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24. Dezember 2008 3 24 /12 /Dezember /2008 08:28

 

„Hätt’ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben!“, skandierte eine kleine Gruppe der Abtreibungslobby gegen einige Christen, die vor einer Abtreibungsklinik zum Schwangerschaftsabbruch entschlossene Mütter noch in letzter Minute umstimmen wollten.
 
Offensichtlich geht von dem Jesuskind in der Krippe eine solche, über 2 000 Jahre anhaltende Dynamik aus, dass es noch heute die Abtreibungsindustrie empfindlich stört, die sich bei uns zum blühenden Wirtschaftszweig mit menschlichem Nachwuchs als selbstnachwachsendem Rohstoff entwickelt hat.

So sieht vor allem die FIAPAC (Internationale Vereinigung von Fachkräften für Schwangerschaftsabbrüche und Kontrazeption) ihren Hauptgegner in der Katholischen Kirche mit deren unermüdlichen Eintreten für ein Recht auf Leben von der Zeugung an und sie definiert Schwangerschaft als gesundheitliche Bedrohung der Frau, der man durch Schwangerschaftsabbruch heilend begegnen kann, spricht erst dann vom Kind, wenn es geboren ist, also seinen Aufenthaltsort außerhalb des Mutterleibes erreicht hat. Vorher wird von „Produkt“, „Gewebe“, „Material“ oder „befruchtetem Ei“ gesprochen.

Sprache kann so entlarvend verschleiern. Man ist stolz auf ein neues, schon hunderttausendfach in alle Welt verkauftes Abtreibungsinstrument, das besonders gewebeschonend arbeitet und den Bedarf der Forschung nach möglichst unzerstörtem fetalen Gewebe deckt. Wirtschaftliche Verwertung um jeden Preis heißt die Devise.

Dieses Denkmuster erinnert fatal an die Ideologie der Nazi-Schergen, die vom Zahngold über Frauenhaar bis hin zu Menschenknochen für Leim und Seife und „medizinischen Versuchen zu Forschungszwecken“ alles Verwertbare ihrer KZ-Opfer in den Wirtschaftskreislauf zurückfließen ließen.

Inzwischen hat sich noch eine weitere Industrie entwickelt, die den Frauen zur Tröstung unbewusster Schuldgefühle täuschend lebensechte Babypuppen aus Vinyl unterjubelt. Vor allem jetzt in der Weihnachtszeit boomt das Geschäft mit diesem pflegeleichten Liebesersatz.

So viel ist in den Frauenherzen von der ursprünglichen Weihnachtsbotschaft wohl doch noch übrig geblieben, nämlich die, dass von einer Mutterliebe zu ihrem Kind eine Kraft ausgeht, die alle Unbill dieser Welt überstrahlt. Nicht nur das Kind in der Krippe, jedes Kind ist Botschafter dafür, dass Gott die Lust am Menschen noch nicht verloren hat (Rabindranath Tagore). Kann es etwas Schöneres geben als ein kleines, neues Leben?

Hätte Maria abgetrieben, könnten Christen nicht Weihnachten feiern als Fest der Geburt Christi. Sie können es nur deshalb, weil Maria aller widrigen Umstände zum Trotz ja gesagt hat zu ihrem Kind.

 

Heiligabend 2008
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21. Dezember 2008 7 21 /12 /Dezember /2008 12:09
Sein Stammbaum ist nicht gerade reinrassig. Vier anrüchige Frauen werden in dieser Männerliste aufgeführt und das in einer patriarchalischen Gesellschaft!

Tamar, die Ausländerin und kinderlose Witwe, die sich als Dirne verkleidet von ihrem eigenen Schwiegervater schwängern ließ, Rahab, die ausländische Gastwirtin und Dirne, die mit den Feinden ihrer Stadt gemeinsame Sache machte, um ihre eigene Haut und die ihrer Großfamilie zu retten, die noch junge Rut, ebenfalls Ausländerin und schon Witwe, die sich auf den Rat ihrer Schwiegermutter hin in eindeutiger Absicht einem entfernten Verwandten zu Füßen legte, die schöne und verheiratete Batseba, die sich mit einem König einlässt, der, als sie von ihm ein Kind erwartete, ihren Mann in den sicheren soldatischen Heldentod schickte. Sex and Crime pur.

