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6. Dezember 2018 4 06 /12 /Dezember /2018 10:33

Masse hat Macht, damals wie heute. Wer zieht im Hintergrund die Strippen? Gegen den Strom schwimmen ist ungemein schwer.

Alle Urheberrechte liegen bei Hjalmar Kunz, der mir seine Fotos für meine Texte zur Verfügung stellte.

 

1) Das Volk verurteilt Jesus

Zur gleichen Zeit der gleiche Schrei aus vielen Kehlen: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn!“ Vielstimmig mit einer Stimme.
Pontius Pilatus als Richter lässt sich überstimmen. Kraftlos gab er dem Mob nach. Fehlender Mut? Mangel an Mitteln?

Masse hat Macht, damals wie heute.
Wer zieht im Hintergrund die Strippen? Gegen den Strom schwimmen ist ungemein schwer.

 

 

2) Jesus ergreift das Kreuz

Rückenschmerzen, Kreuzschmerzen. Die Last des Lebens hinterlässt Spuren. Jasagen dazu. Auf sich nehmen. Komme, was wolle. Bis zum bitteren Ende. Ausweichen zwecklos.

Mein Blick auf Jesus zeigt: Ich bin nicht allein damit.

 

 

3) Jesus fällt zu Boden

Ich kann nicht mehr. Ich bin fix und fertig, am Boden zerstört. Wie komme ich wieder hoch? Wie kann ich weitermachen? Wer richtet mich wieder auf?
Woher die Kraft dazu nehmen?

 

 

4) Jesus begegnet seiner Mutter

Jede Mutter ist Wiege des Lebens. Tragen, austragen, zu Ende tragen. In ihren Eingeweiden gespeicherte Erinnerung wandelt sich in bohrenden Schmerz, wenn die Frucht ihres Leibes vor ihr stirbt. Weinen, klagen, schreien, bis die letzte Träne versiegt und stille Trauer einkehrt.

 

 

5) Simon trägt das Kreuz mit

Einer wird gebraucht. Er hilft mit, er hilft aus. Zweitrangig, ob freiwillig oder nicht. Hauptsache, er ist da. Er fühlt, dass er wichtig ist, jetzt und sofort. Niemand widerspricht ihm.

 

 

6) Veronika reicht das Schweißtuch

Not macht barmherzig. Erleichterung tut wohl, auch wenn das Ende unausweichlich kommen wird. Der Trost einer Frau begleitet. Die Erinnerung daran bleibt wach.

 

 

7) Jesus fällt erneut

Ein Rückfall. Die alte Schwäche ist wieder da. Schwäche kann ungemein stark sein. Sie ist aber nicht endgültig. Es geht weiter.

 

 

8) Jesus und die klagende Frau

Jammern aus Mitleid. Angst um die eigene Brut. Sie ist berechtigt. Jesus ist der falsche Vorwand. Er spiegelt daher: "Weine nicht über mich ...“.

 

 

9) Jesus fällt zum dritten Mal

Das war zu erwarten. Es musste ja so kommen. Alle Anzeichen sprachen dafür. Jetzt ist es eingetreten. Und dennoch, es geht weiter.

 

 

10) Sie reißen ihm die Kleider vom Leib

Die Menschenwürde ist antastbar. Gesetze gelten nicht für alle. Entblößen, entwürdigen. Die Menschenwürde ist antastbar.

 

 

11) Jesus wird ans Kreuz genagelt

Niet- und nagelfest. Endgültig. Einige reiben sich hoch zufrieden die Hände.  Hier wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Andere schauen ohnmächtig zu. Keine Hilfe weit und breit.

 

 

12) Jesus wird vom Kreuz abgenommen

Schadensregulierung,  erster Teil: So, wie es jetzt ist, darf es nicht bleiben. Trauer und Schmerz wollen verarbeitet und bewältigt werden. Für die anderen muss das Leben weitergehen. Abgedroschen, aber wahr.

 

 

13) Jesus wird ins Grab gelegt

Schadensregulierung, zweiter Teil: Vergiss nie: „Vom Staub bist du genommen, zu Staub wirst du werden.“ Zurück zur Mutter Erde. Anlaufstelle für Trauernde. Der Fall findet seinen vermeintlichen Abschluss.

 

 

14) Gott erweckt Jesus zum Leben

Unerwarteter Vorgang. Der Fall ist nicht zu Ende. Ein hoffnungsvoller Neubeginn auf eine andere Weise, für immer und ewig.

 

Fazit:

Für mich ist Jesus Christus derjenige, der mir durch seinen Tod hindurch zu Gott Vater vorausgegangen ist und der mich hoffen lässt, dass ich ihm durch meinen eigenen Tod hindurch hinterdreingehen darf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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11. Dezember 2016 7 11 /12 /Dezember /2016 10:48


 

Advent auf der nördlichen Welthalbkugel

Alle Jahre wieder bekommen die Medien in unseren Breiten in der Adventszeit ihr soziales Gewissen. Sie veröffentlichen zuhauf Spendenaufrufe, Aktionen der Barmherzigkeit und zu Herzen rührende Geschichten. Sie beklagen die Oberflächlichkeit der am Konsum orientierten Adventszeit und den überbordenden Vorweihnachtsrummel.

 

Romantische Weihnachtsmärkte mit Glühwein, Lebkuchen und allerlei Gebäck erzeugen landauf, landab in von Lichterketten umrandeten Holzbuden eine Heimeligkeit in die kurzen, hellen Tage und die langen, dunklen Nächte. Niemand denkt daran, dass unser christlicher Kirchenkalender, der hierzulande auch die an unser Schmuddelwetter angepassten Absatzmärkte bestimmt, auf der anderen Seite der Welthalbkugel auf Hochsommer mit langen Tagen und kurzen Nächten trifft, also überhaupt nicht dazu passt.

 

Wie abwegig müssen den asiatischen Arbeitern aus den Billiglohnländern jene Massenartikel vorkommen, die sie für unseren Weihnachtsrummel zu Spottpreisen herstellen?

