Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.
Da ging der Schulleiter einer von Jesuiten geleiteten Schule an die Öffentlichkeit, zeigte sich erschüttert über sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen an seiner Schule und bat die Opfer um Vergebung. Was er in der Medienwelt damit auslöste, erschreckte mich.
In Windeseile drangen Missbrauchvorwürfe an die Öffentlichkeit, die mich fragen ließen, ob es in meiner Katholischen Kirche nicht Rahmenbedingungen gibt, die sexuelles Fehlverhalten begünstigen oder ob die Auswahlkriterien für kirchliche Ämter nicht zu großzügig angelegt sind. Schließlich ist nicht jeder für Seelsorge geeignet, da es dort schnell in den seelischen Intimbereich gehen kann. Da muss man gut geschult sein, damit Übertragungen, Projektionen, verdrängte und unbewusste Fantasien, Körperreaktionen nicht in die eigene Persönlichkeit überschwappen und nicht mehr mit gebührendem Abstand begleitet werden können. Menschen mit pathologischem Muster sind für eine solch verantwortungsvolle Aufgabe nicht geeignet.
Die andere Frage, die mich fast ebenso sehr beschäftigte, war die mediale Inszenierung selbst. Alle erwähnten Fälle scheinen verjährt und zwischen 1950 und 1980. Waren die Menschen vorher und nachher anders? Wer will mit welchen Motiven wovon ablenken oder gar sich selbst entlasten? Nur zur Erinnerung, 1985 z.B. verlangten die Grünen im Bundestag ein Gesetz zur Straffreiheit bei Sex mit Minderjährigen, wenn diese "freiwillig" zustimmten.
Es fällt ja viel leichter, jene, die Dinge bekannt machen, an den Pranger zu stellen, als diejenigen Fälle aufzuklären, die aktuell geschehen. Das sind laut Polizeistatistik vierzig angezeigte Taten pro Tag, zwischen 14 000 und 15 000 pro Jahr, weit über 200 000 seit 1995, von der Dunkelziffer ganz zu schweigen. Vieles davon spielte sich in der Verwandtschaft ab, anderes in pädagogischen Einrichtungen und Vereinen. Der Kinderschutzbund spricht in diesem Zusammenhang sogar von 80 000 Fällen pro Jahr. Da haben diese kirchlichen Fälle statistisch gesehen einen Anteil im winzigsten Promillebereich. Ist es denn daher nicht eher so, wie auch Fachleute sagen, dass sexueller Missbrauch in der Katholischen Kirche wegen ihrer strengeren Sexualmoral deutlich seltener vorkommt als sonst wo? Dafür aber sticht er natürlich umso mehr ins Auge.
Welche verschobene Wahrnehmung zeigt sich mir, wenn ich die Entrüstungsmoral der Privatsender über den Bildschirm flimmern sehe, die im Videotext an erster Stelle von Missbrauch berichten, um gleich darunter zu sexuellen Freizügigkeiten aller Art einzuladen, wofür sie ihre Bildschirmseiten in großer Menge für Werbung bereitstellen. Wie soll ich reagieren, wenn mir, dem katholischen Religionslehrer, ein minderjähriger Schüler den Artikel einer Boulevard-Zeitung zeigt, in dem Missbrauch angeprangert wird, wo Schüler als „sexuelle Dienstleister“ fürs Wochenende fest eingeplant schienen?
Derselbe minderjährige Schüler ist doch nicht blind für die ganzformatige, farbige Rückseite, auf der in der luxuriösen Vorhalle eines Hotels orientalischen Stils zehn barbusige Mädchen posieren, gefeiert als Girls 2010, knapp bekleidet mit schwarzen Tangas, Strapsen oder Netzstrümpfen! (Wobei ich nie verstanden habe, was an dieser merkwürdigen Verkleidung erotisch sein soll.)
Gar nicht nachvollziehen kann ich die Entrüstung mancher Journalisten darüber, dass sie nicht über alles informiert wurden. Schließlich ist nicht jedes Vergehen für die Öffentlichkeit geeignet. Nicht jede Abartigkeit muss groß verkündet werden.
Unterschwellig wird hier unter dem Denkmantel von Moral und Aufklärung ähnlich dem mittelalterlichen Prangerwesen nur Voyeurismus befriedigt und Auflage gesteigert.
Jedes Verbrechensopfer hat das Recht zur Strafanzeige. In unserem Rechtsstaat ist es Sache der Justiz, das gesetzesgemäß aufzuarbeiten.
