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27. Dezember 2022 2 27 /12 /Dezember /2022 12:11

Der Glaube an Jesus Christus scheint in meinem Umfeld ausgedient zu haben. Die neue Göttin heißt Mutter Erde. Wird bei den Juden koscher und bei den Muslimen halal gekocht, essen die Neugläubigen vegetarisch oder gar vegan mit viel Rohkost. Ohne rituelle Speisevorschriften kommt man wohl nicht aus. Aus bußfertigem Verzicht und Fasten zur seelischen Reinigung wird frieren für die Freiheit, radeln (wenn auch mit umweltschädlicher Batterie) für das Klima, heizen mit angeblich nachhaltigem und (vermutlich in Nullkommanix) nachwachsendem (aber rußendem) Holz. Gas, Öl, Kohle und Atom heißen die neuen Sünden, von denen man sich reinwaschen muss. Wer dabei nicht mitmacht, ist politisch rechts oder gar Nazi, dem neuen Vorhof der Hölle, den es zu meiden gilt wie die Pest. Als neue Form des Dankgottesdienstes huldigt man den Grünen und wählt sie, ohne deren verkündete Glaubenssätze auf ihren Wahrheitsgehalt und deren Machbarkeit zu überprüfen und ohne den privaten Lebenswandel ihrer Propheten zu hinterfragen.

Nachtrag:
Ich soll nicht recht haben? Wie wirken die Grün*innen im Fernsehen denn? Bei jedem Kamera-Auftritt erscheinen sie in neuen Designer-Klamotten, ihrem liturgischen Outfit als Klima-Priester*innen einer Welterlösungsreligion, weit entfernt davon, nachhaltig oder gar CO2-arm zu sein. Gesinnung genügt. Mehr Verdrängung geht nicht.

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13. Juni 2022 1 13 /06 /Juni /2022 23:01

Wie kommt man am besten von Georgien nach Armenien? Ganz einfach zu Fuß über die Grenze! Nachdem die Toilette auf georgischer Seite überraschenderweise umsonst war, bekam die Georgierin Tea noch ein nicht eingeplantes kleines Zusatztaschengeld, bevor sie unsere Reisegruppe an die Armeniern Narine Hoveshyan übergab. Der Bankautomat auf armenischer Seite streikte bei allen deutschen Karten, weil er einer russischen Bank gehörte. Hier holte uns der Krieg Russlands gegen die Ukraine zum ersten und einzigen Mal ein. Zum Glück gab es eine Wechselstelle, die unsere Notration an Euro schmälerte, was am Flughafen in Tiflis auch schon der Fall war. Der Vorteil von Wechselstellen ist manchmal, dass man für den nächsten Toilettengang schon etwas Münzgeld in der Tasche hat. Der vermeintliche deutsche Reisebus hinter der Grenze entpuppte sich als Gebrauchter aus dem Internethandel, dessen Stoßdämpfer glücklicherweise die ganze Rundreise durchhielten. Fahrtüchtig sind in Armenien auf dem Land alle Fahrzeuge, die noch nicht auseinandergefallen sind.

 

Als weiterer Vorteil entpuppte sich, dass in unserer Reisegruppe sechs Russlanddeutsche waren, die sich hervorragend als Dolmetscher oder Erklärer eigneten, wenn ich unsere Reiseführerin nicht belästigen wollte. Russisch scheint jeder Armenier zu beherrschen, Englisch nur das Personal an der Hotelrezeption. Mit dieser unerwarteten Hilfestellung bestellte ich an der Rezeption den notwendigen, dank meiner Zimmernummer kostenlosen Bademantel, wusste, dass ich im etwas weiter entfernten Schwimmbad beim Empfang rutschfeste Einmalsandalen und einen Schlüssel zu einem Kleiderschrank ausgehändigt bekommen werde. Umkleidekabine war der Flur vor den Schränken. Somit konnte ich im Nobelkurort Tsaghkadzor das zum Hotelkomplex gehörige Schwimmbad benutzen. Der Bankautomat im Hoteleingang schien die Bankfiliale für das ganze Tal zu sein.

