kilometern als ein Zwischenziel vor. Bei rund 25 Kilometern am Tag war dies nach etwa 1,5 Monaten erreicht. An diesem wunderbaren Ort erholte ich mich ein paar Tage und danach ging die Route weiter entlang der Adria bis zur alten Hafenstadt Brindisi. Der genaue Wegverlauf entstand Tag für Tag. Ich genoss es sehr, morgens loszulaufen und nicht zu wissen, wo ich abends übernachten werde. Eine Frau fragte mich einmal nach dem Ziel meiner Tagesetappe, woraufhin ich wahrheitsgemäß antwortete: " Der Ort, an dem ich abends einen Platz zum Schlafen finde, ist mein Tagesziel"
Für mich gehört zum Pilgern auch, auf andere Menschen angewiesen zu sein. So klopfte ich immer irgendwo an und bat um eine Übernachtung. Das kostete zunächst etwas Überwindung, war aber eine sehr gute Erfahrung und ich lernte auf diese Weise viele interessante Menschen kennen. In Italien fand sich oft in Pfarreien oder Klöstern ein Platz; manchmal wurde ich aber auch weggeschickt. Das tat besonders dann weh, wenn mich die Leute gar nicht anschauten, sondern nur den Blick senkten und mich mit einer abfälligen Handbewegung abwiesen. Wenn ich irgendwo aufgenommen wurde, waren das hingegen zwar sehr kurze, aber oft intensive  Begegnungen. Man wird plötzlich sehr dankbar für einen Apfel, den man geschenkt bekommt oder für ein richtiges Bett. Man lernt diese vermeintlich selbstverständlichen Dinge wieder mehr zu schätzen. Die Gastgeber gaben mir im Gegenzug oft ihre Anliegen mit auf den Weg. Diese Menschen im Gebet mitzutragen, war für mich als Pilger eine ganz wichtige Aufgabe.
Die Begegnungen mit den Menschen unterwegs zählen sicherlich zu den Höhepunkten meiner Reise - Beispielsweise im relativ unbekannten Kloster Madonna dei Miraculi in Süditalien. Bei strömendem Regen kam ich an das Klostertor und der Abt bot mir gleich ein Zimmer an. Ich blieb an diesem wunderbaren, freundlichen Ort insgesamt zwei Tage. Ich nahm an den Gebetszeiten teil, in welchen die sieben Mönche des Klosters sangen, zwar unglaublich schlecht, aber mit ganzer Kraft und voller Inbrunst. Es war schön zu sehen, wie diese Leute einfach ihr Bestes geben und dabei glücklich sind. Am Ende meines Aufenthalts dankte ich dem Abt für die tolle Atmosphäre und den guten Geist, den ich in seinem Kloster erleben durfte. Da meinte er, dass ich es gewesen sei, der den guten Geist hierher gebracht habe. In diesem Moment waren alle Strapazen der bisherigen Reise vergessen

In Brindisi angekommen nahm ich die Fähre nach Igoumenitsa in Griechenland. Die Begegnungen mit der Orthodoxie fielen sehr unterschiedlich aus. Teilweise wurde ich weggeschickt, wenn ich mich als Katholik zu erkennen gab. Ich habe sehr strikte Vertreter der Orthodoxie getroffen, die mit viel Vorurteilen gegenüber der katolischen Kirche behaftet waren. Es gab jedoch auch sehr offene Geistliche. So feierte ich etwa in einem der Meteoraklöster das Osterfest mit und auch auf dem Athos, den ich vier Tage besuchte, entwickelten sich gute Gespräche mit den dort lebenden Mönchen, in denen ich viel über die orthodoxe Kirche lernte.
Eine Begegnung in Griechenland hat mich aber ganz besonders berührt: Im Schatten des Olymps sah ich von weitem schon einen Schäfer mit seiner kleinen Herde. Der Mann winkte mich zu sich  und wir setzten uns zum Essen auf den Boden. Da wir beide nicht viel hatten, teilten wir unser Essen, so dass es für jeden reichte. Diese Mittagsmahl war besser als jedes Vier-Sterne-Menu!  Da ich nur etwas Griechisch sprechen konnte, konnten wir zwar nicht viel miteinander reden, doch als wir so die Landschaft betrachteten und die Sonne genossen, da hatte ich das Gefühl, wir verstanden uns auch ohne Worte.

