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2. Januar 2021 6 02 /01 /Januar /2021 16:26

Ursprünglich ist dieser Text eine private E-Mail an einen politisch äußerst interessierten ehemaligen Schüler. Nach reiflicher Überlegung will ich ihn dennoch veröffentlichen, da ich überzeugt bin, dass die hier erwähnten Überlegungen von allgemeinem Interesse sind:


Als junger Sanitätssoldat vor 50 Jahren habe ich mal gelernt, dass in einer Pandemie weltweit massenhaft Leute sterben. Heute arbeitet die WHO mit einem anderen Pandemiebegriff. Von etwa augenblicklich 82 Mio positiv PCR-Getesteten sind laut WHO etwa 1,8 Mio an oder mit Covid-19 gestorben. Das sind 2,2 %. 97,8 % haben überlebt.


Für mich ist dieser neue Pandemiebegriff eine rein mediale Inszenierung für neue Absatzmärkte.


Früher galt jemand gegen eine ansteckende Krankheit immun, wenn er nicht daran erkrankte oder diese Krankheit überstanden hatte. Heute arbeitet die WHO an einem neuen Immunitätsbegriff. Als immun soll gelten, wer in Zukunft einen passenden Impfnachweis vorlegen kann. Neu ist auch der Begriff des asymptomatisch Erkrankten. Früher nannte man so jemanden gesund. Alle zu angeblich ansteckenden Personen zu erklären, ist wissenschaftlich unsauber. Nichtereignisse kann man nicht messen und schon gar keine Prozentzahlen dazu angeben. Abgesehen davon ist jeder Kontakt unter den Menschen auch ein Austausch von Pilzen, Bakterien und Viren, den unser Immunsystem meist unbemerkt meistert. Falls nicht, rüstet unser Immunsystem nach, indem wir mehr oder minder schwer erkranken. Manchmal braucht es medizinische Unterstützung, manchmal nicht und manchmal versagt es halt ganz. Covid-19 ist dabei keine Ausnahme, sondern nur neu hinzugekommen und schon gar nicht die alleinige Geißel der Menschheit, wie wir zur Zeit täglich in den Nachrichten berieselt werden.

 

Als junger Student habe ich mit dem Diplom aus der Bundeswehrzeit im Krankenhaus gejobbt. Covid-19 gab es damals noch nicht. Lungenembolie, Asthma, Influenza, Pneumokokken-Infektion und Tuberkulose waren unsere Herausforderungen damals und sind es vermutlich heute noch.


Deswegen hat niemand die Wirtschaft so an die Wand gefahren, wie sie jetzt von Politik und Medien inszeniert wird. Medizinisch begründbar ist das wohl kaum oder es wäre auch schon früher berechtigt gewesen, was nachweislich aber niemand in die Tat umsetzte.


Wer hat neuerdings übergeordnet daran Interesse?

 

Im OP haben wir selbstverständlich Maske getragen. Grund war, dass die Maske die Ausatemluft verwirbelt und damit der direkte Atemstrom des Operierenden oder seiner Helfer nicht zu konzentriert in offene Wunden des Patienten gelangte. Im OP selbst waren die Pilze, Viren und Bakterien des Personals natürlich dennoch vorhanden. Keine Maske hält das ab, entgegen heutigen Presseverlautbarungen. 20 Nanometer eines Virus haben viel leeren Raum als Platz beim Durchdringen von Textilgewebe. Der OP wurde halt nach den Operationen weitgehend entkeimt. 

 

Deswegen verwende ich heute bei Einkaufen die gefalteten Einmalmasken. Sie verwirbeln besser als glatte Stoffmasken. FFP2-Maske behalte ich mir für einen längeren Aufenthalt in einem Ärztewartezimmer vor. Man schnauft dahinter wesentlich schwerer.


Was die Übersterblichkeitsrate angeht, haben wir in Deutschland im Jahresschnitt etwa 1,12 % Verstorbene. Bei 83 Mio Einwohnern sind das etwa 996 000 Verstorbene. Von einer auffälligen Übersterblichkeitsrate 2020 kann nicht die Rede sein. Lokale Ausreißer bedürfen lokaler Maßnahmen, sind aber im Gesamten für eine nachhaltige Gesundheitspolitik zweitrangig.

 

Als Mathematiker stört mich die unsaubere Trennung von Korrelation und Kausalität. Wenn im Elsass die Anzahl der Störche und die Anzahl der Geburten zunimmt, heißt das noch lange nicht, dass der Storch die Kinder bringt.

 

Wir haben z.B. im Landkreis SHA zur Zeit 53 Intensivbetten, 42 Betten belegt, davon 8 mit Covid-19-Patienten. Der Nachbarlandkreis Ansbach hat 7 Covid-19-Patienten, aber nur 21 Intensivbetten. Das bayrische Gesundheitssystem wurde von einem Finanzminister namens Markus Söder hart auf Kante genäht. Wenn es jetzt an seine Grenzen kommt, jammert er nun als Ministerpräsident über ungehorsame Untertanen, die seine angeblich alternativlosen Hausarreste nicht einhalten. Natürlich ist es richtig, dass ich weniger Ansteckungsmöglichkeiten habe, wenn ich meine Wohnung nicht verlasse, wobei noch gar nicht geklärt ist, wie viel mehr Ansteckungsmöglichkeiten ich damit wirklich habe. Diese Logik gilt immer, auch für das Präventionsparadoxon. Das rein auf Sars-CoV-2 einzuschränken und dieses Virus zur allgemeinen Gefahr zu erklären, ist unredlich. 

