Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.
Durch Winfried Schley
Zur Zeit zoffen sich die Politiker, welcher Prozentsatz vom Gehalt als gerechte Rente gilt. Nur wenige scheinen in der medialen Debatte dabei nachzurechnen, dass 40% von z.B. 200 Euro eben 80 Euro und 50% von 100 Euro nur 50 Euro, d.h. 30 Euro weniger sind. Auf den Grundwert also kommt es an, nicht auf den Prozentsatz.
Junge Leute brauchen daher genügend Geld. Nur dann können sie frühzeitig an Familienplanung mit Kindern denken und so unsere Gesellschaft vor Überalterung schützen. Ausreichend Geld, das über den Tagesbedarf hinaus auch ein Ansparen ermöglicht, kennzeichnet einen gerechten Lohn und setzt dauerhafte und unbefristete Arbeitsverträge voraus.
In der BRD dümpeln laut jüngstem Sozialbericht viele junge Menschen im Niedriglohnbereich mit kurzfristigen Zeitverträgen dahin. Das vergiftet unsere Gesellschaft. Arm und Reich driften weiter auseinander. Wenn Vorstandschefs mehr als fünfhundert Mal so viel verdienen wie Facharbeiter, bedrohen soziale Unruhen die innere Sicherheit. Leistungsgerechte Löhne sehen anders aus.
Wenn Unternehmer diese kurzsichtige Einstellungspraxis mit globalen Zwängen begründen, beschleunigen sie langfristig die wirtschaftliche Abwärtsspirale unserer eigenen Gesellschaft; denn wo immer weniger junge Menschen immer mehr alte Menschen versorgen müssen und keine freien Kapazitäten für die nachkommende Generation haben, schwinden Kaufkraft und Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt.
Genügte in meiner Jugend noch das Gehalt eines Elternteiles, um eine Familie mit Kindern zu ernähren, braucht man heute zwei Elternteile. Soweit hat diese falsche Sichtweise unsere Gesellschaft schon verändert. Immer weniger Kinder werden deshalb geboren. Sie schieben den Berg der Alten vor sich her, es sei denn, sie entledigen sich ihrer in Zukunft durch ein Euthanasieprogramm.
Ein Kind, das in ein vermögendes Elternhaus hineingeboren wird, hat einen wirtschaftlichen Vorteil, den es unverdient geschenkt bekommt. Religiös gesehen kann man dies durchaus als Gnade deuten, doch sicher nicht, um damit zu protzen und schmarotzen. Die besseren Startchancen verpflichten dieses Kind, dass es seine Begabungen optimal entfaltet, seinen Charakter zu einer reifen Persönlichkeit entwickelt und soziale Verantwortung für das Ganze übernimmt.
Reichtum ist Gabe und Aufgabe zugleich. Vor sinnlosem Konsum im Prestigebereich der Luxusmodelle und Modemarken warnt schon der Prophet Jesaia in der Bibel: „Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?“
Diese Kluft zwischen immer ärmer und immer reicher müssen wir überwinden. Die Kaufkraft der Zukunft darf nicht von einem Wirtschaftswachstum über die Produktion immer sinnloserer Luxusgüter kommen, bezahlbar für wenige. Möglichst viele, junge und kinderreiche Familien müssen vermehrt Geld ausgeben können für die lebensnotwendigen Dinge des Alltags und einen bescheidenen Wohlstand. Das geht nur über leistungsgerechte und diesem Lebensentwurf anpasste Löhne in einem gesunden Wirtschaftskreislauf der Nachhaltigkeit. Die gerechte Rente steht also am Schluss dieser Überlegungen und nicht am Anfang, wie es derzeit allzu oft geschieht.
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