 

Alles hierzulande scheint in dieser Vorweihnachtszeit auf Friede und Freude getrimmt zu werden, so, als komme in unserem Leben Leid und Trauer nur aus Versehen mal vor, was man möglichst rasch übertünchen muss. Wem das nicht gelingt, fühlt sich irgendwie schuldig, ob er nicht doch etwas falsch gemacht habe, weil er augenblicklich gar nicht glücklich sein könne und deshalb die Vorweihnachtsseligkeit der anderen störe. Entsprechend hoch sind in dieser Zeit die Selbstmordversuche jener, denen das nicht gelingt.

 

Dabei gibt es sehr gute Gründe, traurig zu sein: Privater oder beruflicher Streit, Unfall, Krankheit oder gar Tod eines Angehörigen oder Freundes, Verlust des Arbeitsplatzes, verpasste Gelegenheit oder einfach eine gefühlte Sinnlosigkeit im eigenen Dasein. Wir haben ein Grundrecht darauf,  traurig zu sein. Es gehört zur Wahrheit und Wirklichkeit unseres Lebens. Diese adventliche Friede-Freude-Eierkuchenwelt ist eine Lebenslüge, die wir nicht durch noch so viele eingekauften Geschenke zudecken können.

 

Advent im christlichen Sinne ist das Warten auf einen Erlöser. Das setzt voraus, dass es etwas zum Erlösen gibt und ein Hoffen auf bessere Zeiten Sinn macht. So gesehen ist Unglücklichsein eine Kunst, die man lernen muss. Grauer Alltag will bewältigt sein. Trauer und Schmerz brauchen Raum und Zeit, Adventszeit, für den Einzelnen unterschiedlich lang, manchmal Jahre lang und nicht an die vier Wochen vor Weihnachten gebunden.

 

Dennoch macht es Sinn, gerade diesen vier Wochen eine symbolische Bedeutung für die Allgemeinheit zu geben, ein gemeinschaftliches Harren auf die Geburt eines Kindes, das nicht mit Glanz und Gloria in die Welt tritt, sondern dessen Leben  mit bitterster Armut und Not beginnt und mit einem grausamen Tod am Kreuz endet.

 

Christen feiern dies im Sinne des Apostels Paulus, der in seinem Brief an Titus schreibt: „Als aber die Güte und die Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschien, hat er uns gerettet  ... durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist. Ihn hat er in reichem Maße über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter, damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden und das ewige Leben erben, das wir erhoffen“ (Tit 3,4-7).

 


Diese tröstende Gewissheit in Gestalt eines Neugeborenen geschenkt zu bekommen, ist, kurz gefasst, das Wesen von Weihnachten. Die Adventszeit soll genau darauf einstimmen. Wenn Christen Advent feiern, leben sie damit auf etwas Letztes hin, wohl wissend, dass sie in ihrem irdischen Dasein im Vorletzten verharren.

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19. Januar 2016 2 19 /01 /Januar /2016 21:32

Ganz gleich, ob man die Buchstaben G, o, t und t zu dem Wort Gott aneinander reiht oder eine andere Buchstabenfolge dafür verwendet, für mich entscheidend ist, warum der Mensch so etwas überhaupt macht. Irgendwann in der Menschheitsgeschichte müssen begabte Individuen begonnen haben, das Unergründliche, das sich von ihrem eigenen Ich-Bewusstsein wesentlich unterscheidet, entdeckt, erahnt, erfasst haben und es irgendwie durch kultische Handlungen, Rituale, Wortgebilde, Lieder und Gesänge verarbeitet, begreifbar und anderen vermittelbar gemacht und sich diesem Unbegreifbaren vertrauend überlassen haben.  Liturgie und Gebet haben hier ihren Ursprung.

 

Architektonische Spuren dieser menschlichen Entdeckungsreise kennen wir etwa ab der Jungsteinzeit an den Ufern von Euphrat, Tigris und Nil, ein wenig später an Ganges und Jangtsekiang. Offensichtlich brach sich hier etwas Geistiges in der menschlichen Entwicklung unaufhaltsam seine Bahn. In Gesetze und Philosophien gegossen und bis heute prägend sind ab der Bronzezeit die Lehren von Zarathustra und Mose im Vorderen Orient, Lao-Tse, Kung-Fu-Tse und Siddartha Gautama in Zentralasien, über die griechischen Philosophen in Südeuropa bis hin zu den  Varianten eines Jesus von Nazaret oder Muhammads.

 

Mich prägte vor allem die Entdeckung des persönlich unmittelbar ansprechbaren Gottes, jenem Phänomen, das Jesus von Nazaret durch den Namen Abba, also Vater, ausdrückte. Das hängt natürlich damit zusammen, dass ich in den entsprechenden Kulturkreis hineingeboren wurde, mit der Sprache meiner Eltern und ihrer Umgebung aufwuchs, die maßgeblich meine eigene Gedankenwelt und Ausdrucksform mitgestaltete. Möglich, dass eine genetische Veranlagung mein religiöses Suchen entscheidend bestimmte und ich in Indien damit vielleicht ein hinduistischer Guru geworden wäre, weil sich mir dort ja keine andere Möglichkeit geboten hätte, meine Religiosität in entsprechende Worte, Gebete, Rituale und Gedankengebäude zu fassen als eben in die dort vom Umfeld vorgegebenen. Hier nun bin ich halt ein katholischer Religionslehrer geworden. Um vieles auszuprobieren, dazu ist mein eigenes Leben viel zu kurz. Ich hätte gut 200 Jahre dafür gebraucht.

 

Angesichts der unüberschaubaren und sehr langen Evolution nicht-menschlichen Lebens vom Einzeller, über Bakterien, Viren und Tierarten bis hin zum heutigen Menschen, ist mein eigenes Leben nicht einmal eine Nanosekunde wert, von möglichen Lebensformen in fernen Galaxien ganz zu schweigen. Es könnte mir vollkommen gleichgültig sein, wenn es mich nicht selbst so unmittelbar anginge. Da tröstet mich, dass ich für den christlichen Gott so etwas wie der Nabel der Welt bin, merkwürdigerweise nicht ich allein, sondern alle Menschen. Das ist eine wenig anschauliche Vorstellung, mit der ich aber gut leben kann. Ob Gott das vom Anfang des Universums an so gewollt hat oder ob umgekehrt erst auf die frühesten religiösen Anfragen der
entsprechend entwickelten menschlichen Großhirne ein liebender Gott sich diesen Wesen zugewandt und offenbart hat und damit ein Zwiegespräch zwischen Mensch und Gott ermöglichte,  darüber dürfen Theologen und Philosophen spekulieren. Mir ist es gleichgültig, ich pfeife darauf. Für mich zählt, dass Gott eine persönliche, allumfassende Kraft ist, auch dann, wenn ich sterbe und ich irgendwie dauerhaft bei ihm bleibe. Darauf möchte ich mich einlassen und verlassen, so wie Jesus Christus es als Erstgeborener der Entschlafenen, wie die Christen glauben und verkünden, vorgemacht hat.

