Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.
Durch Winfried Schley
Stiller Tag, heiliger Tag geht nicht.
Es muss Nacht sein.
Die Nacht ist die Zeit für Zärtlichkeit und Liebesspiel.
Nacht entfacht den Rausch der Haut.
Die Nacht weckt die tiefe, unergründliche Sehnsucht, jenes unstillbare Verlangen im Herzen nach mehr, nach dem Ganzen, nach dem Sinn des Ganzen.
In der Nacht reist die Seele durch die Weite des Sternenhimmels in die Tiefe des Universums.
Nächtens werden Träume, Wunschträume wie Albträume lebendig.
Erfüllte Nacht schenkt Erholung.
Bleibt die Nacht unerfüllt, verwandelt sie sich in die Zeit der Tränen und der Trauer, der Einsamkeit, der inneren Verlorenheit, der Leere und der Sinnlosigkeit, wird zum stummen Aufschrei.
In der Nacht stundenlang wachliegen zerreißt das Herz, quält den Geist, steigert die Sehnsucht, ein schmerzlicher Vorgang, der filtert, das Wesentliche vom Unwesentlichen trennt, überfällige Entscheidungen gären lässt, sie vorantreibt.
Religionen feiern die großen Geheimnisse des Lebens oft in der Nacht, so auch das Christentum. In der Nacht trifft Joseph laut dem Evangelisten Matthäus seine Entscheidung, sich nicht von Maria zu trennen, sie zu sich zu nehmen. In der Nacht eilen die Hirten laut dem Evangelisten Lukas zum Neugeborenen in der Krippe und erkennen in ihm den Erlöser der Welt. In der Nacht wandelt sich der tote Jesus in den von Gott und zu Gott hin auferweckten Christus, dessen Christen in der Osternacht feierlich gedenken. Den Auftakt dazu feiern sie an Weihnachten, nicht an Weihtagen. Stiller Tag, heiliger Tag geht nicht. Es muss Nacht sein, stille Nacht, heilige Nacht.
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