
Wo geschieht Gott? Irgendwo tief in mir drin, aber nicht nur in mir allein, sondern in vielen, eigentlich allen Menschen guten Willens auf der ganzen Welt, gleich welcher Rasse oder Religion sie angehören. Gott geschieht weltweit und allumfassend in den Herzen der Menschen, in einem Gleichklang ihrer Gesinnung, in einem barmherzigen Einsatz für andere.
Wie ein feines, hauchzart gesponnenes, wenn auch sehr leicht verletzbares Netz umspannt dieses göttliche Wirken die Welt, aller Angst, Machtgier, Ausbeutung, Gewalt und Unterdrückung zum Trotz. Es wird dort neu gesponnen, wo es zerrissen ist, verstärkt seine Zähigkeit dort, wo es zu zerreißen droht, keimt immer wieder neu auf aus den Ruinen kriegerischer Zerstörung.
Es durchzieht die Geschichte der Menschheit seit Menschengedenken und ist bis jetzt nie untergegangen, auch wenn es manchmal in gewissen Epochen oder Regionen vollkommen ausgelöscht schien.
So wie der Mensch nun im Gegensatz zum Tier zum Trinken ein Gefäß verwendet, und sei es nur die hohle Hand, so braucht er für dieses göttliche Geheimnis Sprache und Gesten, die Gestalt annehmen in Meditation und Gebet, in mannigfachen Ritualen und Symbolen, kunstvoll gestalteten Musikwerken, Bildern, Statuen und Gebäuden.
Das Gespür für dieses göttliche Geschehen ist in jedem Menschen angelegt, gleichsam genetisch bedingt, kann aber verschüttet werden. Es muss also gepflegt und vertieft werden in Wegen zur inneren Stille. Nur dort keimt die Hoffnung und die Erkenntnis, nur dort wird bewusst, dass Gottes Kraft alle Wege mitgeht und immer wieder neu anfangen lässt.