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8. Dezember 2022 4 08 /12 /Dezember /2022 17:34

Alle Jahre wieder in der Vorweihnachtszeit versuche ich innezuhalten und das Jahr im Geiste vorüberziehen zu lassen. In meinem französischen wie deutschem persönlichen Umfeld bin ich einer der Wenigen, die noch nie positiv auf Covid-19 getestet wurden, unabhängig davon, ob sie zwei-, drei-, vierfach oder gar nicht geimpft waren. Vielleicht testete ich mich nur zum falschen Zeitpunkt oder ich habe nie wirklich etwas abbekommen.

 

In den letzten zwei Jahren erlebten wir bei acht Auslandsaufenthalten jedes Mal einen anderen behördlichen Coronazirkus, bei zehn Museumsbesuchen desgleichen. Der Gipfel war die Ständige Impfkommission, die uns fünfeinhalb Monaten nach der Erstimpfung mit den Impfstoff von Johnson & Johnson in einer Nachricht auf unserer CovpassApp mitteilte, dass diese Impfung nach vier Wochen eine Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff benötige. Damit war diese Impfung vom Juni 2021 in Deutschland nach zwei Wochen angeblicher Immunisierungsphase genau zwei weitere Wochen gültig, während sie in Frankreich zu diesem Zeitpunkt erst anerkannt wurde. Wir hatten die Sommerzeit bei unseren persönlichen Kontakten ohne Maske heil überstanden und im Herbst mit 24 Franzosen zusammen ein langes Wochenende um Allerheiligen herum in einem Gästehaus ebenso. Weil wir für unsere Reisen einen gültigen QR-Code brauchten, erwischten wir mit viel Glück einen zweiten Impftermin mit Moderna im Dezember 21 und einen dritten im März 22 mit BioNTech.

 

Für unsere Nordspanienrundfahrt im Frühjahr 22 brauchten wir einen gesonderten tagesaktuellen Einreisecode. Drei Tage davor kam auf unsere CovpassApp ein Update. Das damit verbundene Zertifikat meiner Frau war gültig für die Einreise, meines aus unerfindlichen Gründen nicht, obwohl wir beide jeweils an demselben Datum mit jeweils dem gleichen Impfstoff geimpft waren. Zum Glück gab es im Menü der spanischen Regierung ein Menü für sonstige Impfstoffe. Dort gab ich meine Daten ein und hatte sofort ohne jeden weiteren Beleg meines Eintrages einen gültigen Einreisecode auf dem Bildschirm. Was wäre geschehen, wenn ich Mickey Maus als Impfstoff und 29.02. als Datum angegeben hätte? Vermutlich nichts, denn der spanische Programmierer wird sich wohl gedacht haben, dass ein Kranker sowieso nicht reist, Hauptsache die Obrigkeit bekommt ihren QR-Code-Nachweis. Mein Unbehagen, dass man mittels einer aufgespielten Software meinen Anteil am gesellschaftlichen Leben unabhängig von meinem körperlichen Zustand festlegen kann, schwingt im Hinterkopf immer noch nach.

 

Im benachbarten bayrischen Dinkelsbühl konnten wir zwar mit 2G einkaufen, aber ohne negativen PCR-Test nicht ins dortige Museum. Das holten wir nach, als diese Regelung fiel. Bis dahin hatten wir bei fast leeren Eisenbahnabteilen gut zehn weitere Museumsbesuche hinter uns. Proppenvoll und chaotisch wurde es in den Zügen erst beim 9-Euro-Ticket im Sommer. Hut ab vor jenen, denen dies eingefallen ist. Das war wirklich ein geniales Herdenimmunisierungsprogramm mit einer sommerlich bedingten geringeren Viruslast. Ohne überhaupt von Corona zu sprechen, holte man in Deutschland den vorher übelst beschimpften schwedischen Weg nach. Das war wirklich clever gemacht!

 

Skifahren im österreichischen Höfen, schon im Vorjahr gebucht, klappte, weil kurz zuvor außer einem gültigen QR-Code alle weiteren Einreisebestimmungen fielen. Dort erkrankte die Tochter des Hauses schon zum zweiten Mal trotz Impfung. Wir blieben dennoch. Zwei Wochen später waren wir mit den Enkeln in Jungholz, das nur von deutscher Seite aus erreichbar ist, mit Maske in der Warteschlange am Lift und im Gästehaus, aber ohne verpflichtenden QR-Code-Nachweis. Am letzten Wochenende fiel die Maskenpflicht, dafür explodierte zugleich der Ölpreis, so dass wir etwa 3 000 € mehr als geplant hinblätterten. Wir waren damals schon froh, als die Nachricht der Ölfirma kam, dass Öl für Privatverbraucher nicht wie befürchtet gesperrt war.