Ganz unbefangen baut der Verfasser des Evangeliums nach Matthäus, dem ersten Buch des christlichen Neuen Testamentes, diese vier Frauen in eine dreimal vierzehn Generationen umfassende Ahnenliste ein und beendet sie mit den Worten: „ ... Jakob war der Vater von Josef, dem Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus (der Messias) genannt wird.“

Niemand schien damals daran Anstoß zu nehmen. Frauenlogik, die das Weiterleben der zukünftigen Generationen sicherte, fand offensichtlich Anerkennung. 14 als Zahl Davids, der als Urahn des Messias galt, verriet obendrein, wer dieser Jesus für ihn war, der dreifache David. Folgerichtig lässt er Sterndeuter aus dem Osten fragen: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ Als Antwort darauf zitiert er ziemlich frei den Propheten Micha aus dem jüdischen Alten Testament: „Du Betlehem im Gebiet Juda bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten Judas; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.“

Dieser Karriere gedenken Christen in wenigen Tagen, wenn sie Weihnachten feiern, dem Fest der Zuversicht, dass für Gott auch aus missliebigsten Schicksalsschlägen und belastenden  Schuldverstrickungen ein Neuanfang durch Verzeihen und Versöhnen möglich ist.
Sonntag, 4. Advent
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6. Dezember 2008 6 06 /12 /Dezember /2008 11:35

Ob ich den Weihnachtsmann spielen wolle, rief mich als junger Vater einst die Kindergärtnerin unseres Dorfes an. „Ja, aber nur, wenn ich den echten Nikolaus, den Bischof von Myra aus dem 4. Jahrhundert vorstellen darf und nicht den rot gekleideten Knollennasenheini aus der früheren Coca-Cola-Werbung.“ Ich durfte.

Ich lieh mir eine Nikolausverkleidung aus einem katholischen Kindergarten und zog los. „Ich bin der Papa von Fabian“, stellte ich mich den Kindern vor. Damit war ihnen klar, wer ich war; denn Fabian, mein ältester Sohn, besuchte eben diesen Kindergarten und war ihr Spielkamerad.

Aus meinen Karton nahm ich vor ihren staunenden Kinderaugen ein weißes, weit geschnittenes Gewand und erklärte den Kindern, dass dies eine Albe sei, eine Art Untergewand, wie es die katholischen Priester heute noch bei jeder Messe unter dem eigentlichen Messgewand tragen. „Auch der heilige Nikolaus war als Bischof ein Priester, der ranghöchste Priester seiner Stadt.“, fuhr ich fort, während ich mich mit dem Zingulum, einem einfachen Leinengürtel, umschnürte und damit die Albe auf meine Körpergröße anpasste. Darüber zog ich ein rot-goldenes, ausgedientes Messwand, eine Kasel, setzte mir die Mitra auf, eine zweizipfelige Bischofsmütze mit einem goldgestickten Kreuz darauf, als Zeichen dafür, dass auch Sankt Nikolaus nicht aus eigener Vollmacht handelte, sondern sich als Stellvertreter Jesu Christi fühlte, der sich für die Armen, die Not Leidenden, die Hungernden, die ungerecht Behandelten einsetzt. Dann nahm ich den mit Goldband umwickelten Krummstab in die Hand und schritt langsam und feierlich den Sitzkreis, den die Kinder gebildet hatten, ab, so dass jeder St. Nikolaus aus nächster Nähe mitbekam.

