Geographisch gesehen ist Europa kein Kontinent, sondern ein Wurstzipfel Asiens. Kulturell gesehen hatte Europa in seiner Geschichte der letzten 3000 Jahre immer mehr an Einfluss und Strahlkraft auf diesem Globus gewonnen, so dass man wohl zu Recht von einem Europa als kulturellem Kontinent sprechen kann, auch wenn es nicht immer zum Segen für die Menschheit dieses Planeten war. Trotz aller Spannungen und Gegensätze mit ihren inneren und äußeren Zerfleischungen wie Nationalkriege und Kolonialisierung war die wohl größte Triebfeder dieser Entwicklung das Christentum in seinen verschiedensten Ausprägungen. Kirchenbauten überall vom Atlantik bis zum Ural als steinerne Zeugen, viel sakrale Kunst und Malerei darin oder in Museen sind heute noch Anziehungspunkte für Touristen aus aller Welt. Erfindergeist und Technik läuteten die Industrialisierung ein und brachten einen ungeahnten Fortschritt und Wohlstand, wie es reinen Agrarkulturen unmöglich gewesen wäre.
Wer ahnt heute noch, dass hinter dieser Forschungsmentalität einst das Studium der christlichen Mönche stand mit ihrer Alphabetisierung zunächst der Oberschichten, dann der Landbevölkerung in den Klosterschulen? Große medizinische Fortschritte hatten ihre Wurzel in der Grundhaltung, dass alles dem Wohle und der Gesundung der Menschen diene, abgeleitet aus dem christlichen Gedanken der Nächstenliebe. Der Glaube an einen Gott, der in der Geschichte wirkt, ermöglichte lineares, auf Zukunft ausgerichtetes Denken und Planen im Gegensatz zu naturzyklischen Religionen, die nur das Überleben aus dem Augenblick und dem Erntezyklus kannten.
Heute haben wir ein Europa, das seine einstigen religiösen und sittlichen Grundlagen verneint. Noch lebt es und funktioniert seiner Auflösung entgegen, wie einst das Römische Reich innerlich zerfallen ist. Gottes- und Nächstenliebe sind durch Eigenliebe, die im Gewand angeblicher Freiheit und Selbstbestimmung daherkommt, ersetzt. Kinder werden nicht mehr als Zukunft und Geschenk, sondern als Belastung gesehen. Sie sind zum Armutsrisiko verkommen.
Ein überaltertes Europa wird sich von jungen Menschen, die von woanders herkommen und ihre eigenen Wertvorstellungen mitbringen, pflegen und ernähren lassen müssen, vorausgesetzt, diese übernehmen gegen Entgeld diesen Dienst und bemächtigen sich nicht, sobald sie zahlenmäßig überlegen sind, einfach der vorhandenen materiellen Ressourcen und Güter, indem sie um ihres eigenen Nachwuchses willen die alteuropäischen Alten, Kranken, Kinderlosen und gleichgeschlechtlichen Paare dem vorzeitigen Tod ausliefern, da diese für Europas Zukunft ja doch keine Rolle mehr spielen.
Wäre es nicht besser, das Europa der Zukunft besänne sich wieder auf seine christliche Vergangenheit? Vielleicht hilft wirklich nur noch beten.