Der absolute Höhepunkt, was die Gastfreundschaft anbelangt, war aber die Türkei. Von Griechenland aus kam ich zunächst nach Istanbul und durchquerte dann das anatolische Hochland und den Taurus bis zur Hafenstadt Tasucu gegenüber von Zypern. Vor allem in den kleinen Dörfern wurde ich immer herzlich aufgenommen. Zentraler Ort dieser Dörfer ist eine Teestube, in der sich abends die Männer des Dorfes versammeln. Diese winkten mich meist sofort her, wenn sie mich sahen. Bei dem ein oder anderen Çay (Tee) fand sich dann immer eine Möglichkeit, wo ich übernachten konnte. Anfangs war ich etwas ungeduldig, vor allem, wenn ich schon müde war von meiner Tagesetappe und noch nicht wusste, wo ich übernachten könne. Ich musste erst lernen, dass dieses gemeinsame Teetrinken sehr wichtig ist, um sich meiner ehrlichen Absichten zu versichern und bereits zur Lösung des Problems unmittelbar dazugehört. Weggeschickt wurde ich hier nie.
 
Ich hatte zunächst Bedenken, wie Moslems auf mich als christlichen Pilger reagieren würden. Was dies anbelangt wurde ich aber sehr positiv überascht. Das Konzept einer Wallfahrt kannten sie aus ihrer Religion und so hatten sie meist sehr großen Respekt vor meiner Unternehmung.
Ich wurde dabei das ein oder andere Mal gefragt, ob ich denn überzeugt sei, dass mein Glaube der richtige sei. Dies bejahte ich natürlich, woraufhin mein Gegenüber dasselbe für seinen Glauben in Anspruch nahm und meinte, wir würden ja später sehen wer von uns beiden Recht behalte. Daraufhin tranken wir im gegenseitigen Respekt einen Cay.
 Solche Begegnungen zeigten mir, dass Toleranz und Dialog möglich ist, auch ohne den jeweiligen Wahrheitsanspruch aufzugeben.
Ich war oft in Familien zu Gast und wurde sogar einmal zu einer Beschneidungsfeier eingeladen.
In den Familien gab es allerdings große Unterschiede. In liberaleren Familien aßen etwa Frauen und Männer gemeinsam am gleichen Tisch. In anderen, konservativeren Familien war dies undenkbar. Dort durfte ich nicht einmal meine Socken waschen, da dies "Frauenarbeit" sei. Für mich war es insgesamt sehr spannend, hier eine ganz andere Kultur kennen zu lernen.
Am meisten haben mich allerdings Menschen im Taurusgebirge beeindruckt. Die Familien hatten meist nur ein paar Tiere und ein kleines Häuschen mit vielleicht ein bis zwei Zimmern. Diese Menschen, die selbst so wenig hatten, gaben aber am großzügigsten. Ganz selbstverständlich war auf dem Boden noch Platz für ein weiteres Nachtquartier und im Topf, aus dem alle aßen noch genug für einen Gast. Oft dachte ich, dass wir von diesen Menschen, von ihrer Offenheit und Herzlichkeit noch viel lernen können.

Nach einem kleinen Abstecher in Antakya (ehem. Antiochia) folgt ich meiner ursprünglichen Route und nahm das Schiff nach Zypern. Ich durchquerte die Insel und setzte von dort nach Haifa (Israel) über. In Zypern erlebte ich allerdings einen Kulturschock. Hier hatten die Leute wieder große gepflegte Gärten aus denen sie mich misstrauisch beäugten. So verbrachte ich die erste Nacht auf einem Kirchplatz als "Teilzeit-Obdachloser". Was  mich eigentlich beunruhigte, war, dass es meine eigene Kultur war, die mich "schockte".

Meine Route im Heiligen Land führte mich zunächst nach Nazaret und dann am Jordan entlang, durch das Westjordanland über Jericho bis nach Jerusalem hinauf. Eine Route, die Jesus wohl auch das ein oder andere Mal gewählt hatte. Diese Stätten zu besuchen, die ich bislang nur aus der Bibel kannte, war sehr bewegend. Aber auch die Landschaft hat mich fasziniert, vor allem als ich am Jordan bei bis zu 45 Grad durch wüstenähnliche Gebiete kam, eine Landschaft, die sehr unwirtlich und lebensfremd scheint. Sie hat eine Weite, Stille und Ruhe, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Hier konnte ich noch einmal meine Gedanken ordnen und mich auf das Ankommen vorbereiten.
Über den Konflikt zwischen den Palästinensern und den Israelis konnte ich in Gesprächen viel erfahren, über gegenseitige Angst, Hass, Misstrauen und Demütigungen.
Einmal übernachtete ich zusammen mit Palästinensern unter freiem Himmel; am nächsten Tag in einer israelischen Siedlung, hinter Stacheldrahtzaun, bewacht von Soldaten mit Maschinengewehren. Dort saß ich am Swimming-Pool und dachte an meine palästinensischen Gastgeber vom Vortag, die nicht genug Wasser zum Trinken hatten...