 

Unter 1 000 Gesunden, mit denen ich zusammen bin, kann ich mich nicht anstecken. Noch weniger Ansteckungsmöglichkeiten habe ich, wenn ich gar nicht erst den Geburtskanal verlasse. Die entscheidende Frage ist, wo ich die Grenze für Maßnahmen ziehe, welche Risiken ich abwägen will, privat wie öffentlich. Warum müssen Geschäfte, Firmen und Unternehmen mit einem ausgezeichneten Hygienekonzept schließen, wenn sie nachweislich nur gering am bisherigen Infektionsgeschehen teil hatten? Das gehört in den Parlamenten ausdiskutiert und nicht einfach von oben verordnet. Das weckt Opposition und verdecktes Ausbüxen. Wenn eine neue Krankheit auftritt, wäre es dann nicht sinnvoller, das eigene Gesundheitssystem zu erweitern, statt stur auf dem bisherigen Stand zu beharren? Und wehe, die anderen ziehen auf diesem Wege nicht mit! 

 

Wir haben 21 Mio Rentner, 4 Mio Sozialhilfeempfänger und 5 Mio Beamte mit deren Steuern als Nullsummenspiel. Diese 30 Mio nehmen nur noch durch Konsum am Wirtschaftsleben teil. Anderen, die daran verdienen, wird zur Zeit diese Möglichkeit genommen. Sie sind es aber, die später ihre jetzt erhaltenen Ausgleichszahlungen wieder in den Staatshaushalt einbringen müssen. Wie soll das funktionieren? Darüber muss man streiten dürfen, in Fachkreisen wie in Parlamenten.

 


Russland impft zur Zeit die Altersgruppen zwischen 18 und 60, weil diese den Laden am Laufen halten.
Wir impfen die gesundheitlich Geschwächten, weil Politiker bei hohen Todeszahlen um ihre Wiederwahl fürchten, wobei wir nicht wissen, wie sehr die Gebrechlichen selbst am Infektionsgeschehen teilhaben und ob sie in nächster Zeit sowieso an Altersschwäche sterben werden. (Der statistische durchschnittliche Aufenthalt im Pflegeheim beträgt drei Jahre.)
Der Vatikan impft zuerst die Kinder seiner Kinderklinik, weil Kinder die Zukunft sind.

 


Dahinter stecken unterschiedliche Wertemuster, die man öffentlich und politisch ausdiskutieren muss. Für mich persönlich ist das die Frage, ob ich in meinem Alter mit meiner Angst vor meiner eigenen Sterblichkeit einfordern darf, dass andere ihre wirtschaftliche Existenz und oft damit verbunden ihre Gesundheit riskieren müssen. Meine persönliche Antwort heißt nein. Darüber muss man öffentlich streiten können und auch dürfen.


In Deutschland haben wir zur Zeit 34 000 Corona-Tote bei 1,7 Mio positiv Getesteten, also 2% wie weltweit. Dass wir trotz hohem Lebensstandard und sehr gutem Gesundheitssystem nicht besser dastehen, liegt wohl an der Überalterung unserer Gesellschaft. Woanders sind die wirklich Gefährdeten wohl schon auf andere Weise verstorben. So erwischte es halt bei uns etwa 3,4 % aller Verstorbenen diesen Jahres, dass sie mit Sars-CoV-2 infiziert waren. 

 

Zufällig sind 1,7 Mio Positive in diesem Jahr von 83 Mio Einwohnern in Deutschland auch etwa 2 %. 98 % sind somit nicht mit einem Ansteckenden in Kontakt gekommen oder haben sein Virenpaket gleich erfolgreich mit ihrem Immunsystem abgewehrt. Ob das wirklich am Lockdown liegt, ist eine Vermutung, die deshalb so überzeugend wirkt, weil sie ungemein beruhigt. Wissenschaftlich redlich belegen lässt sich das nicht, weil man Nichtereignisse eben nicht messen kann. Vielleicht gibt es viel bessere Maßnahmen, die uns diese 98 % beibehalten oder gar verbessern lassen. 


Schweden hat ohne Lockdown in der zweiten Welle jetzt eine Zunahme der Coronatoten von etwa 40 %, wir mit hartem Lockdown etwa 210 %. Wäre es nicht sinnvoll, zu hinterfragen, ob der Lockdown nicht doch nur ein Nebenkriegsschauplatz ist und man nach anderen Ursachen suchen muss? Jetzt noch einen härteren Kurs zu fordern, verhindert die Suche nach weiteren Ursachen, weil man ja angeblich die Lösung schon gefunden hat. Wenn eine Mehrheit etwas für Wahrheit hält, muss es noch lange nicht wahr sein.

 

Ob die Impfung wirklich die große Zusatzrettung sein wird, werden wir wohl nie erfahren. Dieser Absatzmarkt ist jetzt am Laufen. Ich gehe davon aus, dass Medien und Politik die Menschen in den Heimen jetzt wieder an Altersschwäche sterben lassen, ganz wie früher. Der Impfung sei Dank, so oder so! 


Mich erinnert der ganze Corona-Hype an den Hexenwahn. Je mehr Hexen man verbrennt, umso weniger Missernten wegen schlechter Sommer wird es geben, weil man sie mit dem Teufel im Bunde für die Ursache hielt. Als die Sommer wieder besser wurden, fühlte man sich in den Verbrennungen bestätigt. Korrelation setzte sich gegen Kausalität durch, genau wie heute. 
 