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Einerseits haben sie recht damit, dass sehr viel über die Missbrauchsfälle in der Kirche geredet wurde und deshalb viele andere Fälle unter den Tisch gefallen sind. Jodoch kann man nicht alle<br />
Missbrauchsfälle anprangern, irgendwo muss man anfangen. Die katholische Kirche ist deshalb für eine Mediendiskussion geeignet, weil sie eigentlich eine Organsisation sein sollten, die 100%<br />
vertrauenswürdig ist. Zudem steht die kaht. Kirche generell wegen des Zölibat in der Kritik.<br />
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Auch mich erschüttert, dass es überhaupt Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch in der Katholischen Amtskirche gibt.<br />
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Doch die Diskussion um den Zölibat gehört aus meiner Sicht nicht in diesen Zusammenhang. Oder wollen Sie allen Ernstes fordern, dass Priester sich eher an Frauen vergreifen sollen als an Kindern?<br />
Die Ehefrau als Ersatzbefriedigung für sexuell Verirrte? Nein, Danke!<br />
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Obendrein schützt eine sexuelle Partnerschaft mit einer Frau nicht vor Pädophilie, wie wir aus der Kriminalstatistik wissen.<br />
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H
Hjalmar Kunz
04/01/2010 12:44
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Ein paar ungeordnete Gedanken in der Mittagspaues:<br />
- Es geht größtenteils nicht um sexuellen Mißbrauch, wie er in der Zivilgesellschaft in viel drastischerer Form zutage tritt - unter Familienangehörigen und Arbeitskollegen, ohne daß die<br />
Abschaffung von Familie oder Großraumbüros gefordert würde. Daher sollte klar definiert werden, ab welchem Intensitätsgrad eine Streicheleinheit als sexuelle Belästigung aufzufassen ist, bevor<br />
Körperkontakt grundsätzlich zum Verdachtsmoment mutiert.<br />
- Für aktuelle Mediendiskussion kann man als Christ fast dankbar sein, da sie endlich das Reporterheer von den Moscheen abzieht. Andererseits befremdet, wie sich die Zivilgesellschaft, die ihrer<br />
moralischen Kategorien von der Kirche übernahm und mühsam weiterentwickelte, sich nun als sittliche Aufsichtsbehörde gebärdet.<br />
- Da meines Erachtens die katholische Kirche hinsichtlich des sexuellen Verhaltens ihrer Mitglieder keine Normabweichung darstellt - auch Sportvereine sind für Pädophile attraktiv -, hat der<br />
Zölibat in der aktuellen Mißbrauchs-Diskussion nichts verloren. Unabhängig davon halte ich ihn für religiös nicht zu rechtfertigen, im Gegenteil. Paulus beschreibt deutlich, wie er sich den<br />
Leiter einer Gemeinde vorstellt: verheiratet und mit Kindern.<br />
- Sehr informativ: Der heutige FAZ-Artikel von Prof.Graf.<br />
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Auszug aus einer Stellungnahme, die mich heute erreichte:<br />
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Über 220 Millionen Kinder werden nach Angaben von UNICEF weltweit jährlich zum Sex gezwungen.<br />
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Das geschieht nicht im „Dunkelraum Kirche“. Der Kinderschänderring von Belgien, die vor Jahren Aufsehen erregte, bestand nicht aus Priestern und Ordensleuten, sondern aus Politikern und<br />
Managern.<br />
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Täglich werden in Deutschland hundertausendfach pornografische Kinderbilder aus dem Internet heruntergeladen. Diese Täter leben nicht zölibatär. Und das Problem der Pornografisierung einer ganzen<br />
Gesellschaft, die Kinder bereits am Schulhof trifft und auch Erwachsene ins Grauen führt, ist keine Folge von<br />
kirchlicher Sexualmoral, sondern von deren Abhandenkommen.<br />
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Sollte eine Gesellschaft nun nicht auch darüber nachdenken, welche Kultur wir da pflegen, was wir mit unseren Kindern machen, dass sie immer mehr gestört, kaputt, beziehungsunfähig geworden sind?<br />
(Peter Seewald)<br />
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Der Zölibat gehört aus meiner Sicht in einem anderen Zusammenhang als dem des Kindesmissbrauchs diskutiert. Ich möchte keiner Frau zumuten, dass sie als sexuelles Ersatzventil für pädophile<br />
Neigungen herhalten soll.<br />
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