Nachdem Jerusalem zum ersten Mal auf einem Straßenschild zu lesen war, dauerte es nicht mehr lange und jener 30. Juli war gekommen, an dem ich zum ersten Mal vom Ölberg aus die Altstadt von Jerusalem sehen konnte. Von dort aus ging ich durch die verwinkelten Gässchen bis zur Grabeskirche, dem Ziel meiner langen Reise. Da musste ich noch einmal an die Menschen denken, die mich auf meinem Weg unterstützten, an die Begegnungen und auch an die schwierigen Momente. Als ich dort am Grab Christi kniete, war ich aber einfach nur dankbar. Ich war froh, dass ich es damals wagte, aufzubrechen und mir meinen Traum zu erfüllen.
Viele Menschen hatten mir ihre Anliegen mit auf den Weg gegeben und so hatte ich am Ende eine recht lange Liste mit Namen. An den nächsten Tagen ging ich deshalb immer wieder in die Grabeskirche, um für diese Menschen zu beten.

Nach dieser langen Reise war es gar nicht so einfach, wieder zurück zu kommen und sich im Alltag  zurecht zu finden. Ich wurde oft gefragt, ob mich diese Reise verändert habe. Ich denke, ein wenig hat sie mich schon verändert. Besonders beeindruckend waren die Begegnungen mit Menschen, mit mir und mit Gott. Diese Erfahrung der Begegnung mache ich auch nach meiner Reise immer wieder neu, wenn ich in Vorträgen und Bildern von meiner Tour berichte.  

Felix Eisenbeis (felix.eisenbeis@gmx.de)

 

Vorträge darüber:

13.4. Albstadt-Margrethausen, kath. Gemeindezentrum, 20.00 Uhr
14.4. Schonach, kath. Gemeindezentrum, 20.00 Uhr
18.4 Beffendorf, Gemeindezentrum, 20.00 Uhr Eintritt frei!
13.5. Schiltach (VHS), Friedrich-Grohe-Halle, 20.00 Uhr
19.5. Singen, Kath. Bildungszentrum, 19.30 Uhr

nach-Jerusalem.jpg

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31. März 2011 4 31 /03 /März /2011 07:12

Als junger Mann war ich aus christlicher Verantwortung für die Schöpfung ein leidenschaftlicher Gegner für den Einstieg in die Atomenergie, solange die Entsorgungsfrage des Atommülls nicht gelöst ist. Die damalige Diskussion um das sogenannte Restrisiko im Katastrophenfall, das angeblich minimalst sei, erntete nur meinen Spott als jenes Risiko, das uns den Rest geben wird.  Bei dieser Einstellung bin ich geblieben und doch stieg in mir mit den Jahren Nachdenklichkeit auf.

Inzwischen sind etwa 35 Jahre vergangen, eine Zeitspanne, in der wir weltweit Milliarden von Menschenleben dem Straßenverkehr geopfert haben. Niemand hat je gefordert, deshalb Autos abzuschaffen, auch ich nicht. Heute erschrecke ich über meine verschobene Wahrnehmung; denn der Anteil der weltweiten AKW-Toten in diesem Zeitraum liegt im Vergleich dazu im Promille-Bereich und beherrscht dennoch zur Zeit angstbesetzt und langatmig die deutsche Medienlandschaft, während unsere französischen Nachbarn selten mehr als Achtsekundenspots über Fukushima in ihren Nachrichtensendern ausstrahlen. Uns Deutsche belächeln meine französischen Bekannten als Atomneurotiker.

Was hat sich an meiner Sichtweise von damals geändert? Was ist aus meinem „nie einsteigen“ geworden? Realität ist, dass seit damals weltweit munter neue AKWs gebaut wurden und Atomkraftgegner überall in einer krassen Minderheit sind, außer in Deutschland.

