Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.
Henri Marie Dat , Gérard Forges aus Frankreich und Sibylle Mertsch aus Crailsheim stellen vom 02. März bis 13. April 2012 im Bürgerhaus von Rot am See aus. Vernissage ist am 02. März 2012 um 19 Uhr.
Öffnungszeiten:
Mo - Fr 8.00 Uhr - 12.00 Uhr,
Mo 14.00 Uhr - 16.30 Uhr, Do 14.00 Uhr - 18.00 Uhr.
Sonntags und Ostermontag: 14.00 - 17.00 Uhr.
Der Eintritt ist frei.
Ziemlich genau vier Jahre ist es her, dass sich die erste deutsch-französische Kunstausstellung zum Publikumsmagneten entwickelte. Jedes Wochenende fanden sich über einhundert Kunstinteressierte im Bürgerhaus von Rot am See ein.
Damals überließ die Crailsheimer Künstlerin Brigitte Herbert mit Mut und Weitblick großzügig die Hälfte ihrer Ausstellungsfläche dem französischen Maler Henri Marie Dat, obwohl sie dessen Bilder nur aus dem Internet kannte. Nun ist es Sibylle Mertsch, Kunstlehrerin am Albert-Schweitzer-Gymnasium Crailsheim, die ihn erneut zusammen mit Gérard Forges zur zweiten deutsch-französischen Kunstausstellung einlädt. Diese beiden Künstler zählen laut der Zeitung l’Indépendant de Narbonne zu den talentiertesten Malern der Gegend Languedoc-Roussillon in Südfrankreich.
Sibylle Mertsch entwirft Kunstwerke voller Dramatik, Kraft und Anziehung, mal sehr realistisch, mal in angedeuteten Konturen. Den Blick des Betrachters lenkt sie gezielt auf strukturelle Details, die sich in der Regel seiner Aufmerksamkeit entziehen. Fein stimmt sie dabei die acrylgebundenen Farbtöne ab. Bei ihren Menschenbildern ist meist ein einziges Gefühl oder ein Gesamteindruck die vorherrschende Botschaft wie z.B. Langeweile, Illusion, Geschäftigkeit, Einsamkeit, Zweisamkeit, Neugierde, Konzentration oder Nachdenklichkeit. Bei ihren Landschaftsbildern und abstrakteren Werken zielt sie auf eine Wahrnehmung, die das Bewusstsein des Betrachters in neue Bahnen lenkt. In ihrem innersten Wesen begleiten sie die Worte von Ernesto Cardenal: "Alle Dinge sind geheimnisvoll. Wenn wir ihr Geheimnis vergessen, liegt es nur daran, dass wir uns an sie gewöhnt haben. Die Gewöhnung stört das Sehen, macht blind. Leben ist staunen, nicht besser wissen. Wer staunt, lebt. Wer lebt, staunt." Sie ergänzt: „Es fällt uns häufig schwer, für andere nachvollziehbar zu beschreiben, weshalb wir von bestimmten Dingen emotional berührt sind, uns zu ihnen hingezogen fühlen, sei es in ihrer Dramatik, ihrer Kraft oder ihrer Schönheit. Erst die Loslösung vom Ganzen, die Beschäftigung mit den bestimmenden Strukturen, eröffnet uns den Zugang zu den Dingen, die für unsere Eindrücke prägend sind.“
Henri Marie Dats Bilder spiegeln die Vielschichtigkeit seiner Seele wider, wie sie seine südfranzösische Heimat ihm geradezu aufdrängt. Windgepeitschte Lagune, stürmisches Meer, herumtollende Camarguepferde, sein Protest gegen die Überfischung der Meere geben in Stimmung und Farbenspiel die natürliche Form der Landschaft wieder und gleichzeitig verraten sie etwas von seinem augenblicklichen Gefühlszustand. Sein feiner Pinselstrich ist der Gischt des Wassers entlehnt, die der Pyrenäenwind Tramontana den kräuselnden Wellenkämmen abtrotzt. Wenn er im seelischen Schmerz in Spott flüchtet, wählt er Motive aus den Erzählungen von Don Quichote. Historisch nimmt er es nicht so genau, wenn der die berühmte, vom Hochwasser halbierte Brücke von Avignon mit der blutigen Verfolgung der Katharer verbindet. Salvador Dali ist ihm Leitfigur: "Maler, lerne malen wie die großen Meister. Danach kannst du tun, was du willst. Die Welt wird dir glauben." Henri Marie Dat beherrscht als Maler viele Techniken und Stile, vermischt mit materiellen Beigaben (z.B. Fischernetz aus Schnüren). Naturalistisch ist er in seinen prächtigen und lebhaften Meeresbildern, friedlich und verhaltend, manchmal fast mystisch in seinen Ansichten von Lagunen, kräftig und ausdrucksstark bei seinen symbolischen Bildern, wie bei Don Quichote oder über Verfolgung der Katharer, zurückhaltend zart in seinen Aquarellen.
Gérard Forges Gemälde zaubern Urlaub am Mittelmeer ins eigene Wohnzimmer. Die lichtdurchflutete Landschaft seiner südfranzösischen Heimat Aude am Mittelmeer ist für ihn reine Lichttherapie. Leidenschaftlich malt er sommerliche Landschaftsbilder dieser Gegend mit leuchtenden Farben im Stil des Impressionismus. Betont farbenfroh beherrscht er meisterhaft das Wesentliche von Licht und Schatten, vermeidet harmonisch harte Kontraste zwischen Himmel und Erde. Sein kräftiger Pinselstrich und seine Treffsicherheit sind verblüffend und unbestreitbar, knorrige Bäume und strenge Linien gleichen wie von Zauberhand die Gegenstände aus. Er schreibt: „Mich faszinieren impressionistische Landschaften seit fast 30 Jahren, vor allem die Landschaften von Monet, Sisley, Renoir und anderen, weniger bekannten Künstlern. Seit sich meine Malweise geändert hat, zähle ich mich zu den Impressionisten. So habe ich an vielen Ausstellungen teilgenommen und dabei viele Preise erhalten. Malkunst hat viel mit Demut zu tun und damit, sich selbst nicht allzu wichtig zu nehmen. Die großen Meister haben uns die Wege vorbereitet. Allerdings werden diese nie ganz übereinstimmen. Doch das ist gut so.“
Im Vorfeld der Ausstellung sind einzelne Bilder im Foyer des Crailsheimer Rathauses, in den Schaufenstern der Ratsapotheke und der Apotheke im Kaufland und in Gertraude Schöllers neu eröffneter Bilder- und Rahmenhandlung, Bahnhofstraße 50, in Crailsheim zu sehen.
Nähere Auskunft über die französischen Künstler und ihre Bilder gibt Winfried Schley, Vorsitzender des Städtepartnerschafts-Komitees Pamiers in Crailsheim, erreichbar unter winfried.schley@crailsheim-pamiers.eu.