Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.
Der selbsternannte Gutmensch sonnt sich eitel in seiner Abgrenzung gegenüber dem bösen Rechtspopulismus. Da fühlt er sich moralisch überlegen, was ihn ganz tief tröstet. Er erfand dafür für sich ein neues Wort: humanitär. Die anderen nennt er populistisch. Linkspopulismus kennt er nicht. In sozialen Netzwerken bewegt er sich weitgehend unter Seinesgleichen und fühlt sich somit dauerhaft in seiner Sichtweise bestätigt. Darin unterscheidet er sich überhaupt nicht von anderen geschlossenen Gruppierungen. Seine Sichtweise hält er für freiheitlich-demokratisch, die der anderen, genauer der bösen Rechten, für rassistisch-diktatorisch.
Eigentlich wäre diese Sorte Mensch ein Fall für den Psychiater. Doch leider handelt es sich nach meiner Beobachtung während des letzten Jahrzehnts nicht um eine Einzelerkrankung, sondern um ein Massenphänomen, das fast die gesamte Medienlandschaft und die Politik durchzieht.
Harter Streit der Meinungen und Aufeinanderprallen von Argumenten sind verpönt, nur Gemeinschaftsgefühle und Gruppenzugehörigkeit zählen noch. Gruppe entsteht durch Abgrenzen und Ausgrenzen, wir hier, die anderen dort. Die gemeinsame Linie nennt sich Kampf gegen rechts, inzwischen für alles, was nicht zur eigenen Sichtweise passt, notfalls bis hin zur großen Nazikeule. Diese hat sich in letzter Zeit über Europa so weit ausgebreitet, dass viele Menschen sie nicht mehr ernst nehmen und sich davon nicht mehr beeindrucken lassen oder sich gar abwenden.
Selbst der jetzige Staatspräsident der Türkei bedient sich dieser Wortwahl gegenüber Europa dort, wo es nicht nach seiner Pfeife tanzt. Das wird selbstverständlich mit großer Entrüstung zurückgewiesen, ist aber genau jenes Verhaltensmuster, dass man selbst pflegt, hier nur aus einer unvermuteten Ecke und auf die eigene Zielgruppe angewandt.
Wenn ich mich richtig an meine eigene Jugendzeit zurück erinnere, zofften sich die Politiker in den Medien damals äußerst lautstark, manchmal auch unter der Gürtellinie, aber ich nahm ihnen ab, dass sie ihre leidenschaftlichen Auseinandersetzungen ehrlich meinten und damit um die Gunst einer Anhängerschaft buhlten.
Heute als ergrauter Mann erlebe ich Politiker und Journalisten als eine Kaste, der es nur noch um Anhängerschaft oder Absatzmarkt geht, wo man Menschen gefühlsmäßig an sich binden muss, koste es, was es wolle. Man benimmt sich dabei selten daneben, wenn doch, dann gezielt. Doch ihre Wortwahl vernebelt, weckt Wohlgefühle für die eigene Position und Abwehr oder gar Ängste gegen das Auszugrenzende, was immer das auch sei. Es zu definieren ist nicht mehr nötig. Er wird einfach geächtet und verspottet, als rechts benannt und ist daher schon aus moralischen Gründen abzulehnen. Das vereinfacht das Lenken von Massen ungemein, ist herrlich bequem und umgeht das Lösen von Problemen. Machterhalt genügt.
Dass solches bestens geschultes Reden und Schreiben schleichend die Demokratie entkräftet, ihre Wertesysteme verwischt und damit zu einem einheitlichen Denken und Fühlen verführt, das längst schon selbst diktatorische Züge in sich trägt, wird machtbewusst einkalkuliert. Wahrheit interessiert nicht mehr. Worte wie Lügenpresse oder Lückenpresse fallen nicht einfach vom Himmel. Sie wurden in einem schleichenden Gärprozess durch die augenblicklichen Eliten erzeugt.
Das Unbehagen wächst. Immer mehr Menschen wehren sich dagegen, lehnen sich mit Gleichgesinnten auf, radikalisieren sich an den Rändern des Systems und werden damit selbst zur gesellschaftlichen und politischen Kraft, finden sich selbst als Gruppe nach fast den gleichen Mustern der Ausgrenzung, der Abwehr und der Ängste, weil der Streit der Meinungen und das Ausdiskutieren von Argumenten mit dem bisherigen System ihnen verwehrt ist, da dieser Nährboden wahrer Demokratie medial so gut wie abgeschafft wurde.
Unsere Gesellschaft muss zurückfinden zu einem offenen Schlagabtausch von Meinungen und Argumenten, wo es um Inhalte und Wahrheit geht. Dieser Prozess muss in den Parlamenten, in den Medien und in den Entscheidungsgremien wieder neu stattfinden. Kluge Vorschläge oder Ideen ablehnen, nur weil sie nicht aus der eigenen und somit aus der falschen Gruppe kommen, ist schlichtweg dumm. Diese Schere im eigenen Kopf, im eigenen Gruppenverhalten mit den zugehörigen unbewussten Tabus zu entfernen, wäre ein erster Schritt zu einer neuen Wahrhaftigkeit, damit der Durchschnittsbürger den Eliten und den Machtapparaten wieder vertrauen kann. Diese Art von Vertrauen kann man messen, z.B. an einer höheren Wahlbeteiligung, freie Wahlen vorausgesetzt.
Aber noch ist der Anteil der Nichtwähler unter den Bürgern beängstigend hoch. Das ist nicht allein der Trägheit der Menschen geschuldet, es gibt auch eine Politikverdrossenheit, die erzeugt wurde durch jene unterschwellige, moralisierende, von Inhalten und Wahrheiten ablenkende Öffentlichkeitsarbeit seitens der Medien und der augenblicklich politisch Herrschenden.