Christliche Verantwortung für die Schöpfung als alleiniges Motiv für einen Atomausstieg wird daher nicht zum gewünschten Erfolg führen. Wenn es dem hochtechnisierten Land Deutschland mit seiner hochdisziplinierten Mentalität zur Pflichterfüllung und Gemeinsinn – und die haben wir in den Augen der anderen! – jedoch gelingt, Schritt für Schritt seine Atomenergie in eine verantwortungsvollere, menschenfreundlichere Energieversorgung umzubauen, ohne zu verarmen (!), könnten wir Vorbild für andere werden. Ansonsten hängen wir wirtschaftlich am Tropf der AKWs der Nachbarländer und festigen damit deren Atomlobby.

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20. März 2011 7 20 /03 /März /2011 09:13

Christliche Überlegungen zur augenblicklichen Situation in Japan:

Gott hat uns die Erde zum Leben geschenkt. Sie ist ein Feuerball mit erkalteter Kruste und ein Teil seiner Schöpfung, genauso wie die kosmischen Kräfte von Kernspaltung und Kernfusion. Unser Auftrag ist laut Bibel, damit verantwortlich umzugehen.

Gewiss ist unser biologischer Tod; denn wir sind sterblich geschaffen. Todesstunde und Umstände unseres Sterbens sind uns unbekannt. Sie liegen in Gottes Hand. Christen leben seit der Auferstehung Christi von der Hoffnung, dass dieser Tod nicht Gottes letztes Wort uns gegenüber ist.

Christen fühlen sich beauftragt, Nächstenliebe zu üben; denn Not weckt Barmherzigkeit und Tatkraft, ist also tief in uns drin von Gott angelegt. Christen gehen die Wege des Leids mit, auch wenn sie auf die Frage „Warum?“ keine Antwort wissen, weil sie darauf bauen, dass Gottes Kraft all ihre Wege mitgeht.

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13. März 2011 7 13 /03 /März /2011 10:17

brot.jpgWeizen gehört ins Brot, nicht ins Auto.

Wenn man dem katholischen Hilfswerk „Misereor" glauben darf, werden in den sogenannten Entwicklungsländern Kleinbauern von ihrem Land vertrieben und Großinvestoren bauen dann auf riesigen Flächen Soja, Mais oder Zuckerrohr für den europäischen Biokraftstoff-Bedarf an. In Europa selbst werden große Mengen an Weizen und Zuckerrüben dafür umgewidmet.

Die Erhöhung der Beimischung von Ethanol von bislang fünf auf zehn Prozent ist politisch von der schwarz-gelben Bundesregierung, der rot-grünen Opposition und allen Landesregierungen so gewollt. Damit wird die EU-Richtlinie umgesetzt, die Autobranche und Mineralölkonzerne brauchen, damit sie die Unkosten der Entwicklung für Motoren mit geringerem Verbrauch einsparen und den geringeren Gewinn aus weniger verkauftem Benzin vermeiden. Niedrigerer Ausstoß von Kohlendioxid als sinnvoller Klimaschutz stört massiv das Geschäft.

Umweltverbände beklagen seit Jahren, dass Biokraftstoffe keineswegs das Klima retten; denn klimaverträglich erscheint das Verbrennen von Ethanol nur, weil das dabei freigesetzte Kohlendioxid zuvor von der Pflanze aus der Luft aufgenommen wurde. Man tut so, als wäre auf der Anbaufläche vorher nichts gewachsen. Doch für die Pflanzen braucht man Ackerland. Wald- oder gar Feuchtgebiete müssen weichen, obwohl sie die besseren Kohlendioxid-Speicher sind.

Zudem verteuert der Anbau von Energiepflanzen die Nahrungsmittel weltweit. Die Weltbank hat schon 2008 auf eine Verteuerung bei Nahrungsmitteln von bis zu 75 Prozent infolge der Produktion von Biosprit hingewiesen.

Zehn Prozent vor allem älterer Autos dürfen auf keinen Fall E10 tanken. Hier entsteht ein neuer Müllberg aus Altwagen und ein neuer Absatzmarkt für Neuwagen.

Doch wer Umweltschäden verringern will, muss neue Verkehrskonzepte entwickeln, anstatt auf Kosten anderer heuchlerisch sein Gewissen beruhigen mit einer nur scheinbar guten Ökobilanz.

Wenn Jesus im Vaterunser seine Jünger beten ließ: „Gib uns das Weizenbrot für den heutigen Tag.“, hatte er das Überleben der Menschen im Blick. Nahrung ist für den Menschen da, nicht für die Auto- und Mineralölindustrie.

