Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.
Durch Winfried Schley
„Ablass ihrer zeitlichen Sündenstrafen“? Ob ein im Heute lebender junger Mensch eine solche Sprache, die seit der Reformation Martin Luthers mit einem negativen Klang behaftet ist, überhaupt noch versteht? Welche Gefühle löst das in jungen Menschen aus, wenn sie das Folgende lesen?
Zitat: „Vatikanstadt (kath.net/KAP) Teilnehmer des Weltjugendtags vom 16. bis 21. August in Madrid können einen vollkommenen Ablass erhalten. Laut einem am Donnerstag vom Vatikan veröffentlichten Dekret können Pilger, die an den Veranstaltungen des Weltjugendtags und seiner Abschlussmesse würdig teilnehmen, den vollkommenen Ablass ihrer zeitlichen Sündenstrafen erhalten. Voraussetzungen sind wahre Reue, der Empfang des Bußsakraments und der Kommunion sowie die Gebete nach der Intention des Papstes.
Dem Dekret zufolge können auch alle anderen Gläubigen, gleich wo sie sich während des Weltjugendtags befinden, einen teilweisen Ablass empfangen. „Dies geschehe, wenn sie während des Treffens dafür beteten, dass der Heilige Geist in den Jugendlichen die Nächstenliebe erwecke und ihnen Kraft zur Glaubensverkündigung schenke.“
Zitatende
Christliche Botschaft ist, dass Gott jedem Menschen, der verfehlt hat und dies schmerzhaft erkennt (= Reue), die Chance gibt, neu anzufangen. Die Katholische Kirche macht diesen unsichtbaren Vorgang in einem Zeichen sichtbar, im Sakrament der Beichte. (Sakrament = sichtbares Zeichen einer unsichtbaren Gnade). Wenn der Priester dem, der seine Verfehlungen bekennt, die Vergebung durch Gott zuspricht, ist dieser von seiner Schuld befreit, aber damit noch lange nicht von der Verantwortung für die Folgen seines verfehlten Handelns. Er ist verpflichtet, sich zu bessern, etwas, falls möglich, wieder gut zu machen oder anderweitig ersatzweise Gutes zu tun. Der Priester macht das dem Beichtenden zur Auflage (= Buße tun) als Hilfe und Anleitung auf dem langen und schwierigen Weg der inneren Umkehr (= zeitliche Sündenstrafe annehmen).
Wenn Papst Benedikt XVI. nun für die Teilnehmer des Weltjugendtags einen entsprechenden „Ablass“ verkündet, geht er davon aus, dass jemand, der aufrichtig seinen Glauben zu erneuern und vertiefen sucht, andächtig an den öffentlichen Gebetsveranstaltungen und Gottesdiensten teilnimmt und nicht nur ein riesiges Abenteuer darin sieht, von eben diesen priesterlichen Auflagen entlastet ist. Er fordert die beim Weltjugendtag anwesenden Priester auf, "bereitwillig und großzügig" auf die Anliegen der jungen Menschen einzugehen. Damit diese die Sakramente einfacher empfangen können, sollten Priester die Jugendlichen etwa zur Teilnahme an öffentlichen Gebetsveranstaltungen ermutigen.
Auf die Anliegen junger Menschen einzugehen, dazu gehört aus meiner Sicht, dass man sich in die Sprache Jugendlicher einfühlt und veraltete Sprachmuster ablegt, und das nicht nur im direkten seelsorgerlichen Kontakt, sondern auch in der offiziellen Sprache des Vatikans.
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