 

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28. Dezember 2015 1 28 /12 /Dezember /2015 12:22

Es belustigt mich immer wieder aufs Neue, wenn, vor allem im Internet, bekennende Atheisten mit geradezu religiösem Eifer ihren Nichtgottglauben verkünden. Dass dieser selbst von
Werthaltungen geprägt ist, die oft abendländisch jüdisch-christliche Wurzeln haben, lassen sie meist nicht an sich heran.


Wie unheilbar religiös Menschen sind, erkennt man heutzutage daran, dass Kinofilme mit mythischem Hintergrund Kassenschlager sind. Mythen ziehen magisch an. Esoterische Literatur, Spiritismus, Okkultismus, Anthroposophie, Astrologie, Teufelskulte, transzendentale Meditation mit  fernöstlichen Anklängen, New-Age-Exerzitien, Esoterik-Urlaub füllen die Kassen der Buchverlage und der Tourismusbranche.

 

Offensichtlich kann der Mensch auf Dauer nicht ohne religiösen Anklang leben, sehnt sich nach einer Reise zu seinem Innern, nach Stille und Einkehr.


Der Mensch kann diesem Grundbedürfnis nicht ausweichen, er kann nur wählen, was er zu seinen Gottheiten macht und was nicht.


Erfährt der Mensch Angst, die er besiegen will, eine innere Leere, die er ausfüllen möchte, eine Erschöpfung, vor der er sich erholen muss, sieht er sich gezwungen, alltäglichen Kleinkram zu meiden und den Weg in die Tiefe zu wagen. Worin er Geborgenheit oder gar seelische Heimat findet, ob und wie er sich selbst annehmen lernt, wie er lieben und geliebt werden erfährt, dazu muss er sich auf den Weg machen. Er kann gar nicht anders, will er nicht an sich selbst in Oberflächlichkeit ersticken. Ein wenig frei ist er nur in der Wahl seiner Wege. Doch
auch hier prägt ihn sein Vorwissen, sein Horizont, seine Erziehung darin, wie und was er auswählt. Er muss wählen, will er seelisch nicht zu Grunde gehen.


Warum heute viele Menschen die klassischen Angebote des Christentums außen vor lassen, ist mir ein Rätsel. Was macht es ihnen so schwer, einen personalen Urgrund des Seins, einen Schöpfer und Vater aller Menschen anzuerkennen? Er muss ja nicht jeder gleich durch meditative Selbstversenkung oder mystische Vereinigung diesen Geist, diese Energie, diese
Schöpfungskraft in sich selbst erfahren, wo alles miteinander verwoben und gegenseitig beseelt ist. Eine dumpfe Ahnung davon genügt, um sich als von Gott angenommen zu fühlen, sich auf ihn einzulassen, sich an ihm fest zu machen.

 

Erst wer auf mehr brennt, sollte sich mit Jesus Christus und der biblischen Verkündigung befassen und damit, wie sich Gott hierbei den Menschen selbst mitteilt. Orte der Information darüber sind die christlichen Kirchen.


Gelebter Glaube braucht Anhaltspunkte. Religiöse Feste gliedern die Zeit, zum einen die Jahreszeit zum Innehalten, zum andern wollen die Knotenpunkte des Lebens gefeiert werden: Geburt als geschenktes Leben, Geschlechtsreife als Verlassen der unmündigen Kindheit und Übergang zur Eigenverantwortung, Familiengründung als Ausblick in die Zukunft, Grenz- und Ohnmachts-erfahrungen in Krankheit oder Unglück als Weichenstellung und Neuanfang, Tod als Übergang. Christliche Glaubensgemeinschaften bieten eine solche Möglichkeit. Das Feiern der
christlichen Sakramente hat hier seinen Ursprung. Ihre Ausprägung unterscheidet sich je nach Kirchenzugehörigkeit.

 

Bald beginnt das neue Jahr 2016 mit seinen Vorsätzen an Neujahr.
Wie wäre es mit einer Weichenstellung in Richtung Gott?

 

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13. Dezember 2015 7 13 /12 /Dezember /2015 15:54

Schneller, einfacher, lokaler: So wünscht sich Papst Franziskus die Prozesse zu
Ehe-Annullierungen, mit denen der Papst im August 2015 Anregungen aus dem synodalen
Prozess zur Ehe- und Familienseelsorge aufnahm. So las ich in einer Presseschlagzeile.


Haben die Synodalen beim Streit um die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener gemerkt,
dass viele zerbrochene Ehen gar nie sakramentale Ehen waren und ist jetzt der große Ehe-Check
gefällig?


Auch wenn ich im Vorfeld der Synode nie um meine Meinung dazu gefragt wurde, habe ich
dennoch eine. Vorneweg fünf persönliche Bemerkungen aus meinem Leben, deren
Wahrheitsgehalt ich nie überprüft, aber auch nie angezeifelt habe.


1) Wie überrascht war ich als Religionslehrer, als die ersten polnischen Aussiedler in meinem
Unterricht auftauchten und wie selbstverständlich davon ausgingen, dass ein katholischer
Priester ein Geliebte haben dürfe, aber eben nicht heiraten, weil er Ehelosigkeit und nicht
Keuschheit geschworen habe. Derselben Sichtweise begegne ich bei meinen Bekannten in
Südfrankreich. Es scheint dort so üblich, dass Geschlechtsverkehr und die sakramentale Ehe
zwar zusammengehören, aber eben nicht ausschließlich.