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12. Februar 2011 6 12 /02 /Februar /2011 21:10

Der moderne Mensch sucht mehr oder weniger bewusst nach innerer Ausgeglichenheit und tiefem Seelenfrieden. Er ahnt, dass der Besitz von Geld zwar ungemein beruhigt, aber letztendlich nicht glücklich macht. Vordergründige Quellen wie Konsum, Genuss, Besitz oder  Anerkennung werden irgendwann schal und können die Grundsehnsucht der menschlichen Seele nicht befriedigen. Meist uneingestanden sucht der Mensch nach dem Größten, dem Erhabenen, dem Heiligen, dem Erlösenden, was die Mystiker als Vereinigen mit Gott bezeichnen.

Menschen, die sich auf die Suche nach diesem Letzten machen, brauchen in einem ersten Schritt die Erfahrung von Geliebtsein. Christen sind überzeugt, dass eine solche Erfahrung für alle Menschen existiert, dass jeder Mensch willkommen, angenommen und geliebt wird, nämlich von Gott. Wer als Suchender solches erfährt, spürt, wie seine innere Würde wiederhergestellt wird, wie er Kraft bekommt, Unvermeidliches zu ertragen, sich Hemmnissen in seinem Leben zu stellen, anzuerkennen, wo er schuldig wurde und befreiend zu vergeben, wo andere ihm gegenüber schuldig geworden sind.

Christen begegnen in einem zweiten Schritt auf ihrer Suche nach diesem Letzten der erlösenden Liebe Gottes in Jesus Christus. Innerlich dadurch berührt von Gott keimt Hoffnung auf Heilen innerer Verwundungen und auf Befreiung von Ängsten, Zwängen und  Abhängigkeiten auf. Diese Hoffnung will gepflegt sein, am besten von und mit Menschen, die darin einen Informations- und Erfahrungsvorsprung haben und damit neuen Lebensmut, neue Lebensfreude wecken. Gläubige Christen sind überzeugt, dass nur von Gott geschenkt bekommene Lösungen dies ermöglichen. Sie sprechen hierbei von Gnade und öffnen sich der Liebe Gottes im persönlichen und fürbittenden Gebet für sich und andere.

In einem dritten Schritt wird dieses zarte Pflänzchen geistigen Lebens genährt und gestärkt im Feiern der kirchlichen Sakramente, in Gottesdiensten und im Einsatz für andere in tätiger Nächstenliebe.

In der römisch-katholischen Kirche ist Mitte dieses geistigen Lebens Jesus, der Christus.
Ihm begegnet der römisch-katholische Christ vorrangig in der Liturgie der Eucharistiefeier. Ihm vertraut er sich an. Von ihm lässt er sich leiten, damit er leibhaftig erfährt, dass Gott jeden einzelnen Menschen väterlich liebt. Ihm will er es nachtun, indem er Nächstenliebe übt und sich gemäß den 10 Geboten und der Bergpredigt verhält.

In früheren Zeiten wurden um die Gotteshäuser herum Kindergarten, Seniorenheim und Krankenhaus errichtet. Damit machte man auch baulich sichtbar, dass Gottesdienst und Dienst am Menschen untrennbar zusammengehören. Heutige Gemeindezentren lassen noch ein wenig von diesem Grundgedanken ahnen.


Gott hat die Menschen mit verschiedenen Begabungen ausgestattet und beauftragt, sie im Laufe ihres begrenzten Lebens zum Wohle der Welt und der Menschheit zu entfalten und zu pflegen.

Kein Mensch muss alles können, jeder darf Grenzen haben. Erst im Zusammenspiel von vielen dieser Kräfte und Begabungen zeigt sich, dass Gott - ganz im Geiste Christi - ein Reich des Wohlwollens beabsichtigt. Menschen sind nur Vorboten dieses geistigen Willens, Mosaiksteine und Spuren des Guten am Aufbau einer heilen Welt.


Die römisch-katholische Kirche sieht sich als wesentlicher Bestandteil dieses göttlichen Heilsplanes. Vollenden aber wird ihn Gott allein, wann er es selbst für richtig hält.

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  • : Blog von Winfried Schley
  • : Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.
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  • Winfried Schley
  • Niemals in Gleichgültigkeit verfallen, unabhängig davon, was im Leben auf mich zukommt !  
 Ich interessiere mich für alles, was dem friedlichen Zusammenleben der Menschen dient.
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