 

Dass Armenien das Land der Aprikosen sein soll, ist an uns vollkommen vorbeigeglitten. Für uns war es das Land der sehr guten Rotweine, der weniger guten Biere und der allgegenwärtigen armenisch-apostolischen Kirche mit ihren vielen Klöstern und Kreuzsteinen.

 

Das Kloster Khor Virap mit Blick auf den schneebedeckten, auf türkischer Seite liegenden Fünftausender Ararat gilt als Wiege des Christentums in Europa. Entsprechend gestaltete sich das Programm des Reiseveranstalters mit Kloster- und Kirchenbesichtigungen und drei einzigartigen Musikdarbietungen, vom Volkslied über Kirchenchoral bis zur konzertanten Musik auf alten armenischen Musikinstrumenten. Durch Zufall erlebten wir zusätzlich einen ergreifenden, wunderschönen Gesang bei einer armenischen Eucharistiefeier im Inselkloster Sewanawank am Sewan-See, dem größten Gewässer im Kaukasus.

 

Der musikalische Höhepunkt für mich war jedoch, als bei unserem letzten Abendessen in Jerewan am Nebentisch eine Gruppe armenischer Lehrerinnen den Geburtstag einer Kollegin feierte. Alle Damen waren sehr festlich angezogen, ließen sich ein abwechslungsreiches Mahl servieren und tanzten anschließend begeistert auf armenische Popmusik, zu der eine kleine Musikgruppe mit ihren typisch armenischen Instrumenten aufspielte. Manche mögen über mich Kulturbanausen die Nase rümpfen. Mir ging diese Lebensfreude richtig zu Herzen.

 

Schon zu Sowjetzeiten gab es für den ländlichen Raum ein Förderprogramm für die Landbevölkerung mit Speisesaal und Toiletten für Reisegruppen, bei denen die Einheimischen ihre hervorragende rustikale Küche auftischen konnten. Wir waren heute noch Nutznießer davon, ein Genuss ohne Reue.

 

Den weindurchtränkten Käse einer noch jungen Käserei verspeisten wir im Hotelzimmer, zusammen mit einem Fladenbrot aus dem Supermarkt und einer Flasche Weißwein, die uns ein georgischer Winzer geschenkt hatte, weil wir zufällig bei unserer Einkehr dort unseren 44. Hochzeitstag hatten. War der Einkauf im Supermarkt für uns preiswert, muss er einheimischen Rentnern mit etwa 120 Euro monatlicher Rente fast unerschwinglich erscheinen. Wie in Georgien erstaunte mich das Preisgefälle. In irgendeinem Dorf hing vor einem kleinen Textilladen ein kurzärmliges Sommerhemd für umgerechnet etwa 1 Euro. Für diesen Preis bekam man an den Touristenständen bei den Sehenswürdigkeiten nicht einmal ein Flasche Mineralwasser.

 

Wie in Georgien sah man auf dem Land oberirdische Gasleitungen, der die einzelnen, mit einem Gaszähler ausgerüsteten Haushalte verband und mit russischem Gas versorgte. Die Freundschaft mit Russland wird sich bei einem diktierten Gaspreis in Grenzen halten.

 

Im armenischen Vulkanmassiv lagen die schwarzen Obsidiane zuhauf herum. Drei kleine Steine für unsere Enkel kamen ins Reisegepäck. Ein Blick ins Internet verriet, dass nicht nur Armenier diesem vulkanischen Glas eine Heilkraft zusprechen.

 

Das Kostbarste an Jerewan war für mich die berühmte Sammlung uralter Handschriften im Museum Matenadaran. Welches Gespür für Kultur, Schrift und Wissen müssen die so oft verfolgten Armenier gehabt haben, wenn sie allen Lebensgefahren zum Trotz diese Handschriften versteckten und so einmalige Kulturzeugnisse unter anderem auch ihre eigene Schrift vor dem Vergessen bewahrten! Ich hätte an ihrer Stelle wohl nur meine nackte Haut gerettet.

 

Charles Aznavour und Winston Churchill mögen mir verzeihen, armenischer Brandy, so weltberühmt er auch sein mag, ist nicht meine Welt. Ich ziehe armenischen Rotwein vor.