Zu meinen privaten Erfahrungen mit Covid-19 bitte hier klicken.

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28. Dezember 2020 1 28 /12 /Dezember /2020 12:40

Als meine Frau und ich im Frühjahr 2019 das Flugzeug nach Shanghai bestiegen, lag am Eingang eine chinesische Zeitung auf Englisch aus. Da der Flug gefühlt eine halbe Ewigkeit dauert, nahm ich ein Exemplar mit. Ich war neugierig, wie eine chinesische Zeitung sich selbst und China allgemein der Welt außerhalb Chinas darstellt und hätte beinahe eine kleine Notiz darin überlesen, die später weltweit für Schlagzeilen sorgte. Da las ich, dass im Herbst 2019 im zentralchinesischen Wuhan eine Sportolympiade von Soldaten aus aller Welt stattfinden würde. Über französische Freunde drang mir zu Ohren, dass zurückgekehrte italienische und französische Sportsoldaten an heftigen Atemwegsinfektionen litten, die Aufenthalte in Lungenheilanstalten nötig machten. Ob jemals von den jungen Sportlern jemand gestorben ist, erfuhr ich nie. Von womöglich an Covid-19 Erkrankten sprach damals kein Mensch. Das wurde erst später damit in Verbindung gebracht.

 

Irgendwann im Januar 2020 erwähnten die westlichen Nachrichtensender, dass in China vermutlich auf einem Markt ein Virus von Tieren auf Menschen übergesprungen sei und sehr rasch tödlich wirke. Die chinesische Propaganda filmte täglich, wie in Wuhan innerhalb von zwei Wochen eine riesige Klinik aus dem Boden gestampft und die gesamte Bevölkerung Wuhans in Hausarrest gesteckt wurde. Irgendwann sickerte durch, dass dieses Virus schon seit Anfang Dezember zu wüten begann und die chinesische Regierung beschuldigte die USA, dass sie mit den militärischen Festspielen dieses im Labor gezüchtete Virus eingeschleppt habe. Umgekehrt sprach der amerikanische Präsident von der Schuld Chinas, das die Welt zu spät gewarnt und somit die Ausbreitung des Virus veranlasst hätte. In Frankreich kursierten Gerüchte, dass die französische Regierung gemeinsam mit der chinesischen an einer biologischen Waffe arbeitete und dabei dieses Virus entwichen wäre. Ich selbst hielt diese Schuldzuweisungen für einen überflüssigen Nebenkriegsschauplatz. Das Virus war in der Welt und jetzt ginge es doch nur noch darum, wie man möglichst schnell damit fertig werden würde.

 

Meine Frau und ich genossen als Rentner wie alle Jahre zuvor unseren Skiurlaub eine Woche nach den deutschen Faschingsferien auf den fast leeren Pisten und Seilbahnkabinen am Hahnenkamm bei Höfen in Österreich. Norditalien meldete einen raschen Anstieg der Todeszahlen durch dieses neue Virus und unsere Tochter, dass in Deutschland Klopapier gehamstert werde. Mehr belustigt als vorgewarnt besorgten wir eine große Menge davon im dörflichen Supermarkt. Italiens Probleme schob ich auf ihr kaputt gespartes Gesundheitssystem.

 

Am Ende des Skiurlaubes, einem Sonntag, fuhren wir auf einer überraschend leeren Autobahn nach Hause. Am Montag kauften wir noch ohne Atemschutzmaske ein, weil es ja so gut wie gar keine zu kaufen gab und dies auch von der Bundesregierung samt Robert-Koch-Institut als nicht nützlich verkündet wurde. Wir standen dann tatsächlich vor einem leeren Klopapierregal, was aber dank österreichischer Vorsorge für uns kein Problem darstellte. Am Dienstag hüteten wir auswärts die schwer erkälteten Enkel, die weder in die Schule, noch in den Kindergarten durften, deren Eltern aber zur Arbeit mussten, ein Schicksal, das wir mit anderen Großeltern aus unserem Bekanntenkreis über Monate hinweg teilten, ohne daran zu erkranken oder gar einen Erstickungstod zu erleiden, den Warnungen von führenden Politikern zum Trotz.  Am Mittwoch empfahl unser Gesundheitsminister allen Urlaubsrückkehrern aus Österreich die freiwillige Quarantäne. Die Börse rauschte in den Keller.  Am Sonntag darauf waren sämtliche Skigebiete Österreichs dicht, die Gästepensionen dort entleert und von Ischgl aus das Virus über ganz Europa verteilt. Wir sagten den üblichen Zahnarzttermin ab. 

 