 

Unsere Russlandreise ist geplatzt, wohl für immer während unserer noch verbleibenden Lebenszeit, Sri Lanka wurde auf Frühjahr 23 verschoben wegen politischer Unruhen.

 

Meine Frau und ich können uns glücklich schätzen, dass wir bis jetzt gesund geblieben sind. In unserem näheren Bekanntenkreis ist das leider nicht so. Meine Gedanken an diese Menschen schwingen immer irgendwie mit, besonders bei unserem ältesten Sohn, der sich nach seinem schweren Autounfall vor zwei Jahren nun einen hochkomplizierten Gelenkbruch am linken Knöchel durch einen Sturz im dunklen Treppenhaus zugezogen hat. Das automatische Licht ging aus seiner Sicht früher aus als in der Vergangenheit. Bereits eine vorgezogene Energiesparmaßnahme? Aber laut den Grünen haben wir ja kein Stromproblem, sondern ein Wärmeproblem. Man kann heutzutage als Politiker jede Dummheit raushauen, ohne dass man ernsthafte persönliche Folgen zu spüren bekommt.

 

Unsere bisherige mit Schaltuhr beleuchtete Adventstanne haben wir durch ein unbeleuchtetes Energiespartännchen ersetzt. Während im Durchschnittsfranzosen ein mehr oder minder aufmüpfiger Gallier steckt, ist der Durchschnittsdeutsche ein mehr oder minder obrigkeitshöriger Blockwart. Man kann nie wissen, ob hierzulande irgendjemand seine verdrängten Aggressionen hinter einem moralischen Mäntelchen verdeckt und den selbsternannten Richter spielt.

 

Dem Durchschnittsfranzosen ist es gleichgültig, ob sein Gegenüber auch gegen Covid-19 geimpft ist. Entweder ist er als Geimpfter weitgehend geschützt oder er ist es halt nicht. Kein französischer Politiker würde es wagen, die individuelle Entscheidung der Bürger in Frage zu stellen. Macrons „die Ungeimpften nerven mich“ war das höchste an öffentlich verlautbartem Unwillen. Ungeimpftes Krankenhauspersonal wurde zwar offiziell entlassen, bei Personalmangel aber stillschweigend irgendwie wieder eingestellt. Inzwischen gilt in Frankreich die Pandemie ganz offiziell als beendet. Risikogruppen werden weiterhin schriftlich zur Impfung eingeladen. Ob sie Folge leisten, ist ihre private Entscheidung. Die französische Regierung wirbt dafür. Den Gedanken, dass die Impfung nur schützt, wenn der Gegenüber auch geimpft ist, kann ein Franzose nicht nachvollziehen. Ganz anders im deutschsprachigen Raum. Hier wird, vermutlich durch den Kantschen Imperativ geprägt, etwas zum allgemeingültigen Grundsatz erhoben, den jeder zu befolgen hat und wer sich dagegen sträubt, ist moralisch minderwertig und muss unerbittlich mit allen Mitteln bekämpft werden. Ob der vermeintliche Grundsatz wissenschaftlich gedeckt ist, spielt in Medien und Politik keine Rolle. Die Untersuchungen der Johns-Hopkins-Universität, dem derzeitigen Coronapapst schlechthin, oder der Uni Tel Aviv werden schlichtweg ignoriert oder ungeniert gegenteilig benützt. Motiv?