 

Kurz, eine Reise durch Armenien ist wie die Reise durch Georgien eine exotische Reise der Sinne. Kleiner Zusatztipp am Rande: Man nehme einen zu sich passenden Sexualpartner mit.

 

Die Heimreise steckte voller Pannen. Wir waren erst nach zwanzigeinhalb Stunden wieder glücklich zu Hause.

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15. Juli 2021 4 15 /07 /Juli /2021 20:15

Der ursprünglich französische Text nennt keinen Verfasser. Dieser Unbekannte versetzt sich in die Rolle Gottes, wobei sich mir nicht erschloss, ob er von einem christlichen Gott als Vater oder von einem Jesus Christus als göttlichem Begleiter oder von einem göttlichen geistlichen Beistand ausgeht. Vielleicht meint er auch die christliche Dreifaltigkeit zusammengenommen. Mir scheint das zweitrangig. Entscheidend für mich war, wie stark mich dieser Text ansprach, so sehr, dass ich ihn hiermit in freier Form ins Deutsche übertrage, weil wörtlich übersetzen für mich nicht passt:

 

Ich, Dein Gott, kenne den Leidensdruck, die Spannungen und Unruhen in Deiner Seele, die Gebrechlichkeiten und Mängel Deines Körpers. Ich weiß um Deine Nachlässigkeit, Deine Verfehlungen und Dein Versagen. Genau deswegen sage ich Dir: „Schenke mir Dein Herz, wende Dich mir einfach so zu, wie Du bist.“

 

Wenn Du anstrebst, Dich engelsgleich der Liebe auszuliefern, wirst Du mich niemals wirklich lieben. Selbst wenn Du noch so oft in diesen Fehler verfällst, wirst Du mich niemals näher kennenlernen. Selbst wenn Du Dich feige vor der Tugend wegduckst, verschließe ich mich nicht vor Deinem Versuch, sich mir zuzuwenden.

 

Wende Dich mir zu, so wie Du augenblicklich bist, ganz gleich, in welchem Zustand Du Dich gerade befindest, sei es leidenschaftlich oder ausgedörrt, glaubend oder ungläubig.

 

Wende Dich mir zu, so wie Du jetzt bist. Ich sehne mich nach jener Zuneigung, deren Dein Herz gerade bedarf. Niemals wirst Du mich wirklich echt lieben können, wenn Du nach Perfektion strebst.

 

Mein Kind, lasse es zu, dass ich Dich liebe. Ich will Dein Herz. Natürlich will ich Dich verwandeln, aber geduldig abwartend, weil ich Dich wertschätze, so wie Du bist. Ich wünsche mir, dass Du genauso handelst. Ich möchte sehen, wie aus der Tiefe Deines Leidensdrucks Barmherzigkeit aufblüht.

 

Ich liebe an Dir all Deine Schwächen. Ich begehre die Zuwendung des Armseligen. Ich will, dass aus der Bedürftigkeit sich beständig der Aufschrei erhebt: Herr, ich liebe Dich. Es ist der Gesang Deines Herzens, der mir wichtig ist. Dafür brauche ich Dein Wissen und Deine Begabungen nicht. Es sind nicht die Tugenden, die ich Dir abverlange. Selbst wenn ich Dir welche gegeben habe, bist Du immer noch schwach genug, damit sich reine Liebe überhaupt erst damit vermischen kann.

 

Ich könnte Dich für große Vorhaben vorsehen, doch damit bist Du ein unnützer Diener. Ich nehme das Wenige, das Du hast, entgegen, denn ich habe Dich für die Zuwendung geschaffen. Sei barmherzig!

 

Diese Zuwendung wird Dich alles tun lassen, ohne dass Du groß darüber nachdenkst. Strebe nur danach, den Augenblick mit Deiner Hingabe zu füllen.

 

Heute verharre ich wie ein Bettler vor der Pforte Deines Herzens, ich der Herr aller Herren. Ich klopfe an und warte. Beeile Dich, mir zu öffnen. Schütze nicht Deine Unzulänglichkeit vor. Deine Bedürftigkeit, wenn Du sie voll durchschautest, würde Dich schmerzvoll sterben lassen. Das einzige, was mich verletzen könnte, sind Dein Zweifel und Dein Mangel an Vertrauen.