Ich fügte mich in diesen Kreis ein, setzte mich bedächtig auf meinen Erwachsenenstuhl und erzählte nun in Ichform, was „ich“ als Heiliger so alles in
meinem Leben an Wohltaten vollbracht hatte, so dass „mich“ heute noch viele kennen. Ich erzählte, wie „ich“ drei verarmten Mädchen heimlich des Nachts Geld durchs Fenster warf, damit sie nicht betteln mussten, sondern als würdige junge Frauen heiraten konnten.

Gebannt lauschten die Kinder. Weg war Fabians Papa, verschwunden aus ihrem Gesichtskreis, nur der leibhaftig gegenwärtige Heilige zählte noch.

„ ... und dann kam eine große Hungersnot über meine Stadt Myra. Niemand hatte mehr etwas zu essen, als wie durch eine Fügung Gottes ein großes, für den römischen Kaiser bestimmtes Getreideschiff an unserem Hafen anlegte. Sofort eilte ich zum Hafen und überredete den Kapitän, seine riesige Angst vor dem mächtigen Herrscher in Rom zu überwinden und uns hundert Sack Getreide da zu lassen. Könnt ihr euch vorstellen, wie sich meine Leute in Myra darüber freuten?“ Lebhaftes Nicken ringsum bestätigte mir, wie sehr die Kinder diese Freude nachempfanden.

So mancher schielte schon auf meinen mitgebrachten großen Sack mit den Geschenken. Doch so schnell rückte ich damit nicht heraus und gab noch eine weitere, weniger bekannte Nikolauslegende zum Besten. Da hatte der Statthalter Bestechungsgelder angenommen und drei unschuldige Bürger zum Tode verurteilt. „Ich eilte zum Richtplatz, riss dem Henker das Schwert aus der Hand, befreite die Gefangenen und brüllte den Statthalter an: Du wagst es, Unschuldige zu töten?“ Meine zornige Stimme füllte den Kindergartensaal und als ich wütend meinen Hirtenstab auf den Boden stampfte, duckten sich zutiefst erschrockene Kinderköpfe. Geistliche Autorität, verkörperte Gerechtigkeit im Namen Gottes als höchstem Richter und letzte Instanz bestimmte die Atmosphäre, Zeit also, versöhnlichere Töne anzustimmen: „ ... und alle, denen ich geholfen habe, dankten Gott und gaben diesen Dank auch an ihre Mitmenschen weiter. Als Zeichen dafür bekommt jetzt jeder von mir aus diesem großen Sack ein kleines Geschenk.“

Die Spannung wich aus den Kinderseelen, machte Neugier und Freude Platz, als ich zusammen mit der Kindergärtnerin jedem Kind eine Orange und eine Schokoladentafel überreichte. Es konnte ihnen gar nicht schnell genug gehen. Ob sie überhaupt bemerkt haben, dass ich so ganz nebenbei in aller Stille meine Nikolausverkleidung wieder ablegte, sorgsam im Karton verstaute und als ganz normaler Familienvater den Kindergarten verließ?

Brauchtum pflanzt in Kinderseelen wichtige Wertvorstellungen. Nicht ich als Fabians Papa zählte dabei, sondern der im Mirakelspiel gegenwärtige St. Nikolaus, der „berühmte und überall bekannte Vater und Verteidiger der ganzen Welt, ihr Mittler und Retter, Abbild Christi und nachahmenswertes Vorbild der Christen“, wie es in einem Erzählbuch über ihn heißt.

 

 

06.12.2008, dem Fest des Heiligen Nikolaus

 

 

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30. November 2008 7 30 /11 /November /2008 09:38

 

 

Ein Baby mit Stallgeruch und einer Lebenserwartung von knapp über dreißig Jahren ist nicht der Stoff, aus dem unsere Träume gezimmert sind. Geboren in einem Kaff, von dem sich niemand ernsthaft vorstellen konnte, dass von dort was Rechtes kommt, aufgewachsen ohne fließendes Wasser und Stromanschluss, sämtlichen Kinderkrankheiten ausgeliefert, die seine Dorfkontakte ihm anboten, aber eingebettet in eine elterliche Fürsorge und Liebe, die in ihm den Traum von einer letzten, endgültigen Liebe keimen ließ, einer Liebe, die kein Mensch bieten kann, die vom Urgrund seines Seins herkam und der er sich vorbehaltlos anvertraute.

