Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.
Durch Winfried Schley
Wenn sich früher jemand erfolgreich umbrachte, hinterließ er meist ein betretenes Umfeld, dass sich schuldbewusst fragte, ob es nicht doch irgendwie im Vorfeld hätte eingreifen können.
Von diesem Unbehagen nun befreit sie der neue Typ des Selbstmörders. Er ist der neue Held, Prophet einer selbstbestimmten Freiheit, Schöpfer eines neuen Wirtschaftszweiges namens Sterbehilfe.
Einfach hops gehen im stillen Kämmerlein, das geht nun gar nicht mehr. Mediale Vorinszenierung ist angesagt. Das eigene angestaute Leiden wird verdrängt und umgemünzt in ein bis hierher und nicht weiter als angeblich freie Entscheidung. Selbstherrlich wird eine Grenze gezogen mit einem eigenen Normensystem, das moralisch festlegt, was als lebenswert zu gelten hat und was nicht. Damit bewegt man die Massen in der medialen Diskussion. Die Medienbranche will schließlich Umsatz machen und davon leben. Geld verdienen wollen auch Juristen und Parlamentarier, die flugs neue Gesetze basteln und in langen Debatten viel bedrucktes Papier verbrauchen. Welch herrlicher Absatzmarkt so ganz nebenbei!
Ein moderner Selbstmörder braucht natürlich einen oder mehrere Assistenten für sein Anliegen. Ein Beitrag für einen Suizid-Verein, der die Reise in ein möglichst ausländisches Hotel der gehobenen Klasse organisiert, wo man sich in der Luxusbadewanne von Tabletten betäubt absaufen lässt, ist nicht unüblich. Das letzte Hemd hat ja keine Taschen. Man kann also nichts mitnehmen. Also wird nochmals mit vollen Händen das noch vorhandene Geld unter die Leute gebracht, die das dankbar entgegen nehmen. So erkauft man sich für die letzten Atemzüge Zuneigung von vermeintlich verständnisvollen Menschen. Das streichelt die eigene geschundene Seele und man kann sich noch ein letztes Mal in einer untergebenen und dienstbeflissenen Dienerschar für seinen vermeintlich frei bestimmten eigenen Tod sonnen. Das schmeichelt.
Den Millionen von Pflegekräften, die sich aufopferungsvoll in Krankenhäusern und Altersheimen Menschen widmen, die sich selbst nicht mehr voll versorgen können, haut der moderne Suizid-Held lautstark um die Ohren, dass sie einen vollkommen bescheuerten und überflüssigen Job mit Lebensunwerten machen, der sich mit einem Kopfschuss zum passenden Zeitpunkt recht schnell regeln lässt, folgten diese Patienten alle nur seinem beispielhaften Vorbild.
Durchschaut denn niemand mehr dieses verlogene Profitgier-Spiel, das den Begriff der Menschenwürde dehnt wie Gummi, den selbstmordgefährdeten Menschen in seiner wirklichen Not nicht ernst nimmt, sondern ihn als edlen Märtyrer selbstbestimmter Freiheit aufbaut und darauf spekuliert, dass ihm viele mehr oder minder freiwillig folgen?
Vgl. auch http://www.suizidpraevention-deutschland.de/presse.html
oder VIDEO: Die Wortmeldung des ehemaligen Behindertenbeauftragte der Bundesregierung und stellvertretenden Vorsitzenden der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL), Hubert Hüppe (CDU), im Deutschen Bundestag - Debatte über Sterbebegleitung: http://dbtg.tv/fvid/4104583
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