 

Ich will, dass Du Tag und Nacht an mich denkst. Ich will nicht, dass Du Dich in die bedeutungsloseste Geschäftigkeit treiben lässt, außer Du tust es aus Zuwendung. Wenn ich Dich leiden lasse, gebe ich Dir die Kraft dazu. Hast Du mir Deine Zuwendung geschenkt, werde ich Dir weitere Zuneigung geben, mehr als Du zu träumen wagtest.

 

Aber denke daran: „Wende Dich mir so zu, wie Du bist.“ Versuche nicht, ein Heiliger zu sein, um Dich ganz der Zuwendung auszuliefern. Damit wirst Du niemals lieben lernen.

 

 

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21. Februar 2021 7 21 /02 /Februar /2021 14:55

Am 13. Februar 2021 verabschiedete sich der Jesuitenpater Franz Jalics (1927 -2021) im Alter von 93 von dieser Welt. Trauer über seinen Weggang verspüre ich nicht, eher eine Art Zuversicht. Dankbar bin ich dafür, dass katholische Christen aus Crailsheim mich mit ihm bekannt gemacht haben, ich seine Einführungen in Meditation miterlebte und manche Eucharistiefeier mit ihm im kleinen Hauskreis mitfeierte.

 

Drei Bücher von ihm stehen in meinem Bücherregal:

führten mich zu http://winfried-schley.over-blog.net/article-beten-verwandelt-96069359.html
 

oder auf Überlegungen zum Gebet in http://winfried-schley.over-blog.net/article-14927789.html, das in einer Morgenandachtserie im Rundfunk ausgestrahlt wurde.

 

 

Sein Hauptwerk ist zweifellos:

 

 

 

Sein wichtigstes Anliegen war: „ Die Menschen suchen einen einfachen, spontanen und unmittelbaren Kontakt zu Gott.“ Von seinem Gedankengut geprägt, veröffentlichte ich folgenden Text "Der Mensch gleicht einer Zwiebel" in http://winfried-schley.over-blog.net/article-14178762.html .

 

Bei mir war das ein harter Job:
Vgl. "Quelle der zärtlichen Zuwendung" in http://winfried-schley.over-blog.net/article-17004182.html.
Dafür konnte ich seinen Segenswunsch gut gebrauchen:

Inzwischen bin ich doppelt so alt wie damals. Rückschauend kann ich nicht mehr feststellen, wo ich seinen Fußstapfen folgte oder wo ich meine eigenen Wege ging. Viele meiner Artikel waren mehr oder minder stark von ihm beeinflusst und geprägt, auch wenn ich ihn nie darüber informierte:

 

http://winfried-schley.over-blog.net/2015/12/zum-glauben-gezwungen.html als Auseinandersetzung mit Atheisten.

 

http://winfried-schley.over-blog.net/article-erlosung-heilt-67044267.html als Ursprung menschlicher Sehnsucht.

 

Er machte mir Mut, meine eigene religiöse Sprache im Umgang mit der Bibel zu suchen und zu finden, z.B. http://winfried-schley.over-blog.net/article-33824793.html  


oder meine eigenen Formulierungen zum Vater Unser in heutiger Zeit in  http://winfried-schley.over-blog.net/article-14147853.html, das als Gebet noch heute zu meinem täglichen Morgenritual gehört.

 

Ein regelrechter Dauerbrenner bei den Lesern ist http://winfried-schley.over-blog.net/article-konnen-tiere-an-gott-glauben-63853425.html.

 

Ich hoffe, dass wir uns einst wiedersehen in einer anderen, neuen Welt. Bis dahin gilt für mich: „Franz, komm gut heim!“

 

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4. Dezember 2019 3 04 /12 /Dezember /2019 14:57
Welche Partei wählt wohl eine atheistische Großstadtmutti, die ihr Kind mit dem SUV in den Waldkindergarten fährt? 
Welche Partei wählt wohl die kinderlose Veganerin, die sich ihre Soja- und Palmölprodukte in Dreckschleudern, die unser Altöl verheizen, über die Ozeane schippern lässt? 
Welche Partei wählt wohl jene in Deutschland anführende Fridays-for-Future-Aktivistin, die in ihren jungen Jahren schon mehr Flugmeilen hinter sich hat, als ich in meinen noch verbleibenden Lebensjahren je erreichen werde? Sie trösten sich wohl mit dem gleichen ersatzreligiösen Muster: "Ich lebe bewusster."