Er nannte diese Quelle „Vater“. Ein besserer Name fiel ihm nicht ein. Aber für seine jüdischen Zeitgenossen war das schon eine Nummer zu intim. Es sprengte ihre Denkmuster und jagte ihnen solche Angst ein, dass sie sich nicht anders zu helfen wussten, als ihn ermorden zu lassen. Schließlich macht, wer etwas auf sich hält, seine Hände nicht selbst schmutzig. So etwas überlässt man lieber einem dummen römischen Statthalter namens Pontius Pilatus.

Hatte dieser wirklich keine Ahnung, was er als Hinrichtungsgrund schreiben ließ: „Jesus von Nazaret, König der Juden“? War er unbewusst ein Werkzeug Gottes?

Wie dem auch sei, seit vielen hundert Jahren feiern Christen an Weihnachten, einem heute weltbekannten Fest, die Geburt dieses Mannes als ihren Erlöser, der sie seit seiner Auferweckung vom Tod auf ein ewiges Leben bei Gott hoffen lässt. Manche basteln in der Vorbereitungszeit zu diesem Fest, der Adventszeit, eine Krippe und gestalten damit eine Szene nach, angelehnt an das Evangelium nach Lukas, wo erzählt wird, dass Maria ihren Sohn Jesus in einem Stall zur Welt brachte und ihn in eine Futterkrippe bettete, während himmlische Wesen den Schafhirten auf dem Felde die Geburt eines göttlichen Friedenbringers verkündeten, worauf diese Hirten, geführt von einem Stern, sofort zum Viehstall eilten, um das Neugeborene anzubeten.

Viele, auch Nichtgläubige, lassen sich von diesem Vorweihnachtszauber, dieser adventlichen Stimmung, anstecken und feiern mit. So ist Weihnachten als Fest der Geburt Christi vielleicht doch der Stoff, aus dem unsere Träume sind, Träume von einem Gott, der für alle da ist, vorrangig für die Armen und Benachteiligten auf der ganzen Welt.

 

 

Sonntag, 1. Advent 2008
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29. November 2008 6 29 /11 /November /2008 12:03

Herzlichen Dank für dieses Tauschgeschäft!

vgl. Advent im Herzen eines Kindes

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18. November 2008 2 18 /11 /November /2008 17:32
„Können wir von deinem wunderschönen Efeu haben?“ Fünfzig Adventskränze will eine Frauengruppe aus einem Nachbardorf basteln. Dafür braucht sie Immergrünes, Tannen- und Fichtenzweige und Efeu - meinen Efeu.

Der letzte milde Winter und der warmfeuchte Sommer haben ihn so wuchern lassen, dass ein Radikalschnitt unterm Dachgebälk und Dachziegeln nötig schien, so weh mir dabei ums Herz war. Entdeckte ich doch in luftiger Höhe unzugängliche Vogelnester. Jetzt wusste ich, wo Rotkehlchen und Hausrotschwanz, Blaumeise, Amsel und Spatz gehaust hatten, die das Frühjahr und den Sommer über meinen kleinen Garten aufsuchten.

Immergrünes als Zeichen der Hoffnung an immer kürzer werdenden Wintertagen will diese Frauengruppe in ihre Adventskränze flechten. Der kreisförmige Kranz symbolisiert den Erdkreis mit vier Kerzen für die Himmelsrichtungen, wobei an jedem Adventssonntag eine Kerze mehr angezündet wird.
 