 

2) Von kirchlichen Mitarbeitern, die in Lateinamerika waren, erfuhr ich, dass ein Priester etwa
alle drei Jahre in abgelegene Andendörfer komme. Dann hört er Beichte, feiert Eucharistie, traut und tauft. Er traut also Paare, die schon längst in einer Naturehe zusammenleben und Kinder haben, zum Teil auch von anderen Partnern. Hier wird das Sakrament der Ehe als Sakrament
der nachträglichen Festigkeit der augenblicklichen Paarbeziehung, die eben zufällig bei Ankunft des Priesters existiert, als endgültig erklärt. Ehevorbereitungskurse, Diskussionen über
Geschlechtsverkehr sind daher ein überflüssiges Thema.

 

3) Von kirchlichen Mitarbeitern, die in Afrika waren, erfuhr ich, dass schwarzafrikanische Priester
überhaupt kein Problem damit haben, wenn ein afrikanischer Mann mehrere Frauen hat, mit
einer davon halt katholisch getraut ist, mit den anderen eben nicht. Solange er sich von der
kirchlich Angetrauten nicht trennt, liegt aus ihrer Sicht kein Ehebruch vor.

 

4) Von manchem meiner ehemaligen Schüler weiß ich, dass sie sich oft erst nach Jahren des
Zusammenlebens kirchlich trauen und gleichzeitig ihre Kinder taufen ließen, unter anderem
auch, um früheren sexuellen Beziehungen die gleiche Qualität wie in der jetzigen Ehe abzusprechen. Ähnlich wie in Lateinamerika wird hier das Sakrament der Ehe als Sakrament
der nachträglichen Festigkeit gesehen, jedoch diesmal festgelegt durch den Willen des Hochzeitspaares. Der gültige Kommuniongang bei der Hochzeitsmesse wurde nicht angezweifelt.

 

5) Aus meiner Kindheit weiß ich, dass der Gemeindepfarrer einer Freundin meiner Mutter riet,
sich nur standesamtlich trauen zu lassen, weil er an der Dauerhaftigkeit ihrer zukünftigen Ehe
zweifelte. Sex außerhalb der sakramentalen Ehe war für diesen Priester offensichtlich kein oder
ein geringeres Problem, solange er nur vor einer kirchlichen Trauung stattfand und nicht danach.
Das Paar bestand damals auf der Trauung. Die Ehe brachte eine Tochter hervor und zerbrach
sehr schnell. Nach meinen Rückerinnerungen lebte besagte Freundin danach eine lebenslange
Trennung von Tisch und Bett, ohne sich mit einem neuen Partner einzulassen. Ihren Ehemann
habe ich nie kennengelernt.

 

Zweifelllos hat sich jemand schuldig gemacht, wenn seine Ehe dauerhaft zerbricht, was sicher
der Versöhnung durch das Bußsakrament bedarf. Seine begangene schuldige Verletzung des
ehemaligen Partners bleibt dieselbe, ganz gleich, ob er später seine Genitalien jemand anderem
zur Verfügung stellt oder nicht. Tut er es nicht, hat die gängige Theologie in unserer Breiten kein
Problem damit, ihn zum Kommuniongang zuzulassen. Tut er es aber, stempelt sie ihn zum
Dauerehebrecher ohne Reue, weil diese Lehre unhinterfragt, vielleicht auch unbewusst, die Ehe
als eine reine Ansammlung von Geschlechtsverkehren und nicht als endgültig zerbrochenes
geistiges Ganzes sieht. Damit entscheidet nicht das Verhalten des Betroffenen, sondern der
Blickwinkel des außenstehenden Theologen, ob der Betroffene als einmaliger Sünder oder als
Dauersünder gesehen wird.

 

Für die Katholische Kirche besteht die theologische und kirchenrechtliche Herausforderung darin,
ob das Sakramentale ihres Eheverständnisses auch dann gewahrt bleibt, wenn man den
geistigen Tod in einer zerbrochenen Ehe als solchen anerkennt und wie man ihn für die
Außenstehenden  kirchenrechtlich festzurrt, ohne die vom Grundsatz her unauflösliche Ehe der Beliebigkeit des Partnerwechsels preiszugeben.

 

Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer schlägt zu diesem Themenkreis vor, dass der
wiederverheiratete Geschiedene, der zur Kommunion gehen will, sich der Zustimmung seines
früheren Partners, mit dem er sich das Sakrament der Ehe gespendet hat, sicher sein muss.
Denn man könne nicht am Leib Christi teilhaben und sich gleichzeitig unchristlich verhalten. Eine
theologisch gültige Teilnahme an der Kommunion müsse sich am Glauben, an der Versöhnung
und der Verantwortung in einer neuen Partnerschaft orientieren.

 

Nachdenkenswert, finde ich.

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24. Oktober 2015 6 24 /10 /Oktober /2015 18:13

Die sakramentale Ehe zwischen Mann und Frau ist das Abbild der Beziehung zwischen Jesus und seiner Kirche. Sie ist so lange gültig, bis einer der Partner stirbt. Bei der kirchlichen Trauung vertrauen die Eheleute auf Gottes Segen und darauf, dass Gott sie beide stark macht, die Krisen auszuhalten, vor denen keine Ehe gefeit ist.

 

Es sind die Eheleute, die sich dieses Sakrament spenden, nicht der Priester oder Diakon.

 

Drei Bedingungen machen die Ehe zum Sakrament.

 

1) Mann und Frau versprechen sich bei der kirchlichen Trauung die Treue bis zum Tod des Partners und versichern vor kirchlichen Zeugen, dass sie dieses Versprechen freiwillig und ohne Zwänge abgeben. In der Regel ist dieser Zeuge ein Priester oder Diakon, der hier die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen vertritt.

 

2) Zur sakramentalen Ehe gehört die sexuelle Vereinigung von Mann und Frau. Geschlechtsunreife, Impotente und Homosexuelle können daher keine solche Ehe eingehen.

 

3) Zur sakramentalen Ehe gehört der Wille, sich dem Zeugen von Kindern nicht zu verweigern. Kinder sind Geschenke Gottes. Es gibt daher kein Grundrecht auf ein Kind.

 

Vielen, die sich trauen lassen, scheint dies nicht in voller Tragweite bewusst zu sein. Hier muss die Katholische Kirche in ihrer Ehepastoral unbedingt nachbessern.

 

Liegt ein Konsensmangel bei der christlichen Trauung vor, verhindert dieser das Zustandekommen einer sakramental gültigen Ehe.