 
Eine ihrer Projektionsflächen ist die Bundesvorsitzende der GRÜNEN, die mit ihrem telegenen Steckdosennäschen, das auf mich wie vom Schönheitschirurgen geschaffen wirkt, in jeder Kameraeinstellung ein anderes Kleid trägt.
 
Verstand hat ausgedient, nur Gefühle zählen. Lifestyle heißt das neue Zauberwort und Klima ist die neue Gottheit, der man schuldbewusst und unterwürfig huldigt und auf Freispruch hofft.
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6. Dezember 2018 4 06 /12 /Dezember /2018 10:33

Masse hat Macht, damals wie heute. Wer zieht im Hintergrund die Strippen? Gegen den Strom schwimmen ist ungemein schwer.

Alle Urheberrechte liegen bei Hjalmar Kunz, der mir seine Fotos für meine Texte zur Verfügung stellte.

 

1) Das Volk verurteilt Jesus

Zur gleichen Zeit der gleiche Schrei aus vielen Kehlen: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn!“ Vielstimmig mit einer Stimme.
Pontius Pilatus als Richter lässt sich überstimmen. Kraftlos gab er dem Mob nach. Fehlender Mut? Mangel an Mitteln?

Masse hat Macht, damals wie heute.
Wer zieht im Hintergrund die Strippen? Gegen den Strom schwimmen ist ungemein schwer.

 

 

2) Jesus ergreift das Kreuz

Rückenschmerzen, Kreuzschmerzen. Die Last des Lebens hinterlässt Spuren. Jasagen dazu. Auf sich nehmen. Komme, was wolle. Bis zum bitteren Ende. Ausweichen zwecklos.

Mein Blick auf Jesus zeigt: Ich bin nicht allein damit.

 

 

3) Jesus fällt zu Boden

Ich kann nicht mehr. Ich bin fix und fertig, am Boden zerstört. Wie komme ich wieder hoch? Wie kann ich weitermachen? Wer richtet mich wieder auf?
Woher die Kraft dazu nehmen?

 

 

4) Jesus begegnet seiner Mutter

Jede Mutter ist Wiege des Lebens. Tragen, austragen, zu Ende tragen. In ihren Eingeweiden gespeicherte Erinnerung wandelt sich in bohrenden Schmerz, wenn die Frucht ihres Leibes vor ihr stirbt. Weinen, klagen, schreien, bis die letzte Träne versiegt und stille Trauer einkehrt.

 

 

5) Simon trägt das Kreuz mit

Einer wird gebraucht. Er hilft mit, er hilft aus. Zweitrangig, ob freiwillig oder nicht. Hauptsache, er ist da. Er fühlt, dass er wichtig ist, jetzt und sofort. Niemand widerspricht ihm.

 

 

6) Veronika reicht das Schweißtuch

Not macht barmherzig. Erleichterung tut wohl, auch wenn das Ende unausweichlich kommen wird. Der Trost einer Frau begleitet. Die Erinnerung daran bleibt wach.

 

 

7) Jesus fällt erneut

Ein Rückfall. Die alte Schwäche ist wieder da. Schwäche kann ungemein stark sein. Sie ist aber nicht endgültig. Es geht weiter.

 

 

8) Jesus und die klagende Frau

Jammern aus Mitleid. Angst um die eigene Brut. Sie ist berechtigt. Jesus ist der falsche Vorwand. Er spiegelt daher: "Weine nicht über mich ...“.

 

 

9) Jesus fällt zum dritten Mal

Das war zu erwarten. Es musste ja so kommen. Alle Anzeichen sprachen dafür. Jetzt ist es eingetreten. Und dennoch, es geht weiter.

 

 

10) Sie reißen ihm die Kleider vom Leib

Die Menschenwürde ist antastbar. Gesetze gelten nicht für alle. Entblößen, entwürdigen. Die Menschenwürde ist antastbar.