Im christlichen Glauben verkündet man damit auch das ewige Leben bei Gott nach der Auferstehung. Die Kerzen weisen hin auf Christus als das kommende „Licht der Welt“, dessen Eintritt in diese dunkle und trostlose Welt man an Weihnachten feiert, auch wenn Jesus von Nazaret sicher nicht zu diesem Datum geboren wurde. - Hier wurde das alte römische Fest des Sonnengottes und die germanische Wintersonnwendfeier geschickt umgepolt in die christliche Weihnachtszeit. – Advent erwartet somit die Ankunft Christi als Erlöser am Ende der Zeit.

Als Kind liebte ich den brennenden Adventskranz. Wie oft brach ich zum Verdruss meiner ängstlichen Mutter eine Tannennadel davon ab, hielt sie in die Kerzenflamme und erfreute mich am Geruch der ätherischen Öle, wie sie zischend verbrannten. Das Kerzenlicht, wie es sich im dämmrigen Dunkel unseres stillen Wohnzimmers sanft ausbreitete, strahlte für mich Wärme, Behaglichkeit und Geborgenheit aus. Das tat mir gut.

Wenn ich nun den Frauen einen großen Bottich voll mit meinem Efeu überlasse, wird die Erinnerung daran wieder wach. In meiner Phantasie wünsche ich mir viele Kinder, die vor diesen gebastelten Adventskränzen sitzen werden, rumzündelnd ihre ängstlichen Mütter nerven, aber hoffentlich genau das in ihrem Kinderherz erleben, was mir, dem kleinen Winfried, damals inneren Frieden, Trost und Zuversicht schenkte.
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9. November 2008 7 09 /11 /November /2008 16:19
„Was bedeutet denn diese angenagelte Leiche mit den vier Buchstaben darüber, die hier in Süddeutschland überall herumhängt?“ fragte mich ein junger Mensch aus dem Berliner Raum.

Ich brauchte ein Weilchen, bis ich verarbeitet hatte, dass er ein Kruzifix meinte, so gewohnt war mir der ihm fremde Anblick. Ich erklärte ihm, dass dies eine künstlerische Darstellung des gekreuzigten Christus sei, bestehend aus einem Kreuz, meist aus Holz, oft aus Metall oder Stein, und dem Körper des Jesus von Nazaret. Hier in dieser Gegend sieht man es oft in Kirchen hängen oder als Flurkreuz an Weggabelungen oder auf Feldhügeln stehen.

Kruzifix kommt von lateinisch cruci fixus, das heißt ans Kreuz geheftet, und ist ein wesentliches Symbol im christlichen Glauben. Die vier Buchstaben über dem Kruzifix sind INRI, eine Abkürzung für Jesus Nazarenus Rex Judaeorum (= Jesus von Nazaret, König der Juden). Nach der Leidensgeschichte dieses Jesus, wie sie im Neuen Testament, dem Glaubensbuch der Christen, aufgeschrieben ist, ließ der römische Statthalter Pontius Pilatus dies als Hinrichtungsgrund an jenem Kreuz anbringen, an das eben dieser Jesus genagelt wurde.

Zum christlichen Symbol wurde das Kruzifix jedoch erst, als die Todesstrafe durch Kreuzigung längst abgeschafft war und niemand mehr sich einer Gestalt schämen musste, die die schändlichste und verachtenswerteste Todesstrafe traf, die es zur Zeit seines Wirkens im römischen Reich gab.

Für die Christen dieser Gegend ist das Kruzifix eine Gebetshilfe, das sie unterwegs zu einem Stoßgebet anregt, und an Wallfahrtsorten, in Kirchen oder im gar im eigenen Wohnzimmer dazu dient, sich ins Gebet zurückzuziehen, den Blick auf das Kruzifix gerichtet als Hilfsmittel, sich innerlich zu sammeln und vom Alltag Abstand zu nehmen.


