Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.
Durch Winfried Schley
Leicht erschrocken war ich schon, als ich in einem Buch über Bibelzitate die Stichworte Freude, Feste und Feiern nicht vorfand. Zum Glück besitze ich selbst eine Bibel, blätterte sie durch und fand im Alten Testament bei Jesus Sirach, einem jüdischen Weisheitslehrer etwa um 180 v. Chr.:
"Herzensfreude ist Leben für den Menschen, Frohsinn verlängert ihm die Tage. Überrede dich selbst, und beschwichtige dein Herz, halte Verdruss von dir fern! Denn viele tötet die Sorge und Verdruss hat keinen Wert".
Nicht dass hier für ein oberflächliches Leben in Saus und Braus geworben wurde, frei nach dem Motto: Lieber kurz gelebt als lang gedarbt! Dazu war der alte jüdische Weisheitslehrer viel zu gescheit. Ihm ging es um Tieferes. Auch er wusste, dass im Leben manches hart kommt, dass einer vor äußerer oder innerer Not und Angst nicht mehr ein und aus weiß. So wie er darüber schreibt, hat er vermutlich selbst einiges durchgemacht. Doch er war sich sicher:
Das Leben braucht Pausen, Verschnaufpausen. Unsere Zeit braucht Einschnitte, um nicht
leerlaufgleich zu verrinnen. Unser Lebenslauf braucht Feste. Feste gliedern die Zeit.
Wer ein Fest feiert, hält inne. Er erinnert sich. Alle unsere Familienfeste wie Namenstage, Geburtstage, Hochzeits- und Arbeitsjubiläen sind Erinnerungsfeste. Feste haben ihre Wurzeln in vergangenen Zeiten, sie beginnen nicht erst, wenn der Festtag da ist. Daher braucht ein richtiges Fest seine Zeit der Vorbereitung. Auf ein richtiges Fest muss man hinleben, es erwarten, darauf gespannt sein. Erst dann wird ein Fest mehr als ein flüchtiger Anlass für gutes Essen und Trinken.
Wer ein Fest feiert, lädt Gäste ein. Nur mit anderen zusammen lässt sich's fröhlich sein.
Geteilte Freude ist doppelte Freude. Für sich allein kann man ein Glas Wein am Feierabend genießen, aber für ein richtiges Fest fehlt das Gespräch, der Kontakt zum Mitmenschen.
Feste sind Stützen gegen die Einsamkeit. Wer ein Fest feiert, tankt auf, schöpft Kraft für
die Zukunft, hofft auf gute Tage. Die Glückwünsche an unseren Familienfesten bezeugen das.
Für kirchliche Feste gilt ähnliches. Nur reichen sie weiter als Familienfeste. Ihre
Wurzeln greifen über ein Menschenleben hinaus zurück in die Vergangenheit, eigentlich bis an den Anfang der Welt, dem grundsätzlichen Ja Gottes zur Schöpfung, und damit zu uns.
Auch wagen sie sich weiter in die Zukunft. Jedes kirchliche Fest, angefangen bei den
Hauptfesten Weihnachten, Ostern und Pfingsten über die Heiligenfeste, Erntedank, Trauung, Erstkommunion und Firmung oder Konfirmation bis hin zur Beerdigung, ist Vorbote, ist Vorahnung, ist Einstimmung für das große Fest am Ende der Zeit bei Gott.
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