Das katholische Eherecht unterscheidet:

Erkenntnismangel

   Fehlendes Mindestwissen über die Ehe

   Irrtum über die Person

   Irrtum über eine Eigenschaft des Partners

   Täuschung

Willensmangel

   Vorbehalt gegen die Ehe als solche (Totalsimulation)

   Vorbehalt gegen die Unauflöslichkeit der Ehe

   Vorbehalt gegen die eheliche Treue

   Vorbehalt gegen die Elternschaft

   Vorbehalt gegen das Gattenwohl

   Willensbestimmender Irrtum über eine Wesenseigenschaft der Ehe

   Bedingung

   Furcht oder Zwang

Fehlender Vernunftgebrauch

   Mangelndes Urteilsvermögen

   Unfähigkeit zur Eheführung

   Psychischer Mangel

 

In der Debatte um die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion erlebe ich immer wieder mal einen unbewussten, grob vereinfachten Ehebegriff, an dem vermutlich eine gewisse Leibfeindlichkeit in traditionsbehafteten, katholischen Kreisen nicht ganz unschuldig ist:

 

Ehe ist, wenn der richtige Penis in der richtigen Scheide steckt. Ist eines davon falsch, ist es Ehebruch. Was als richtig gilt, wird festgelegt durch das Treueversprechen bei der kirchlichen Trauung. Dass dieses Versprechen mehr umfasst als sexuelle Treue, bleibt hierbei außen vor. Vertrauen dem andern schenken und selbst vom anderen annehmen, gemeinsam miteinander Zukunft zu gestalten, die Anforderungen des Lebens wagen und die auftretenden Klippen umschiffen, sind dabei nicht im Blick.

 

Nach dieser vereinfachten Logik ist jeder sexuelle Kontakt außerhalb dieses Musters ein erneuter Ehebruch, obwohl eine vollkommen zerrüttete Ehe wie ein in tausend Splitter zerborstenes Glas gar nicht erneut gebrochen werden kann. Hier wird Ehe nicht mehr als leiblich-geistiges Ganzes, sondern als eine in einen rein äußerlichen Rahmen eingebettete Ansammlung von Geschlechtsverkehr gesehen.

 

Wenn zum Beispiel jemand fremd geht, aber seinen sexuellen Fehltritt aufrichtig bereut und Erlösung durch das Bußsakrament erfährt, kann er unbeanstandet wieder zur Kommunion gehen. Nicht zur Kommunion gehen kann aus diesem vereinfachten Blickwinkel heraus der wiederverheiratete Geschiedene, weil er nach diesem Denkmuster als eine Art Dauerfremdgeher eingestuft wird, der in ständiger Sünde lebt, selbst dann, wenn er in fester Treue zu einem neuen Partner hält.

 

Sicher hat eine sexuelle Vereinigung in einem neuen Verhältnis nicht den sakramentalen Segen der zerbrochenen Ehe, weshalb auch keine weitere sakramentale Ehe möglich ist, solange einer der Teilhaber an diesem Sakrament noch lebt, aber daraus jedoch zu schließen, dass die Unauf-löslichkeit der sakramentalen Ehe selbst damit in Frage gestellt wird, wenn wiederverheiratete Geschiedene nach gründlicher geistlicher Prüfung zum Bußsakrament und zur Kommunion zugelassen werden, wirkt auf mich derzeit nicht logisch schlüssig begründet. Einen Verrat an der Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe kann ich bis jetzt nicht erkennen.

 

Vgl. auch http://winfried.schley.over-blog.net/article-bis-der-tod-euch-scheidet-120554336.html

 

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28. September 2015 1 28 /09 /September /2015 20:21

Lieber Vater,

 

mit Deinem jahrelangen Dahindämmern gabst Du uns drei Kindern viel Zeit, sich auf den Abschied von Dir einzustimmen. Schon seit Jahren mussten wir mit Deinem Tod rechnen. Doch nun, wo er eingetreten ist, überrascht es mich doch, wie ich mich behutsam an meine eigene Lebensgeschichte mit Dir herantaste.

 

Die frühesten Kindheitserinnerungen sind geprägt von den Sorgen unserer Mutter, die Angst darum hatte, ob Du die vielen Splitter, die ein explodierender Panzer während des zweiten Weltkrieges in Deinen Knochen und in Deinem Kopf hinterließ, jemals so ausheilen würden, dass Du als Ernährer unserer jungen Familie nicht ausfällst. Wie unbegründet diese Sorge war, zeigte sich allein darin, dass Du über 92 Jahre alt wurdest, so erfolgreich kapselte Dein Körpergewebe die Splitter ein.

 

Als Jugendlicher erwähntest Du auf meine diesbezüglichen Fragen, dass Du innerlich immer voller Zuversicht warst, dass Du diesen Krieg, der Dir fünf Jahre Deines Lebens raubte, trotz lebensgefährlicher Scharlachkrankheit überleben wirst. Diese Zuversicht in Dir verstärkte sich, als Du Dir in der Schreibstube als französischer Kriegsgefangener selbst den Entlassungsschein ausstelltest, wodurch Du mit einem Gefangenentransport in Schwäbisch Gmünd landetest, wo Du wie durch ein Wunder Deinen Vater wieder trafst, den es aus dem Osten hierher verschlagen hatte. Über den Suchdienst des Roten Kreuzes fandest Du Deine Mutter und Deine beiden Schwestern wieder. Die jüngste Schwester übersiedelte mit Deinen Eltern in diese Stadt. Alle drei wurden dort bestattet. So war es auch Dein Wunsch, neben Deiner Schwester Elli im anonymen Urnengrab aufbewahrt zu werden.

 

Überhaupt wurde Schwäbisch Gmünd zur Stadt Deines Neubeginns. Dort hast Du Deine spätere Ehefrau Hildegard, unsere Mutter, kennen gelernt. Meine knapp jüngere Schwester Anita und ich erlebten damit ein fast normales Familienbild, so dass uns unsere Armut mit Plumpsklo und Kaltwasserhahn in der Küche, die wir mit einer anderen jungen Familie mit zwei Kindern teilten, nie bewusst wurde. Irgendwie waren wir in diesem Gefüge geborgen. Deine Zuverlässigkeit war sprichwörtlich.