 

 

11) Jesus wird ans Kreuz genagelt

Niet- und nagelfest. Endgültig. Einige reiben sich hoch zufrieden die Hände.  Hier wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Andere schauen ohnmächtig zu. Keine Hilfe weit und breit.

 

 

12) Jesus wird vom Kreuz abgenommen

Schadensregulierung,  erster Teil: So, wie es jetzt ist, darf es nicht bleiben. Trauer und Schmerz wollen verarbeitet und bewältigt werden. Für die anderen muss das Leben weitergehen. Abgedroschen, aber wahr.

 

 

13) Jesus wird ins Grab gelegt

Schadensregulierung, zweiter Teil: Vergiss nie: „Vom Staub bist du genommen, zu Staub wirst du werden.“ Zurück zur Mutter Erde. Anlaufstelle für Trauernde. Der Fall findet seinen vermeintlichen Abschluss.

 

 

14) Gott erweckt Jesus zum Leben

Unerwarteter Vorgang. Der Fall ist nicht zu Ende. Ein hoffnungsvoller Neubeginn auf eine andere Weise, für immer und ewig.

 

Fazit:

Für mich ist Jesus Christus derjenige, der mir durch seinen Tod hindurch zu Gott Vater vorausgegangen ist und der mich hoffen lässt, dass ich ihm durch meinen eigenen Tod hindurch hinterdreingehen darf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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11. Dezember 2016 7 11 /12 /Dezember /2016 10:48


 

Advent auf der nördlichen Welthalbkugel

Alle Jahre wieder bekommen die Medien in unseren Breiten in der Adventszeit ihr soziales Gewissen. Sie veröffentlichen zuhauf Spendenaufrufe, Aktionen der Barmherzigkeit und zu Herzen rührende Geschichten. Sie beklagen die Oberflächlichkeit der am Konsum orientierten Adventszeit und den überbordenden Vorweihnachtsrummel.

 

Romantische Weihnachtsmärkte mit Glühwein, Lebkuchen und allerlei Gebäck erzeugen landauf, landab in von Lichterketten umrandeten Holzbuden eine Heimeligkeit in die kurzen, hellen Tage und die langen, dunklen Nächte. Niemand denkt daran, dass unser christlicher Kirchenkalender, der hierzulande auch die an unser Schmuddelwetter angepassten Absatzmärkte bestimmt, auf der anderen Seite der Welthalbkugel auf Hochsommer mit langen Tagen und kurzen Nächten trifft, also überhaupt nicht dazu passt.

 

Wie abwegig müssen den asiatischen Arbeitern aus den Billiglohnländern jene Massenartikel vorkommen, die sie für unseren Weihnachtsrummel zu Spottpreisen herstellen?

 

Alles hierzulande scheint in dieser Vorweihnachtszeit auf Friede und Freude getrimmt zu werden, so, als komme in unserem Leben Leid und Trauer nur aus Versehen mal vor, was man möglichst rasch übertünchen muss. Wem das nicht gelingt, fühlt sich irgendwie schuldig, ob er nicht doch etwas falsch gemacht habe, weil er augenblicklich gar nicht glücklich sein könne und deshalb die Vorweihnachtsseligkeit der anderen störe. Entsprechend hoch sind in dieser Zeit die Selbstmordversuche jener, denen das nicht gelingt.

 

Dabei gibt es sehr gute Gründe, traurig zu sein: Privater oder beruflicher Streit, Unfall, Krankheit oder gar Tod eines Angehörigen oder Freundes, Verlust des Arbeitsplatzes, verpasste Gelegenheit oder einfach eine gefühlte Sinnlosigkeit im eigenen Dasein. Wir haben ein Grundrecht darauf,  traurig zu sein. Es gehört zur Wahrheit und Wirklichkeit unseres Lebens. Diese adventliche Friede-Freude-Eierkuchenwelt ist eine Lebenslüge, die wir nicht durch noch so viele eingekauften Geschenke zudecken können.

 

Advent im christlichen Sinne ist das Warten auf einen Erlöser. Das setzt voraus, dass es etwas zum Erlösen gibt und ein Hoffen auf bessere Zeiten Sinn macht. So gesehen ist Unglücklichsein eine Kunst, die man lernen muss. Grauer Alltag will bewältigt sein. Trauer und Schmerz brauchen Raum und Zeit, Adventszeit, für den Einzelnen unterschiedlich lang, manchmal Jahre lang und nicht an die vier Wochen vor Weihnachten gebunden.