Meine private Sammlung an Covid-19-Patienten begann. Die ersten drei im Dorf waren nach zwei Wochen wieder gesund. Einer erschien auf meiner Facebook-Seite als Foto mit Beatmungsschläuchen in der Nase. Nach zwei Wochen war auch sein Krankenhausaufenthalt beendet. Frau und Kind blieben ganz verschont, von der lästigen Quarantäne abgesehen. Ein ehemaliger Kollege (74) samt Frau hatte zweimal 39° Fieber, litt unter vollkommener Erschöpfung und Appetitlosigkeit, verlor für einige Tage seinen Geschmack auf der Zunge und im Mund. Zwei Wochen später waren beide wieder auf dem Damm. Schwerer erwischt hatte es eine etwas jüngere Frau knapp über 30. Sie hatte Atembeschwerden. Ihr kluger Hausarzt riet, sie möge auf dem Bauch liegen bleiben, das erleichtere das Atmen, und sich erst im äußersten Notfall ins Krankenhaus einweisen lassen. Resistente Krankenhauskeime seien ein zusätzliches Risiko. Drei Wochen später war auch sie wieder gesund. Härter erwischt hatte es einen 64-jährigen Kettenraucher. Er wurde für drei Wochen in einer Lungenklinik in ein künstliches Koma versetzt und dabei beatmet. Nach fünf Wochen musste er wieder mühselig laufen lernen, so sehr hatten sich seine Muskeln abgebaut. Zwei Tage vor seinem Klinikaufenthalt hatte er noch mit der Verwandtschaft am nachmittäglichen Kaffeetisch gesessen. Sie blieb außer leichten Erkältungssymptomen, wenn überhaupt, vollkommen verschont. Ein symptomloser Zwölfjähriger wurde positiv getestet, weil seine Mutter drei Tage lang Fieber hatte und positiv getestet wurde. Dieser Junge zählte nun zu den sogenannten asymptomatisch Erkrankten. Diese neue Wortschöpfung bezeichnete man früher mit dem Wort gesund.


Dieses Virus gab mir Rätsel auf. Es blieb auch rätselhaft, als im Herbst bei nächsten Zahnarzttermin mir die Zahnarzthelferin beim Zahnsteinentfernen erzählte, dass sie selbst im Frühjahr für zwei Wochen in Quarantäne musste, weil sich ihr Ehemann bei seinem Chef mit dem Sars-CoV-2 angesteckt hatte, der im österreichischen Ischgl seinen Skiurlaub verbracht hatte. Während ihr Mann nur leichte Grippesymptome zeigte, blieb sie gänzlich symptomfrei und hatte nachweislich keine Antikörper gebildet. Ich selbst habe bei meiner Zahnbehandlung notgedrungen die dichte körperliche Nähe der jungen Dame vollkommen gesund überlebt.

 

Alle in meiner Familie wurden aus grundverschiedenen Anlässen mindestens einmal getestet, allesamt bisher negativ. Wir gehören damit zu jenen 96 %, welche die gängigen Medien kaum erwähnen. Hier werden Unsummen verbraten! Wofür eigentlich?

 

Mitte März machten die Schulen, Kitas und Landesgrenzen außer für Warenverkehr dicht. Unser an Ostern geplanter Aufenthalt in Frankreich platzte. Für unsere Enkel brachen paradiesische Zeiten an. Einige Arbeitsblätter aus der Schule und ein wenig Fernunterricht boten viel Platz für kreative und fantasievolle Betätigung im eigenen Haus, dem großen Garten und der ländlichen Umgebung, unterstützt von einem weitgehend schönen Frühling bis kurz vor den eigentlichen Sommerferien und der pädagogischen Anleitung durch ihre Eltern. Mein Mitleid galt den in engen Wohnungen eingepferchten Großstadtkindern.

 

Eine französische Bekannte schickte uns per E-Mail den Fragebogen zum täglichen Ausgang, den jeder mit sich zu führen hatte und der polizeilich kontrolliert wurde. Da man sich außer zum Einkaufen nur 100 m von der eigenen Wohnung entfernen durfte, lief eine andere Bekannte mit dem Schrittzähler ihre vom Arzt verordneten 4 000 Schritte pro Tag im Kreis um den angrenzenden kleinen Park herum. Viele bestellten per Internet und holten ihre Lebensmittel vor dem Supermarkt mit dem Auto ab. Wir hatten es in Deutschland etwas besser. Wir durften zu zweit beliebig spazieren gehen und fast überall einkaufen, allerdings mit dem ursprünglich verpönten, jetzt aber zwangsverordneten Mund-und Nasenschutz. Dieser wurde in Frankreich erst Mitte Juli eingeführt, als die Reisebeschränkungen gelockert waren und wir alle unsere bisherigen Bekannten vom Mittelmeerstrand wieder trafen. 

 

Die 1,5 Mio befürchteten Toten waren ausgeblieben, so dass ab Mai viele Lockerungen eintraten und das gleichzeitig in allen Ländern, obwohl das Virus zu verschiedenen Zeitpunkten dort seinen Anfang nahm. Die Natur beugt sich offensichtlich manchmal ausnahmsweise der Politik und der Wirtschaft. 

 

Wir erlebten fast leere Züge und Museen mit durchdachtem Hygienekonzept und Besucherlisten, genau wie bei Frisören und Restaurants. Dass diese jetzt in der Adventszeit wieder dicht machen mussten, obwohl sie nachweislich einen äußerst geringen Anteil an den Ansteckungsraten hatten, entzieht sich meinem Verstand.

 

In vielen Gesprächen im Sommer jedoch erlebten wir in Frankreich wie in Deutschland wachsenden Unmut über die uneinheitlichen, zum Teil widersprüchlichen Maßnahmen, über die politische Willkür, mit der man die Inzidenz 50 einführte, jene magische Zahl von 50 Neuinfektionen pro Woche, genauer positiv PCR-Getesteten, auf je 100 000 Einwohner, unabhängig davon, ob es sich um ein weites Gebiet, um einen Landkreis oder um eine Großstadt handelte, wo naturgemäß die Kontaktmöglichkeiten dichter waren und häufiger auftraten. Ganz dumm wurde es im Sommer, als diese Zahl zu absoluten Orientierungsgröße wurde und man nicht nur hohe Einwohnerzahlen auf 100 000 herunterbrach, sondern auch kleinste Ortschaften auf 100 000 hochrechnete. Dass damit ein anderes mathematisches Modell geschaffen wurde, schien die Mächtigen und die Medien nicht zu interessieren. So hatte ein Dorf mit 1 000 Seelen und einer Neuinfektion sofort eine Inzidenz von 100, also einen neuen Lockdown, obwohl die Wahrscheinlichkeit, diesem positiv Getesteten zu begegnen, gerade mal 1 Promille betrug, ganz zu schweigen davon, ob überhaupt eine Ansteckungsgefahr von ihm ausging, vor allem dann nicht, wenn er niemals krank wirkte. 