 

Auch beruflich war diese Stadt für Dich wegweisend. Hatte dort doch die Gablonzer Glasindustrie ihren Neuaufbau und entwickelte sich zu einem beachtlichen Arbeitgeber in der Nachkriegszeit. Wie staunte ich als Kind, dass Du dort den dunkelblauen Mercedes Deines Chefs fahren durftest, wo wir selbst doch über weitere zehn Jahre autolos lebten. Wie stolz war ich, als Du mich durch diese Firma führtest und wie ehrerbietig Dich die Glasbläser behandelten, die ich grenzenlos bewunderte, wie sie aus einem goldgelben Feuerball die wunderbarsten, hauchzarten Glaskunstwerke formten. Dumpf fühlte ich, dass sie Dich mit Deinen kaufmännischen Fähigkeiten und Deiner Zuverlässigkeit brauchten. Es sicherte ihre Arbeitsplätze.

 

Diese Welt änderte sich für mich schlagartig, als Du zur Kaufmännischen Krankenkassen Halle als einfacher Angestellter wechseltest, mit einem niedrigeren Gehalt, aber mit einer Aussicht auf eine gesicherte Rente. Ich erinnere mich noch heute an meine zornige Großmutter mütterlicherseits, die nie verwunden hatte, dass ihre Tochter als Stuttgarterin einen Sudetendeutschen geheiratet hatte. Für sie warst Du, lieber Vater, nur ein verachtenswerter Tscheche. Mit diesen Begriffen fing ich selbst zunächst gar nichts an, ahnte aber, dass Menschen zumindest in meiner Umgebung offensichtlich nicht alle gleich wertvoll waren und dass es so etwas wie Nationalitäten gab, was im Krieg eine wichtige Rolle gespielt haben musste. Über Krieg selbst hast Du so gut wie nie gesprochen, außer über so Banalitäten wie das Essen von Schokolade in einem im Schlamm steckengebliebenen Panzer.

 

Dafür ging es entgegen den Unkenrufen meiner Großmutter mit dem Kundenstamm der Krankenkasse aufwärts und mit Deinem Gehalt ebenso. Wir bezogen eine neue Wohnung in einem Wohnblock der Baugenossenschaft mit einem eigenen Bad und einer eigenen Küche mit warmem Wasser aus dem Durchlauferhitzer. Welch unvorstellbarer Luxus! Väter waren eben dazu da, dass es ihren Kindern einmal besser ging. Dass nicht alle Väter so gepolt waren, begriff ich erst später.

 

Danach wurdest Du Geschäftsführer der Zweigstelle Heidenheim. Unvorstellbar ist mir heute, wie Du damals aufs Härtsfeld nach Neresheim radeltest, um, wenn ich mich recht erinnere, im Nebenraum einer Gaststätte Deine Sprechstunden mit den dortigen Kunden abzuhalten. Vielleicht hast Du Dir dort jene Robustheit antrainiert, die Dich nun so alt werden ließ, wenn man von Deinen stundenlangen Fußwegen zur Schule im Nachbarort Deiner sudetendeutschen Heimat mal absieht. Später kam dann doch ein gebrauchter VW-Käfer, damals noch mit geteiltem Rückfenster, als Arbeitsgerät dazu. Unser Umzug nach Heilbronn, wo Du bis zu Deiner Verrentung Geschäftsführer warst, schien mir nur eine Folge Deiner bisherigen Tätigkeit.

 

Bücher, wie z.B. Thedor Krögers „Heimat am Don“ und Leo Tolstois „Krieg und Frieden“ standen in unserem spärlich ausgestatteten Bücherschrank. Obwohl sie aus der Sicht meiner Eltern nicht für mich bestimmt waren, las ich sie als Jugendlicher natürlich ebenfalls. Überhaupt schimmerte, lieber Vater, immer wieder in winzigen Kleinigkeiten Dein Interesse an Russland durch. Weshalb, blieb mir immer ein Rätsel, weckte aber meine Neugierde an diesem Land, seiner Kultur, seiner Musik und seiner Geschichte.

 

Musikinstrumente oder Schallplatten besaßen meine Eltern lange nicht. Erst in Heilbronn kam ein Plattenspieler ins Haus. Als ich einmal als Student Beethovens Violinkonzert mitbrachte, bei dem David Oistrach, der berühmte russische Geiger, den Solopart spielte, war ich sehr erstaunt, dass er Dir, lieber Vater, schon seit Deiner eigenen Armeezeit ein Begriff war. Hatte der Russlandfeldzug für Dich eine kulturelle Komponente? Ich hakte damals nicht nach. Leider!

 

Dass Du in meinem Herzen einige Saiten der Sehnsucht nach dieser slawischen Mentalität aufgezogen und gespannt haben musstest, schien mir er erst recht naheliegend, als ich die CD meiner hoch musikalischen ehemaligen Schülerin anhörte, die als Kind aus Russland emigrierte und später unter Gorbatschow als Kulturbotschafterin Russlands für Deutschland unter dem Künstlernamen Lara auftrat. Diese Stücke dringen tief in mein Herz und lassen dort ungeahnte Saiten erklingen, die irgendwie mit Dir, lieber Vater, zu tun zu haben scheinen.

 

Als Du schon längst nicht mehr sprechen konntest außer einem verstümmelten lang gezogenen Ja und einem kopfschüttelnden Nein, fragte ich dich an Deinem Krankenbett nach einigen Deiner persönlichen Eindrücke aus den Kriegsanfängen. Da brach plötzlich aus Dir nochmals, geradezu einmalig, ein zusammenhängender Satz in langsamsten Worten hervor: „Russland ist ein wunderschönes Land!“

 

Wenn das Christentum recht hat mit seinem Weiterleben bei Gott und wir uns damit einmal wieder begegnen sollten, wäre ich nicht im mindesten erstaunt, erführe ich, dass Deine große Jugendliebe einem russischen Mädchen gehörte, die im Kugelhagel der deutschen Wehrmacht ein jähes Ende fand.

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1. Januar 2014 3 01 /01 /Januar /2014 17:45

„Wir versuchen, den Menschen zu helfen, es wieder mit dem Leben aufzunehmen.“ So begründet die katholische Ordensschwester Georgina Habacha ihr Bleiben in Homs mitten im syrischen Bürgerkrieg, wo sie eine Anlaufstelle für Bürgerkriegsflüchtlinge offen hält.