 

Dennoch macht es Sinn, gerade diesen vier Wochen eine symbolische Bedeutung für die Allgemeinheit zu geben, ein gemeinschaftliches Harren auf die Geburt eines Kindes, das nicht mit Glanz und Gloria in die Welt tritt, sondern dessen Leben  mit bitterster Armut und Not beginnt und mit einem grausamen Tod am Kreuz endet.

 

Christen feiern dies im Sinne des Apostels Paulus, der in seinem Brief an Titus schreibt: „Als aber die Güte und die Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschien, hat er uns gerettet  ... durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist. Ihn hat er in reichem Maße über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter, damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden und das ewige Leben erben, das wir erhoffen“ (Tit 3,4-7).

 


Diese tröstende Gewissheit in Gestalt eines Neugeborenen geschenkt zu bekommen, ist, kurz gefasst, das Wesen von Weihnachten. Die Adventszeit soll genau darauf einstimmen. Wenn Christen Advent feiern, leben sie damit auf etwas Letztes hin, wohl wissend, dass sie in ihrem irdischen Dasein im Vorletzten verharren.

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28. Dezember 2015 1 28 /12 /Dezember /2015 12:22

Es belustigt mich immer wieder aufs Neue, wenn, vor allem im Internet, bekennende Atheisten mit geradezu religiösem Eifer ihren Nichtgottglauben verkünden. Dass dieser selbst von
Werthaltungen geprägt ist, die oft abendländisch jüdisch-christliche Wurzeln haben, lassen sie meist nicht an sich heran.


Wie unheilbar religiös Menschen sind, erkennt man heutzutage daran, dass Kinofilme mit mythischem Hintergrund Kassenschlager sind. Mythen ziehen magisch an. Esoterische Literatur, Spiritismus, Okkultismus, Anthroposophie, Astrologie, Teufelskulte, transzendentale Meditation mit  fernöstlichen Anklängen, New-Age-Exerzitien, Esoterik-Urlaub füllen die Kassen der Buchverlage und der Tourismusbranche.

 

Offensichtlich kann der Mensch auf Dauer nicht ohne religiösen Anklang leben, sehnt sich nach einer Reise zu seinem Innern, nach Stille und Einkehr.


Der Mensch kann diesem Grundbedürfnis nicht ausweichen, er kann nur wählen, was er zu seinen Gottheiten macht und was nicht.


Erfährt der Mensch Angst, die er besiegen will, eine innere Leere, die er ausfüllen möchte, eine Erschöpfung, vor der er sich erholen muss, sieht er sich gezwungen, alltäglichen Kleinkram zu meiden und den Weg in die Tiefe zu wagen. Worin er Geborgenheit oder gar seelische Heimat findet, ob und wie er sich selbst annehmen lernt, wie er lieben und geliebt werden erfährt, dazu muss er sich auf den Weg machen. Er kann gar nicht anders, will er nicht an sich selbst in Oberflächlichkeit ersticken. Ein wenig frei ist er nur in der Wahl seiner Wege. Doch
auch hier prägt ihn sein Vorwissen, sein Horizont, seine Erziehung darin, wie und was er auswählt. Er muss wählen, will er seelisch nicht zu Grunde gehen.


Warum heute viele Menschen die klassischen Angebote des Christentums außen vor lassen, ist mir ein Rätsel. Was macht es ihnen so schwer, einen personalen Urgrund des Seins, einen Schöpfer und Vater aller Menschen anzuerkennen? Er muss ja nicht jeder gleich durch meditative Selbstversenkung oder mystische Vereinigung diesen Geist, diese Energie, diese
Schöpfungskraft in sich selbst erfahren, wo alles miteinander verwoben und gegenseitig beseelt ist. Eine dumpfe Ahnung davon genügt, um sich als von Gott angenommen zu fühlen, sich auf ihn einzulassen, sich an ihm fest zu machen.