 

Die Zahl der Unwilligen und Auflehnenden wuchs. Auf meiner Facebook-Seite beschimpften Coronaneurotiker mit Blockwartmentalität kritischere Stimmen bis hin zu den sogenannten Querdenkern als unverantwortliche Zeitgenossen. Die obrigkeitshörigen öffentlich-rechtlichen Hofschranzen badeten den Coronaleugner und den Kampf gegen rechts bis hin zur schon längst abgedroschenen Nazikeule derart aus, dass selbst dem Dümmsten klar sein musste, dass dieses heimtückische und unberechenbare Virus ein aktiver Antifaschist ist, der politisch rechts Stehende und vor allem Nazis befällt, die dann bösartig andere anstecken. Gutmenschen, die z.B. solidarisch mit der geographisch weit entfernten „Black Lives Matter“-Bewegung zu Zigtausenden ganz ohne Maske und Abstand in den Großstädten protestierten, mied das Virus bekanntlich wie die Pest. 

 

Als Erlöser am Horizont tauchten immer mehr Firmennamen in den Medien auf, die sich mit der Entwicklung eines Heil versprechenden Impfstoffes befassten. Dank Internet kann man sich die Aktiencharts dieser Firmen anschauen. Ich habe es getan und staunte nicht schlecht, dass deren Kurse ab Ende November 2019 (!) bis Mitte Januar 2020 zu steigen begannen und im Mai 2020 ihren ersten Höhepunkt erreichten. Dann stiegen wohl die Insider und Profis mit dem Zehn- bis Sechszehnfachen an Gewinn aus. Die Endphase der Impfungen könnte ja auch negative Schlagzeilen hervorrufen und die Kurse rasend schnell in den Keller schicken. Die darf dann der nun informierte Kleinanleger verkraften. Mein Misstrauen wuchs von Tag zu Tag. Jeder kantige Spruch, mit der sich ein Politiker als Angstverbreiter und Erlösungsmessias verkaufte und sich damit Macht und Einfluss sicherte, erhöhte es. 

 

Mein Bekanntenkreis – auch beim medizinischen Personal - spaltet sich zur Zeit in zwei Lager. Die einen ersehnen die rettende Impfung, die anderen wollen auf keinen Fall Versuchskaninchen spielen. Eine Freundin aus Spanien ist ehemalige Krankenschwester. Sie zweifelt bis jetzt, ob sie sich impfen lassen soll, weil man in Spanien jene Personen vor der Impfung warnt, die Blutverdünner nehmen, eine Autoimmunkrankheit haben oder Covid-19 durchgemacht haben, auch wenn sie keine Symptome dabei entwickelten. Schwangere und solche, die in den nächsten zwei Monaten schwanger werden wollen, sollen sich ebenfalls nicht impfen lassen, was aber für ihr fortgeschrittenes Alter sowieso hinfällig ist. In Großbritannien gilt Schwangerschaft als Risiko, in Deutschland scheint jeder impfbar zu sein. Vertrauenswürdig wirkt das nicht. Nirgends fand ich bis jetzt einen Hinweis darauf, wie lange ein Geimpfter für andere noch ansteckend ist und welches Risiko er damit für seine Nächsten eingeht. Schließlich haben etwa 15 % der Testpersonen mit Fieber reagiert, also Abwehrreaktionen gezeigt, die nach außen wirken. Erste Pressestimmen sprechen zaghaft von Immunität vier Wochen nach der ersten Impfung.

 

Sollten meine Frau und ich uns wegen einer geplanten Reise impfen lassen müssen, werden wir vorher einen Antikörpertest machen lassen. Dann sehen wir weiter. Noch haben wir Zeit. Unsere Zielgruppe ist erst später dran.

 

Nachtrag:
Die bisherige Entwicklung in Deutschland beschreibt gut:
https://www.mdr.de/nachrichten/politik/corona-chronik-chronologie-coronavirus-100.html


 

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25. März 2020 3 25 /03 /März /2020 15:26
Gesundheitsminister Manfred Kucha am 24.03.2020: In Baden-Württemberg ist das Durchschnittsalter der Verstorbenen, die ein Corona-Virus in sich tragen, 84 Jahre. 0,7% der Infizierten sind auf Intensiv-Stationen. 90% erleben die Krankheit wie eine normale Grippe.
 
Der Virologe Prof. Drosten: 44% der Infizierten sind etwa zwei Tage vor Auftreten ihrer eigenen Symptome hoch ansteckend und etwa fünf bis sechs Tage danach auch. Also macht es Sinn, so wenig wie möglich eine Situation zu riskieren, sich anzustecken.

Es ist aber wohl durchaus berechtigt, darüber zu streiten, inwieweit und auf welchen Wegen wir Millionen vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahren können.

