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Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.

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Advent im Herzen eines Kindes.

„Können wir von deinem wunderschönen Efeu haben?“ Fünfzig Adventskränze will eine Frauengruppe aus einem Nachbardorf basteln. Dafür braucht sie Immergrünes, Tannen- und Fichtenzweige und Efeu - meinen Efeu.

Der letzte milde Winter und der warmfeuchte Sommer haben ihn so wuchern lassen, dass ein Radikalschnitt unterm Dachgebälk und Dachziegeln nötig schien, so weh mir dabei ums Herz war. Entdeckte ich doch in luftiger Höhe unzugängliche Vogelnester. Jetzt wusste ich, wo Rotkehlchen und Hausrotschwanz, Blaumeise, Amsel und Spatz gehaust hatten, die das Frühjahr und den Sommer über meinen kleinen Garten aufsuchten.

Immergrünes als Zeichen der Hoffnung an immer kürzer werdenden Wintertagen will diese Frauengruppe in ihre Adventskränze flechten. Der kreisförmige Kranz symbolisiert den Erdkreis mit vier Kerzen für die Himmelsrichtungen, wobei an jedem Adventssonntag eine Kerze mehr angezündet wird.
 
Im christlichen Glauben verkündet man damit auch das ewige Leben bei Gott nach der Auferstehung. Die Kerzen weisen hin auf Christus als das kommende „Licht der Welt“, dessen Eintritt in diese dunkle und trostlose Welt man an Weihnachten feiert, auch wenn Jesus von Nazaret sicher nicht zu diesem Datum geboren wurde. - Hier wurde das alte römische Fest des Sonnengottes und die germanische Wintersonnwendfeier geschickt umgepolt in die christliche Weihnachtszeit. – Advent erwartet somit die Ankunft Christi als Erlöser am Ende der Zeit.

Als Kind liebte ich den brennenden Adventskranz. Wie oft brach ich zum Verdruss meiner ängstlichen Mutter eine Tannennadel davon ab, hielt sie in die Kerzenflamme und erfreute mich am Geruch der ätherischen Öle, wie sie zischend verbrannten. Das Kerzenlicht, wie es sich im dämmrigen Dunkel unseres stillen Wohnzimmers sanft ausbreitete, strahlte für mich Wärme, Behaglichkeit und Geborgenheit aus. Das tat mir gut.

Wenn ich nun den Frauen einen großen Bottich voll mit meinem Efeu überlasse, wird die Erinnerung daran wieder wach. In meiner Phantasie wünsche ich mir viele Kinder, die vor diesen gebastelten Adventskränzen sitzen werden, rumzündelnd ihre ängstlichen Mütter nerven, aber hoffentlich genau das in ihrem Kinderherz erleben, was mir, dem kleinen Winfried, damals inneren Frieden, Trost und Zuversicht schenkte.
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