 

Erst wer auf mehr brennt, sollte sich mit Jesus Christus und der biblischen Verkündigung befassen und damit, wie sich Gott hierbei den Menschen selbst mitteilt. Orte der Information darüber sind die christlichen Kirchen.


Gelebter Glaube braucht Anhaltspunkte. Religiöse Feste gliedern die Zeit, zum einen die Jahreszeit zum Innehalten, zum andern wollen die Knotenpunkte des Lebens gefeiert werden: Geburt als geschenktes Leben, Geschlechtsreife als Verlassen der unmündigen Kindheit und Übergang zur Eigenverantwortung, Familiengründung als Ausblick in die Zukunft, Grenz- und Ohnmachts-erfahrungen in Krankheit oder Unglück als Weichenstellung und Neuanfang, Tod als Übergang. Christliche Glaubensgemeinschaften bieten eine solche Möglichkeit. Das Feiern der
christlichen Sakramente hat hier seinen Ursprung. Ihre Ausprägung unterscheidet sich je nach Kirchenzugehörigkeit.

 

Bald beginnt das neue Jahr 2016 mit seinen Vorsätzen an Neujahr.
Wie wäre es mit einer Weichenstellung in Richtung Gott?

 

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24. Februar 2008 7 24 /02 /Februar /2008 18:08

Eine Erfahrung, niedergeschrieben nach 10-tägigen Schweige-Übungen:


Ganz tief im Innern des Menschen verborgen schlummert ein unstillbares Verlangen nach zärtlicher Zuwendung. Verharrt der Mensch im Schweigen und wartet er geduldig ab, wird ihn seine Suche zur Quelle dieser ersehnten zärtlichen Zuwendung führen. Er wird entdecken, dass beide, Mensch und Quelle, wie Blutsverwandte zusammengehören.

 

Will der Mensch im unruhigen Strom seines dahintreibenden Lebens zur Quelle seiner letzten Sehnsucht gelangen, muss er gegen den Strom schwimmen. Seine eigene Kraft reicht dazu nicht aus. Dennoch wird er im Wesentlichen sein Leben nach dieser Quelle, seinem eigentlichen Ursprung, ausrichten, sobald er sich der Existenz dieser Quelle bewusst ist, auch wenn ihn der Strom seines Lebens noch so flussabwärts treibt. Er weiß jetzt um seine letzte Herkunft und kann dieses Wissen nicht mehr verlieren, ohne zugleich innerlich aus dem Lot zu geraten. Er spürt eine Kraft, die ihn immer wieder neu zur Quelle der zärtlichen Zuwendung zieht. Diese Kraft stammt nicht von ihm selbst. Sie kann sich am Menschen nur festmachen, wenn sich der Mensch dafür öffnet. Er darf sich nicht dagegen sperren, wie sehr ihn dieser Vorgang auch schmerzt.

 

Den Weg, über den diese Kraft den Menschen zur Quelle zieht, bestimmt die zärtliche Zuwendung in der Quelle, nicht der Mensch. Ist der Mensch mit diesem Weg nicht einverstanden, kann er sich jederzeit aus freien Stücken abkoppeln. Allerdings wird er ein beträchtliches Stück oder gar alles von seiner inneren Mitte einbüßen. Verliert der Mensch seine Mitte ganz, treibt er in haltloser Einsamkeit dem Abgrund der Angst entgegen.

 

Geeignete Mittel, die dem Menschen helfen, sich nicht gegen diese Kraft zu sperren und ihr keinen Riegel vorzuschieben, sind die vielfältigen Formen von Gebet, Meditation und Liturgie. Die zärtliche Zuwendung in der Quelle verlangt danach, dass der Mensch freiwillig die Pforten von innen entriegelt, damit die Kraft der zärtlichen Zuwendung sie von außen aufschließen kann.

 

Durch ein aufgeschlossenes, aber nicht entriegeltes Tor hat die Kraft keinen Zugang zum Menschen, außer die geballte Allmacht der Quelle sprengt die Tür. Ob der Mensch das überlebt, bleibt für ihn ungewiss.

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  • : Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.
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  • Niemals in Gleichgültigkeit verfallen, unabhängig davon, was im Leben auf mich zukommt !  
 Ich interessiere mich für alles, was dem friedlichen Zusammenleben der Menschen dient.
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