Das jetzige Durchschnittsalter der "Corona-Toten" beträgt in Deutschland 82,1 Jahre. Wir riskieren zur Zeit Millionen wirtschaftliche Existenzen, weil wir uns nicht mehr schonungslos eingestehen, dass wir alle sterblich sind.

Dass diese Verstorbenen von diesem Virus neben unzähligen anderen infiziert sind, heißt noch lange nicht, dass dieses Virus die eigentliche Ursache ihres möglicherweise etwas vorzeitigen Ablebens ist. Es wird nur medial und messtechnisch so gehandhabt. Wer profitiert von diesem Vorgehen?
 
Natürlich habe auch ich als Siebzigjähriger erst einmal alle Besuche bei uns, beim Zahnarzt oder Friseur abgesagt. Ich kaufe allein ein, Kontakt mit den Enkeln über Skype oder WhatsApp, ebenso mit Bekannten über Telefon oder E-Mails. Schließlich waren wir bis 08. März in Österreich Ski fahren, niemals ahnend, dass eine Woche später alles dicht ist.
 
Noch sind meine Frau und ich gesund. Bei Fieber, Halsschmerzen und Husten würde ich, wie in meinem ganzen bisherigen Leben, auf die bewährten Hausmittel wie Bettruhe, Wadenwickel, Lutschpastillen, husten- oder schweißtreibenden Fiebertee und viel trinken zurückgreifen, aber niemals einen Arzt aufsuchen, solange ich keine akute Atemnot hätte. Welches Virus oder welche Bakterie dabei gerade die Oberhand bekam oder als unbekannter Eindringling von meinem Körper nicht rechtzeitig erkannt wurde, würde ich daher nie erfahren. Sollen deswegen andere ihre wirtschaftliche Existenz riskieren?
 
Müsste ich gar aus politischen Gründen für drei Monate in eine vollständige Isolation, wäre mein Abwehrsystem nicht mehr gefordert, schwächte sich also ab und wäre danach umso hilfloser allen Anfeindungen ausgeliefert und obendrein hoch ansteckend für andere. Für wen soll das ein Vorteil sein?
 
Ich bin gespannt, wie Schweden mit seiner harten Linie der Herdenimmunität weiter fortfährt, alles öffentliche Leben nicht unterbindet und auf die private Verantwortung der wirklich gesundheitlich Gefährdeten setzt.
 
Wie wollen Medien und Politik es hinbekommen, dass jetzt medial in Panik versetzte Eltern nach den Osterferien ihre Kinder wieder der Schule anvertrauen und wehe ein Kind wird krank? Wird es eine Prozesslawine geben? Werden Sündenböcke gesucht? Gegen Kommunen, Länder und Bund kann man uferlos prozessieren. Da ist immer Steuergeld da, das man in die eigene Tasche umleiten kann.  Wer wird alles vom Corona-Virus-Kuchen naschen? Es kommen spannende Zeiten auf uns zu.
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6. Dezember 2018 4 06 /12 /Dezember /2018 10:33

Masse hat Macht, damals wie heute. Wer zieht im Hintergrund die Strippen? Gegen den Strom schwimmen ist ungemein schwer.

Alle Urheberrechte liegen bei Hjalmar Kunz, der mir seine Fotos für meine Texte zur Verfügung stellte.

 

1) Das Volk verurteilt Jesus

Zur gleichen Zeit der gleiche Schrei aus vielen Kehlen: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn!“ Vielstimmig mit einer Stimme.
Pontius Pilatus als Richter lässt sich überstimmen. Kraftlos gab er dem Mob nach. Fehlender Mut? Mangel an Mitteln?

Masse hat Macht, damals wie heute.
Wer zieht im Hintergrund die Strippen? Gegen den Strom schwimmen ist ungemein schwer.

 

 

2) Jesus ergreift das Kreuz

Rückenschmerzen, Kreuzschmerzen. Die Last des Lebens hinterlässt Spuren. Jasagen dazu. Auf sich nehmen. Komme, was wolle. Bis zum bitteren Ende. Ausweichen zwecklos.

Mein Blick auf Jesus zeigt: Ich bin nicht allein damit.

 

 

3) Jesus fällt zu Boden

Ich kann nicht mehr. Ich bin fix und fertig, am Boden zerstört. Wie komme ich wieder hoch? Wie kann ich weitermachen? Wer richtet mich wieder auf?
Woher die Kraft dazu nehmen?

 

 

4) Jesus begegnet seiner Mutter

Jede Mutter ist Wiege des Lebens. Tragen, austragen, zu Ende tragen. In ihren Eingeweiden gespeicherte Erinnerung wandelt sich in bohrenden Schmerz, wenn die Frucht ihres Leibes vor ihr stirbt. Weinen, klagen, schreien, bis die letzte Träne versiegt und stille Trauer einkehrt.

 

 

5) Simon trägt das Kreuz mit

Einer wird gebraucht. Er hilft mit, er hilft aus. Zweitrangig, ob freiwillig oder nicht. Hauptsache, er ist da. Er fühlt, dass er wichtig ist, jetzt und sofort. Niemand widerspricht ihm.

 

 

6) Veronika reicht das Schweißtuch

Not macht barmherzig. Erleichterung tut wohl, auch wenn das Ende unausweichlich kommen wird. Der Trost einer Frau begleitet. Die Erinnerung daran bleibt wach.

 

 

7) Jesus fällt erneut

Ein Rückfall. Die alte Schwäche ist wieder da. Schwäche kann ungemein stark sein. Sie ist aber nicht endgültig. Es geht weiter.