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20. August 2008 3 20 /08 /August /2008 09:21
"Ich bete für Sie." ist leicht dahin gesagt. Anderer Menschen Not im Gebet vor Gott zur Sprache bringen ist etwas, wobei mir jedes Mal mulmig wird. Es ist, als ruhe eine zusätzliche Zentnerlast auf mir. Sitze ich in einer solchen Stunde meditierend vor dem Bild des Gekreuzigten, strömen in mein Hirn so viele Gestalten, Schicksale und Hilfeschreie, dass ich das Gefühl habe, mir platze der Schädel. Die meisten Gesichter bleiben schemenhaft, manche je doch treten klar und deutlich hervor:

Ausgeweint haben die leeren Augen einer alleinerziehenden Mutter, deren zwölfjährigen Sohn wir dem Abgott Verkehr geopfert haben, bis endlich der längst überfällige Radweg gebaut wurde. Um Erbarmen flehend wirkt auf mich ein Familienvater, dem eine schwere Krankheit seine Zukunftspläne glatt durchstrich. Schlaflose Nächte zeichnen das Gesicht seiner Frau. Abgründe aus Angst und Verlassenheit verbauen einer Witwe den Weg in die eigene Selbstständigkeit. Wie viel Gewalt hat wohl jenes Kind erlitten, das auf Worte nicht mehr reagiert? Abgeschottet und verbockt wirkt die missbrauchte junge Frau. Hinter Bart und Brille versteckt sich der Mann, der schon längst keinen Boden mehr unter seinen Füßen verspürt. Zur Wegwerfware erniedrigt und gedemütigt ringt die verlassene Ehefrau um Selbstachtung.

Alles Schicksale in meiner Stadt, ein winziger Bruchteil dessen nur, was täglich auf der Welt sich ereignet, und doch für mich wichtig, weil es mich in meinem eigenen Umfeld unmittelbar trifft und daher etwas angeht.

Die anderen Schicksale, die mir das Fernsehen frei Haus mit den Nachrichten mal liefert, mal unterschlägt, lassen in mir Gefühle der Ohnmacht aufkommen. Ich kämpfe dagegen an, indem ich hoffe auf viele, mir unbekannte Mitbeter und Mitarbeiter an einer besseren Welt. Ich vertraue darauf, dass es sie gibt. Die Welt wäre viel schlimmer dran, gäbe es nicht Anhaltspunkte des Guten, Vorboten der kommenden Gottesherrschaft.

86 Millionen Tote schätzt die UNO als Ergebnis aller kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten hundert Jahre. Das Leid der Lebenden drumherum wird ausgeklammert, nur die Toten werden gezählt. Wie einseitig nehmen wir wahr? Wo sind wir betroffen, wo nicht? Wer manipuliert unsere Gefühle, unsere Ängste, unsere Betroffenheit? Welchen Scheinsicherheiten geben wir uns hin? Wer hilft uns, wach zu werden für die Wahrheit, für die Not des Mitmenschen?

Was soll ich tun, wenn es mich selbst trifft?

Wie man seine Not vor Gott trägt, zeigt z.B. der Psalm 142: "Mit lauter Stimme schreie ich zum Herrn, laut flehe ich zum Herrn um Gnade. Ich schütte vor ihm meine Klagen aus, eröffne ihm meine Not. ... Vernimm doch mein Flehen; denn ich bin arm und elend."

Hätte ich nicht den Trost des Gebetes, mir bliebe nur die nackte Verzweiflung, so aber bin ich mir voll bewusst, dass meine Fußsohlen nur wenige Quadratzentimeter brauchen, damit ich sicher stehe. Ob auf freier Ebene oder am Rande des Abgrunds, es genügt die gleiche Standfläche für sicheren Stand, solange ich nicht aus Angst das Gleichgewicht verliere. Mit Gottes Hilfe, so hoffe ich, wird mir das gelingen und anderen ebenso.

vgl. auch
Tag um Tag
und Vater unser heute
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19. August 2008 2 19 /08 /August /2008 14:36

Leicht erschrocken war ich schon, als ich in einem Buch über Bibelzitate die Stichworte Freude, Feste und Feiern nicht vorfand. Zum Glück besitze ich selbst eine Bibel, blätterte sie durch und fand im Alten Testament bei Jesus Sirach, einem jüdischen Weisheitslehrer etwa um 180 v. Chr.:

"Herzensfreude ist Leben für den Menschen, Frohsinn verlängert ihm die Tage. Überrede dich selbst, und beschwichtige dein Herz, halte Verdruss von dir fern! Denn viele tötet die Sorge und Verdruss hat keinen Wert".