So wie sie stellen sich ungezählte Ordensleute, Priester, Katecheten und engagierte Laien an vielen politischen und sozialen Brennpunkten dieser Welt aus ihrem christlichen Glauben heraus in den Dienst ihrer Mitmenschen. Sie glauben als Christen ganz fest daran, dass ihr Vertrauen auf Jesus Christus die Welt heiler und menschlicher macht. Mutig gehen sie an die Ränder der Gesellschaft und verharren dort auch dann noch, wenn das öffentliche Medieninteresse schon längst erloschen ist. Diese mutigen Menschen werden von vielen Mitmenschen als echte Vermittler der Botschaft Jesu anerkannt oder gar bewundert. Sie spiegeln Kirche als weltweite Gemeinschaft und Ort der Solidarität wider.

Was oft dabei zu kurz kommt und unberücksichtigt bleibt, ist, dass solche Menschen ja nicht einfach fertig vom Himmel fallen. Sie haben zum großen Teil seit ihrer Kindheit eine religiöse Entwicklung hinter sich, manche einen spannungsgeladenen Reifeprozess. Sie haben damals in ihren kirchlichen Heimatgemeinden das Spenden und Teilen mitbekommen und verlassen sich jetzt, geprägt von diesem frühen Grundvertrauen, als Erwachsene auf finanzielle Unterstützung aus ihrer angestammten Heimat. Sie sind an der Front der Not angewiesen auf moralische Stützen, auf ein geistiges und spendenfreudiges Hinterland, das meist anders lebt, als sie selbst, nämlich in Wohlstand und Frieden, oft umgeben von schönen Kirchengebäuden mit ihren großartigen Kunstschätzen, die das Herz anrühren, oft schon über Jahrhunderte. Religion, Kunst und Kultur sind eng miteinander verwandt. Sie weisen den Menschen über sich selbst hinaus.

Auch der wanderfreudige Jesus sah im prächtigen Tempel von Jerusalem das Sinnbild eines geistigen Hauses seines göttlichen Vaters. Oft wusste er nicht, wo er nachts schlafen wird, aber nie wäre ihm in den Sinn gekommen, dass der Jerusalemer Tempel wegen seiner eigenen Mittellosigkeit eine Nummer kleiner hätte ausfallen müssen.

Zur Zeit erleben wir in den Medien ja eine ähnliche Debatte um das Limburger Diözesanzentrum. Niemand scheint in der öffentlichen Debatte mehr wahrzunehmen, das hier für gerade mal dreißig Millionen Euro Planer und Handwerker Hervorragendes und Bleibendes geschaffen haben und obendrein für eine Zeitspanne den Lebensunterhalt für sich und ihre Angehörigen sicherten. Daran ist nichts moralisch Verwerfliches.

Erst peinliche Kommunikationspannen lassen dies in einem finsteren Licht erscheinen, was die Medien natürlich sofort ausschlachten; denn Empörung wecken lässt die eigenen Kassen besonders kräftig klingeln. Enttäuschung und Verunsicherung machen sich den kirchlichen Gemeinden breit. Kirchenaustritte nehmen zu. Der Medienlandschaft kann das egal sein. Hauptsache ihr Umsatz stimmt. Aber den einsatzfreudigen Christen an den Fronten der Not brechen die Spender weg. Diese Sorge treibt zur Zeit  missio um. Diese Organisation setzt ihre ganze Hoffnung nun auf die

Älteste gesamtkirchliche Kollekte der Welt
Die „fluchwürdige Pest der Sklaverei“ wollte Papst Leo XIII. bekämpfen. Dazu führte er 1891 die Kollekte zum Afrikatag ein. Sie wird in diesem Jahr 123 Jahre und ist die älteste gesamtkirchliche Kollekte der Welt.


Heute kommt die Kollekte der Ausbildung kirchlicher Mitarbeiter zugute und rüstet sie aus für ihren Weg an der Seite der Armen. In Afrika setzen sich die Frauen und Männer gegen moderne Formen der Sklaverei ein – und machen Hoffnung, wo Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt herrschen.

 

missio Aachen
Spendenkonto 122 122
Konto 122 122
BLZ 370 601 93
Stichwort: Afrikatag

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26. Dezember 2013 4 26 /12 /Dezember /2013 20:19

krippe13.jpgJedes Neugeborene ist Bote eines Neubeginns. Von einem Anfang kann man nur sprechen, wenn man über die Gegenwart hinaus eine, wenn auch ungewisse Zukunft im Blick hat, von der man sich etwas Neues erhofft.

 

Ein Säugling ist hilflos. Es kann sich nicht alleine entwickeln. Es braucht Mitmenschen, die sich um ihn kümmern, sonst stirbt er. Sein Leben ist abhängig davon, wie lebensfähig seine Umgebung ist. Nur eingebettet in deren Fürsorge gedeiht er, sonst nicht. So ist jedes Baby Symbol für Hilflosigkeit und Träumen von Entfaltung und Fortschritt zugleich. Das weckt Barmherzigkeit und Hoffnung, zwei starke Kräfte, die antreiben, Gutes zu tun.

Säuglinge von Filmstars oder aus Königshäusern sind mediale Ereignisse, bei denen viele Menschen mitfiebern, mitfühlen, sich mitfreuen, sich miteinander darüber austauschen, sich in gemeinsamen Gefühlen vereint wissen. Dieser Reiz zielt ins kollektive Unbewusste, wird ohne tiefere Missverständnisse in seltener Harmonie Freude auslösen.