 

Im Internet bin ich nach wie vor unterwegs. Mein französisches Blog ist mangels Themen in der Coronakrise auf uraltem Stand, mein deutsches Blog vor allem durch Kunst und Corona geprägt. Meine Kommentare auf Facebook beende ich meist mit einer Frage. Darauf können automatisierte Bots, die auf Schlüsselworte mit vorgestanzten Beleidigungen oder Spott reagieren, um jemanden mundtot oder zumindest lächerlich zu machen, nicht eingehen. Gesperrt wurde ich bis jetzt noch nie, aber fleißig gelöscht. Es gibt eben Fragen, die sind für feige Medien wie die FAZ tabu. Das Kommentarmenü auf meinem Blog wird seit einigen Jahren so gut wie nicht mehr zum Streit der Meinungen genutzt. Aus Angst? Wovor? Verantwortungsethik scheint einer Gesinnungsethik gewichen zu sein. Fakten und Argumente werden ersetzt durch Haltung zeigen, Zeichen setzen, auf die vermeintlich mehrheitliche Seite gehören, die richtige Gesinnung haben und neuerdings gendern. Herrlich!  Endlich kann ich mich als alter weißer Mann verstecken hinter Kinderschänder*innen, Verbrecher*innen und Dieb*innen und unlogischer Grammatik wie der Künstler, die Künstler*innen, der Mensch, aber nicht die Mensch*innen. Überall wird dieser Stuss nachgeäfft. Für Frankreichs Schulen hat die Regierung das übrigens verboten. Auf Englisch gendern geht kaum. Nur der Neudeutsche ist woke.

 

Für eine besinnliche Adventszeit habe ich wohl jetzt genug genörgelt. Lasst sie Euch bitte nicht durch mich vermiesen. Ich wünsche von dieser Stelle aus allen Nichtjuden und Nichtmuslimen ein besinnliches Weihnachtsfest und ein frohes, weitgehend gesundes Neues Jahr für alle.

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15. April 2022 5 15 /04 /April /2022 19:34

Das Konzept dieser Rundreise durch Nordspanien über Bilbao, La Encartada, San Bernabé, Altamira, Comillas, Covadonga, Gijón,  Oviedo, León, Burgos, Santo Domingo de la Calzada, Rioja-Region, Laguardia, Pamplona, San Sebastián,  Euskotren, Guernica und wieder Bilbao, das uns unser Reiseleiter Jörg Volkmann mit viel Charme und Geschick erfolgreich vermittelt hat, ist ein Knüller – für die richtigen Leute. Meiner Frau und mir hat es jedenfalls sehr gut gefallen. Vor allem die Mischung zwischen Spanisch und deutscher Übersetzung ließ uns das fremde Land sehr gut erspüren. Die Restaurant- und Tapasbarbesuche außerhalb der Übernachtungshotels brachten uns das gesellschaftliche Leben der Spanier näher, weil dort auch Einheimische anzutreffen waren.  

 

Allerdings zeigt die äußerst deftige nordspanische Küche für Vegetarier oder gar Veganer nur wenig Erbarmen. Diese müssen sich mit sehr einseitiger Kost begnügen.

 

Wo Berge und Meer nah beieinander sind, kann das Wetter schnell umschlagen. Ich hatte mit einem täglichen Regenguss gerechnet, der für unsere Reisegruppe glücklicherweise ausblieb. Temperaturschwankungen zwischen -2° und +28° innerhalb dieser zehn Tage zeigten aber deutlich, wer hier das eigentliche Sagen hat, das Wetter. Die „Spazierwanderung“ (laut Prospekt) zum Bergsee Enol de Covadonga ist kein Sonntagsspaziergang im Grunewald von Berlin! Warme Beinkleidung, damit der raue Bergwind die Beinmuskulatur nicht vorzeitig auskühlt, und trittfeste Schuhe mit rutschsicheren Sohlen mindern das Unfallrisiko. Rentnerknochen brechen leicht und schnell und die nächste Klinik liegt nicht um die Ecke. Ich möchte keinem Reiseleiter zumuten, im Tragegriff einen Oberschenkelhalsbruch oder ein verdrehtes Kniegelenk bis zum Busparkplatz zurückzuschleppen. Unsere Gruppe hatte das große Glück einer für Gebirge traumhaften Wetterlage.

 

Obendrein ist diese Gegend bis jetzt noch nicht für das kleine und große Geschäft von Bustouristen ausreichend gerüstet. Ein Fünfzigcentstück über den Tresen versteht dort jeder Wirt ohne Worte, wenn man sich nicht mit Cafe solo vollpumpen will. Einen entsprechenden Vorrat an Münzen sollte man sich also vorneweg ansparen.

 

Alles klar? Dann !Buen viaje!

 

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  • Niemals in Gleichgültigkeit verfallen, unabhängig davon, was im Leben auf mich zukommt !  
 Ich interessiere mich für alles, was dem friedlichen Zusammenleben der Menschen dient.
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