Nicht dass hier für ein oberflächliches Leben in Saus und Braus geworben wurde, frei nach dem Motto: Lieber kurz gelebt als lang gedarbt! Dazu war der alte jüdische Weisheitslehrer viel zu gescheit. Ihm ging es um Tieferes. Auch er wusste, dass im Leben manches hart kommt, dass einer vor äußerer oder innerer Not und Angst nicht mehr ein und aus weiß. So wie er darüber schreibt, hat er vermutlich selbst einiges durchgemacht. Doch er war sich sicher:
Das Leben braucht Pausen, Verschnaufpausen. Unsere Zeit braucht Einschnitte, um nicht
leerlaufgleich zu verrinnen. Unser Lebenslauf braucht Feste. Feste gliedern die Zeit.

Wer ein Fest feiert, hält inne. Er erinnert sich. Alle unsere Familienfeste wie Namenstage, Geburtstage, Hochzeits- und Arbeitsjubiläen sind Erinnerungsfeste. Feste haben ihre Wurzeln in vergangenen Zeiten, sie beginnen nicht erst, wenn der Festtag da ist. Daher  braucht ein richtiges Fest seine Zeit der Vorbereitung. Auf ein richtiges Fest muss man hinleben, es erwarten, darauf gespannt sein. Erst dann wird ein Fest mehr als ein flüchtiger Anlass für gutes Essen und Trinken.

Wer ein Fest feiert, lädt Gäste ein. Nur mit anderen zusammen lässt sich's fröhlich sein.
Geteilte Freude ist doppelte Freude. Für sich allein kann man ein Glas Wein am Feierabend genießen, aber für ein richtiges Fest fehlt das Gespräch, der Kontakt zum Mitmenschen.
Feste sind Stützen gegen die Einsamkeit. Wer ein Fest feiert, tankt auf, schöpft Kraft für
die Zukunft, hofft auf gute Tage. Die Glückwünsche an unseren Familienfesten bezeugen das.

Für kirchliche Feste gilt ähnliches. Nur reichen sie weiter als Familienfeste. Ihre
Wurzeln greifen über ein Menschenleben hinaus zurück in die Vergangenheit, eigentlich bis an den Anfang der Welt, dem grundsätzlichen Ja Gottes zur Schöpfung, und damit zu uns.
Auch wagen sie sich weiter in die Zukunft. Jedes kirchliche Fest, angefangen bei den
Hauptfesten Weihnachten, Ostern und Pfingsten über die Heiligenfeste, Erntedank, Trauung, Erstkommunion und Firmung oder Konfirmation bis hin zur Beerdigung, ist Vorbote, ist Vorahnung, ist Einstimmung für das große Fest am Ende der Zeit bei Gott.

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1. Juli 2008 2 01 /07 /Juli /2008 14:41
Ein kurzer stechender Schmerz! Blitzschnell zog ich meinen Ehering ab. Ein kleines Äderchen war geplatzt und mein Ringfinger an der rechten Hand begann zu schwellen.

Zwar war alles nach ein paar Tagen wieder gut, doch mein Ringfinger blieb dicker, so dass der Ehering nicht mehr passte. Ich musste ihn ein wenig weiten lassen. Dies tat ich in jenem Schmuckgeschäft, in dem ich vor dreißig Jahren die Eheringe gekauft hatte.


Natürlich war das eingravierte Muster schon längst nicht mehr sichtbar, glattpoliert während all der Jahre, in denen der Ring bei handwerklichen Arbeiten im gemeinsamen Haushalt immer wieder leichte Schläge abbekam. Doch im Innern des Eherings war das Hochzeitsdatum und der Name meiner Frau noch entzifferbar.