 

 

8) Jesus und die klagende Frau

Jammern aus Mitleid. Angst um die eigene Brut. Sie ist berechtigt. Jesus ist der falsche Vorwand. Er spiegelt daher: "Weine nicht über mich ...“.

 

 

9) Jesus fällt zum dritten Mal

Das war zu erwarten. Es musste ja so kommen. Alle Anzeichen sprachen dafür. Jetzt ist es eingetreten. Und dennoch, es geht weiter.

 

 

10) Sie reißen ihm die Kleider vom Leib

Die Menschenwürde ist antastbar. Gesetze gelten nicht für alle. Entblößen, entwürdigen. Die Menschenwürde ist antastbar.

 

 

11) Jesus wird ans Kreuz genagelt

Niet- und nagelfest. Endgültig. Einige reiben sich hoch zufrieden die Hände.  Hier wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Andere schauen ohnmächtig zu. Keine Hilfe weit und breit.

 

 

12) Jesus wird vom Kreuz abgenommen

Schadensregulierung,  erster Teil: So, wie es jetzt ist, darf es nicht bleiben. Trauer und Schmerz wollen verarbeitet und bewältigt werden. Für die anderen muss das Leben weitergehen. Abgedroschen, aber wahr.

 

 

13) Jesus wird ins Grab gelegt

Schadensregulierung, zweiter Teil: Vergiss nie: „Vom Staub bist du genommen, zu Staub wirst du werden.“ Zurück zur Mutter Erde. Anlaufstelle für Trauernde. Der Fall findet seinen vermeintlichen Abschluss.

 

 

14) Gott erweckt Jesus zum Leben

Unerwarteter Vorgang. Der Fall ist nicht zu Ende. Ein hoffnungsvoller Neubeginn auf eine andere Weise, für immer und ewig.

 

Fazit:

Für mich ist Jesus Christus derjenige, der mir durch seinen Tod hindurch zu Gott Vater vorausgegangen ist und der mich hoffen lässt, dass ich ihm durch meinen eigenen Tod hindurch hinterdreingehen darf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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28. September 2015 1 28 /09 /September /2015 20:21

Lieber Vater,

 

mit Deinem jahrelangen Dahindämmern gabst Du uns drei Kindern viel Zeit, sich auf den Abschied von Dir einzustimmen. Schon seit Jahren mussten wir mit Deinem Tod rechnen. Doch nun, wo er eingetreten ist, überrascht es mich doch, wie ich mich behutsam an meine eigene Lebensgeschichte mit Dir herantaste.

 

Die frühesten Kindheitserinnerungen sind geprägt von den Sorgen unserer Mutter, die Angst darum hatte, ob Du die vielen Splitter, die ein explodierender Panzer während des zweiten Weltkrieges in Deinen Knochen und in Deinem Kopf hinterließ, jemals so ausheilen würden, dass Du als Ernährer unserer jungen Familie nicht ausfällst. Wie unbegründet diese Sorge war, zeigte sich allein darin, dass Du über 92 Jahre alt wurdest, so erfolgreich kapselte Dein Körpergewebe die Splitter ein.

 

Als Jugendlicher erwähntest Du auf meine diesbezüglichen Fragen, dass Du innerlich immer voller Zuversicht warst, dass Du diesen Krieg, der Dir fünf Jahre Deines Lebens raubte, trotz lebensgefährlicher Scharlachkrankheit überleben wirst. Diese Zuversicht in Dir verstärkte sich, als Du Dir in der Schreibstube als französischer Kriegsgefangener selbst den Entlassungsschein ausstelltest, wodurch Du mit einem Gefangenentransport in Schwäbisch Gmünd landetest, wo Du wie durch ein Wunder Deinen Vater wieder trafst, den es aus dem Osten hierher verschlagen hatte. Über den Suchdienst des Roten Kreuzes fandest Du Deine Mutter und Deine beiden Schwestern wieder. Die jüngste Schwester übersiedelte mit Deinen Eltern in diese Stadt. Alle drei wurden dort bestattet. So war es auch Dein Wunsch, neben Deiner Schwester Elli im anonymen Urnengrab aufbewahrt zu werden.

 

Überhaupt wurde Schwäbisch Gmünd zur Stadt Deines Neubeginns. Dort hast Du Deine spätere Ehefrau Hildegard, unsere Mutter, kennen gelernt. Meine knapp jüngere Schwester Anita und ich erlebten damit ein fast normales Familienbild, so dass uns unsere Armut mit Plumpsklo und Kaltwasserhahn in der Küche, die wir mit einer anderen jungen Familie mit zwei Kindern teilten, nie bewusst wurde. Irgendwie waren wir in diesem Gefüge geborgen. Deine Zuverlässigkeit war sprichwörtlich.

 

Auch beruflich war diese Stadt für Dich wegweisend. Hatte dort doch die Gablonzer Glasindustrie ihren Neuaufbau und entwickelte sich zu einem beachtlichen Arbeitgeber in der Nachkriegszeit. Wie staunte ich als Kind, dass Du dort den dunkelblauen Mercedes Deines Chefs fahren durftest, wo wir selbst doch über weitere zehn Jahre autolos lebten. Wie stolz war ich, als Du mich durch diese Firma führtest und wie ehrerbietig Dich die Glasbläser behandelten, die ich grenzenlos bewunderte, wie sie aus einem goldgelben Feuerball die wunderbarsten, hauchzarten Glaskunstwerke formten. Dumpf fühlte ich, dass sie Dich mit Deinen kaufmännischen Fähigkeiten und Deiner Zuverlässigkeit brauchten. Es sicherte ihre Arbeitsplätze.