So hat auch das Kind in der Krippe, das Christen weltweit zu Weihnachten feiern, eine nach wie vor ungebrochene Strahlkraft. Mich wundert immer wieder aufs Neues, weshalb die frühen Christen nur Ostern und Pfingsten kannten: Ostern als Beginn eines neuen Lebens bei Gott durch den Tod hindurch, bei dem Jesus Christus als „Erster der Entschlafenen“ voranging, und Pfingsten als Beginn der Kirche, weil dort sich jene Menschen sammelten, die sich von „Gott Vater“ geliebt, von „Gott Sohn“ begleitet und von „Gott Heiliger Geist“ geleitet wussten. Erst Jahrhunderte später erfassten sie in größerem Umfang, dass davor ja eine Zeugung und eine Geburt liegen müsse, die alles andere erst möglich machte und damit eine Zeitenwende einleitete, von göttlicher Weisheit von Anfang des Universums an gewollt und zum richtigen Zeitpunkt in die Tat umgesetzt. „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14) steht doch schon in der christlichen Bibel. Das kann man doch nicht einfach zur Kenntnis nehmen und ein bisschen nebenbei verkünden!  Das muss doch gefeiert werden! Wann denn sonst, wenn nicht an Weihnachten?

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12. Oktober 2013 6 12 /10 /Oktober /2013 18:36

„Bis der Tod euch scheidet.“, ist die gängige Formel bei einer kirchlich-christlichen Trauung, nicht nur im katholischen Ritual. Solange man unter Tod den leiblichen Tod versteht, ist die Formel ganz einfach zu verstehen. Doch es gibt auf dieser Welt auch einen geistigen Tod, wenn nichts mehr weiter geht, krank macht, die eigene Selbstauflösung beginnt, bis sich der Selbsterhaltungstrieb wehrt, altes Abgestorbenes loslässt und sich oft auch durchsetzt. Das trifft auf viele Lebensbereiche zu und manchmal eben auch auf eine intime partnerschaftliche Beziehung. Da Menschen heute wesentlich länger leben als früher, häufen sich naturgemäß auch derartige Situationen. „Bis der Tod euch scheidet.“ ist heutzutage ein viel höherer moralischer Anspruch und eine größere Anforderung geworden, die manchmal eben auch überfordert. Manche Menschen arrangieren sich mit wechselnden Lebensabschnittspartnern und regeln ihre Konflikte auf diese Weise und haben, zumindest nach außen, keine Probleme damit.

Nun gibt es aber eine kleine Gruppe religiös und christlich orientierter Menschen, die sehr wohl bei ihrer kirchlichen Trauung die lebenslange Ehe im Blick hatten und dabei kläglich gescheitert sind. Neben ihrem seelischen Scherbenhaufen sehen sich diese Menschen vor allem in katholischen und orthodoxen Systemen mit ihrer in der Regel unauflöslichen Ehe zusätzlich aus ihrer bisherigen Glaubensgemeinschaft ausgegrenzt, was ihre innere Wurzellosigkeit noch verstärkt. Sie sehnen sich nach einer religiösen Gemeinschaft, die sie weiterhin hält, aus der sie Trost und Kraft für ihre weitere Existenz schöpfen können. Sie wollen weiterhin ganz dabei sein, nehmen oft an deren Gemeindeleben aktiv teil. Dazu gehört für sie z.B. auch die Teilnahme an der Kommunion während der Eucharistiefeier. Solange sie als Geschiedene partnerlos weiterleben, geraten sie damit auch nicht in Konflikt mit den Werten ihrer Religionsgemeinschaft.

Das ändert sich schlagartig, wenn sie jemanden kennenlernen, mit dem der alte Traum von der lebenslangen Partnerschaft erneut erwacht und sie staatlich heiraten. Nun stehen sie vor der Wahl, dass sie ihre alte Glaubensgemeinschaft verlassen und in eine weniger strenge Konfession überwechseln oder ihre Teilnahme in der bisherigen Glaubensgemeinschaft einschränken, also nicht mehr zur Kommunion gehen. Wenn sie bleiben, leben sie mit der seelischen Wunde als Mitglieder zweiter Klasse, was ihre früheren Wunden nicht gerade besser ausheilen lässt, falls überhaupt.

Das ist aus der Sicht der christlichen Nächstenliebe nicht nur für sie persönlich ein Problem, sondern auch das der Priester und Seelsorger, die sehr wohl die damit verbundene Unbarmherzigkeit spüren und darunter mitleiden. Seelsorgern begegnet z.B. die Situation, dass ein Mörder, der aufrichtig seine Tat bereut, sie beichtet, die Lossprechung erfährt und danach ein rechtschaffenes Leben führt, ein vollwertiges Gemeindemitglied ist, während die geschiedenen Wiederverheirateten eine Stufe darunter stehen, obwohl sie außer dem Zerbrechen ihrer alten Ehe immer ein rechtschaffenes Leben geführt haben und ihre neue Verbindung durchaus den Charakter einer dauerhaften Ehe zu haben scheint und diese damit dem Abbild der unverbrüchlichen Treue Gottes doch recht nahe kommt, also in die Nähe dessen rückt, was das Sakrament der Ehe ausmacht.

Für eine Institution, wie z.B. die Katholische Kirche, besteht die theologische und kirchenrechtliche Herausforderung darin, ob das Sakramentale ihres Eheverständnisses auch dann gewahrt bleibt, wenn man den geistigen Tod in einer zerbrochenen Ehe als solchen anerkennt und wie man ihn für die Außenstehenden kirchenrechtlich festzurrt, ohne die vom Grundsatz her unauflösliche Ehe der Beliebigkeit des Partnerwechsels preiszugeben.

Dazu braucht man einigermaßen objektive Kriterien:
Wie wäre es mit einer Art Trauerperiode von sagen wir - symbolisch angelehnt an die Dreifaltigkeit - drei Jahren nach der Ehescheidung, in der das neu zu vermählende Paar sich aktiv am kirchlichen Gemeindeleben beteiligt, dabei regelmäßig den Sonntagsgottesdienst besucht und damit seinen ernsten Willen zu einem christlichen Leben unter den kirchlichen Sakramenten dokumentiert? Mit bischöflicher Erlaubnis könnte dann ein „Fest der Neukommunion“  ähnlich der Erstkommunion für die vollwertige Teilnahme zur Eucharistiefeier eingeführt werden. Eine erneute kirchliche Trauung könnte allerdings erst nach dem leiblichen Tod des früheren Partners stattfinden, um den Eindruck einer kirchlich abgesegneten Polygamie zu vermeiden.

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  • Niemals in Gleichgültigkeit verfallen, unabhängig davon, was im Leben auf mich zukommt !  
 Ich interessiere mich für alles, was dem friedlichen Zusammenleben der Menschen dient.
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