Zufällig war die Seniorchefin des Schmuckgeschäftes anwesend. Dass jemand einen so lange getragenen Ring zum Weiten zu ihr brachte, hat sie so gerührt, dass sie spontan die Bezahlung als Spende in die Sammelbüchse für krebskranke Kinder warf, die auf der Verkaufstheke ihres Ladens steht.  Dreißig Jahre – da werden Erinnerungen wach:

Damals hatten meine Frau und ich uns für eine katholische Trauung entschieden. Wir unterschrieben beim katholischen Pfarrer, der uns trauen sollte, dass wir aus freien Stücken uns für diese Ehe als lebenslangen Bund entschlossen hatten und gewillt waren, miteinander Kinder zu bekommen.


Andernfalls hätte uns der Priester gar nicht trauen dürfen; denn nach der Lehre der  Katholischen Kirche sind es die Eheleute, die sich das Sakrament der Ehe spenden. Es ist nicht der Priester oder jemand anderer, der halt den Trauritus vollzieht. Jene vertreten nur die Kirchengemeinde, die das Ehepaar für diesen neuen Lebensbund zum Zeugen nimmt.

Ein Sakrament ist ein äußeres Zeichen einer inneren, unsichtbaren Gnade. Das Ehesakrament im katholischen Verständnis gilt als Abbild der immerwährenden Liebe Gottes zu den Menschen, als Symbol der nie abreißenden Verbundenheit Christi mit seiner Kirche. Diese Art Ehe gilt daher als unauflösbar. Die sexuelle Vereinigung ist tiefstes und nicht anderweitig ersetzbares Zeichen dieser Verbindung.

Daher können Impotente, homosexuelle oder lesbische Paare keine Ehe in diesem Sinne eingehen.


Drei Kinder hat mir meine Frau geschenkt. Das war wie in allen Familien Stress, Freude und Sorge pur!

Auch kirchlich getraute Ehen werden zwar im Himmel geschlossen, aber auf Erden geführt mit allen Höhen und Tiefen, Schicksalsschlägen und Krisen, Durststrecken und Auseinandersetzungen. Wie teilen wir unser Einkommen auf, wo sparen und worauf, wofür ausgeben, worauf verzichten? Welche gemeinsame Normen für die Erziehung der Kinder haben wir, welche zeichnen sich im Laufe des Lebens erst ab? Welche Interessen leben wir gemeinsam, welche überlassen wir frei dem Eigenleben des Partners, das ja weiterhin existiert?

Immer wieder neu muss eine solche Beziehung hinterfragt, verändert und erneuert werden, auch im Sexualverhalten. Schließlich nimmt die sexuelle Attraktivität anderer möglicher Partner ja nicht ab, nur weil zwei sich einmal füreinander entschieden haben. Der Bauch kennt keine Treue. Es ist der eigene Wille, die eigene, verinnerlichte Moral und im Laufe der Zeit auch ein Stück weit Vertrautheit und Gewohnheit, die sich immer wieder neu für den angetrauten Partner entscheiden lässt. Je länger eine solche Beziehung dauert, je deutlicher wird ein gemeinsamer roter Faden darin sichtbar, um so mehr erscheint dieser Lebensabschnitt als Geschenk.

Als meine Frau kürzlich meinte, sie wünsche sich weitere dreißig Jahre Zusammenleben mit mir, tat mir das sehr gut. Das macht das Herz weit und offen für die Zukunft! Ein geweiteter Ehering ist dagegen nur Abklatsch, aber vielleicht auch unterstützendes Symbol für viele weitere gemeinsame  Jahre.

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  • : Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.
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  • Winfried Schley
  • Niemals in Gleichgültigkeit verfallen, unabhängig davon, was im Leben auf mich zukommt !  
 Ich interessiere mich für alles, was dem friedlichen Zusammenleben der Menschen dient.
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