 

Diese Welt änderte sich für mich schlagartig, als Du zur Kaufmännischen Krankenkassen Halle als einfacher Angestellter wechseltest, mit einem niedrigeren Gehalt, aber mit einer Aussicht auf eine gesicherte Rente. Ich erinnere mich noch heute an meine zornige Großmutter mütterlicherseits, die nie verwunden hatte, dass ihre Tochter als Stuttgarterin einen Sudetendeutschen geheiratet hatte. Für sie warst Du, lieber Vater, nur ein verachtenswerter Tscheche. Mit diesen Begriffen fing ich selbst zunächst gar nichts an, ahnte aber, dass Menschen zumindest in meiner Umgebung offensichtlich nicht alle gleich wertvoll waren und dass es so etwas wie Nationalitäten gab, was im Krieg eine wichtige Rolle gespielt haben musste. Über Krieg selbst hast Du so gut wie nie gesprochen, außer über so Banalitäten wie das Essen von Schokolade in einem im Schlamm steckengebliebenen Panzer.

 

Dafür ging es entgegen den Unkenrufen meiner Großmutter mit dem Kundenstamm der Krankenkasse aufwärts und mit Deinem Gehalt ebenso. Wir bezogen eine neue Wohnung in einem Wohnblock der Baugenossenschaft mit einem eigenen Bad und einer eigenen Küche mit warmem Wasser aus dem Durchlauferhitzer. Welch unvorstellbarer Luxus! Väter waren eben dazu da, dass es ihren Kindern einmal besser ging. Dass nicht alle Väter so gepolt waren, begriff ich erst später.

 

Danach wurdest Du Geschäftsführer der Zweigstelle Heidenheim. Unvorstellbar ist mir heute, wie Du damals aufs Härtsfeld nach Neresheim radeltest, um, wenn ich mich recht erinnere, im Nebenraum einer Gaststätte Deine Sprechstunden mit den dortigen Kunden abzuhalten. Vielleicht hast Du Dir dort jene Robustheit antrainiert, die Dich nun so alt werden ließ, wenn man von Deinen stundenlangen Fußwegen zur Schule im Nachbarort Deiner sudetendeutschen Heimat mal absieht. Später kam dann doch ein gebrauchter VW-Käfer, damals noch mit geteiltem Rückfenster, als Arbeitsgerät dazu. Unser Umzug nach Heilbronn, wo Du bis zu Deiner Verrentung Geschäftsführer warst, schien mir nur eine Folge Deiner bisherigen Tätigkeit.

 

Bücher, wie z.B. Thedor Krögers „Heimat am Don“ und Leo Tolstois „Krieg und Frieden“ standen in unserem spärlich ausgestatteten Bücherschrank. Obwohl sie aus der Sicht meiner Eltern nicht für mich bestimmt waren, las ich sie als Jugendlicher natürlich ebenfalls. Überhaupt schimmerte, lieber Vater, immer wieder in winzigen Kleinigkeiten Dein Interesse an Russland durch. Weshalb, blieb mir immer ein Rätsel, weckte aber meine Neugierde an diesem Land, seiner Kultur, seiner Musik und seiner Geschichte.

 

Musikinstrumente oder Schallplatten besaßen meine Eltern lange nicht. Erst in Heilbronn kam ein Plattenspieler ins Haus. Als ich einmal als Student Beethovens Violinkonzert mitbrachte, bei dem David Oistrach, der berühmte russische Geiger, den Solopart spielte, war ich sehr erstaunt, dass er Dir, lieber Vater, schon seit Deiner eigenen Armeezeit ein Begriff war. Hatte der Russlandfeldzug für Dich eine kulturelle Komponente? Ich hakte damals nicht nach. Leider!

 

Dass Du in meinem Herzen einige Saiten der Sehnsucht nach dieser slawischen Mentalität aufgezogen und gespannt haben musstest, schien mir er erst recht naheliegend, als ich die CD meiner hoch musikalischen ehemaligen Schülerin anhörte, die als Kind aus Russland emigrierte und später unter Gorbatschow als Kulturbotschafterin Russlands für Deutschland unter dem Künstlernamen Lara auftrat. Diese Stücke dringen tief in mein Herz und lassen dort ungeahnte Saiten erklingen, die irgendwie mit Dir, lieber Vater, zu tun zu haben scheinen.

 

Als Du schon längst nicht mehr sprechen konntest außer einem verstümmelten lang gezogenen Ja und einem kopfschüttelnden Nein, fragte ich dich an Deinem Krankenbett nach einigen Deiner persönlichen Eindrücke aus den Kriegsanfängen. Da brach plötzlich aus Dir nochmals, geradezu einmalig, ein zusammenhängender Satz in langsamsten Worten hervor: „Russland ist ein wunderschönes Land!“

 

Wenn das Christentum recht hat mit seinem Weiterleben bei Gott und wir uns damit einmal wieder begegnen sollten, wäre ich nicht im mindesten erstaunt, erführe ich, dass Deine große Jugendliebe einem russischen Mädchen gehörte, die im Kugelhagel der deutschen Wehrmacht ein jähes Ende fand.

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  • Niemals in Gleichgültigkeit verfallen, unabhängig davon, was im Leben auf mich zukommt !  
 Ich interessiere mich für alles, was dem friedlichen Zusammenleben der Menschen dient.
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