Ich lernte als Kleinkind, was Großmutter weiß:
„Wenn’s dem Esel zu wohl wird, geht er auf’s Eis.“
So rügte sie immer, wenn ich was riskierte,
Neuland betrat oder Neues probierte.
Ihr Leben verlief in geordneten Bahnen.
Die Herzensgute konnte nicht ahnen,
wie sehr ich mich nach Freiheit sehnte,
mit allen Tricks meine Freiräume dehnte.
Sie lebte ständig in Sorge um mich,
in Angst, die mein eigenes Herz beschlich.
So kostete es Jahre an innerer Kraft,
bis auch ich mir erlaubte die Leidenschaft,
neugierig laufen ließ Triebe und Liebe,
ungeachtet der Seitenhiebe.
Der Preis dafür waren Narben und Wunden.
So sehr hatte ich mich selber geschunden.
Oft wollte ich mit dem Kopf durch die Wand,
was Großmutter überhaupt nicht verstand.
Doch nach vielen Ausrutschern sah sie ein:
„Auf Eis kann man stehen! Auf einem Bein!“