Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.
Durch Winfried Schley
In Onolzheim, dem Dorf, in dem ich wohne, kenne ich niemanden, der eine amerikanische Flagge besitzt. Auch weiß ich nicht, woher man auf die Schnelle eine bekommt, und kann mir auch nicht vorstellen, dass zufällig ein Kameramann des Fernsehens mit besten Beziehungen zu den Nachrichtenagenturen dieser Welt im Dorf ist, nur weil eine Gruppe Onolzheimer eine mit Benzin getränkte amerikanische Flagge in lodernden Flammen verbrennt, außer sich vor Zorn, dass ein in die USA ausgewanderter Onolzheimer dort als anerkannter Filmemacher ein Schmähvideo über ihren heißgeliebten, weit über ihre Dorfgrenzen hinaus bekannten, ja fast weltberühmten Hammeltanz gedreht und auf Youtoube veröffentlicht hat, was selbstverständlich alle in alle Welt ausgewanderte Onolzheimer in Windeseile wissen und sich ihrerseits vor laufenden Kameras mit besten Beziehungen zu den Nachrichtenagenturen dieser Welt diesem flammenden Protest anschließen. Wehe dem Amerikaner, der zufällig in ihrer Nähe ist! Er wäre seines Lebens nicht mehr sicher!
Nun sind die Onolzheimer keine in ihren religiösen Gefühlen verletzte Moslems und der ausgewanderte Regisseur kein koptischer Christ aus Ägypten und Muhammad kommt auch nicht vor. Die oben erwähnte Szene lässt sich also nicht als Nachricht rund um den Globus inszenieren. Aber sie macht deutlich, wie heutige Berichterstattung aufgebaut und als objektive Information verkauft wird. Die französische Zeitung Le Parisien bezweifelt übrigens, dass der zweistündige Film, für den das viertelstündige Schmähvideo über Muhammad auf Youtoube wirbt, überhaupt existiert.
Wem nützt dieser Hype, mit dem ich als regelmäßiger Fernsehnachrichtenkonsument berieselt werde? Wer verfolgt hier welche Interessen und kann sie organisatorisch weltweit mediengerecht und manipulierend aufbereiten? Was verspricht sich unser Außenminister Westerwelle, wenn er im Namen der Religionsfreiheit einen Koran verbrennenden amerikanischen Pastor nicht in unser Land lassen will, Hetz-Imame und messerstechende Salafisten hierzulande aber im Namen der Meinungsfreiheit ausblendet? Als bekennender Homosexueller müsste er letztere mehr fürchten; denn auf deren Abstechliste steht er sicher ganz oben.
Wenn die Onolzheimer im Oktober ihren Hammeltanz feiern, seien sie Christen oder auch nicht, berührt es sie wenig, dass es in Deutschlands Medien als künstlerische, antichristliche Freiheit gilt, wenn man einen Frosch aus Ton ans Kreuz nagelt. Es kümmert sie nicht, dass man in Deutschland ein gekreuzigtes Schwein mit einem Kondom über dem Kopf als freiheitlichen Protest gegen christliche Lebensrechtschützer zulässt. Sie reagieren nicht darauf, dass man mit höchstrichterlicher Erlaubnis einen Bischof den Vorsitzenden einer Kinderfickerkirche nennen darf. Es lässt sie kalt, dass die antichristliche Hetze einer russischen Frauenband gegen die Russisch Orthodoxe Kirche in der Moskauer Christus-Erlöser-Kirche in westlichen Medien als Mariengebet gegen Putin bezeichnet wird.
Ich aber als Zugereister erlaube mir in meiner Phantasie, solche Vorgänge in eine deutsche KZ-Gedenkstätte, in einen deutschen Judenfriedhof, in eine deutsche Synagoge oder in eine deutsche Moschee zu verlagern. Wehe, sie würden dort Wirklichkeit! Da wäre in der deutschen Medienlandschaft der Teufel los, auch bei denen, die nicht an ihn glauben. Unsere angeblich so heilige Meinungsfreiheit wäre ganz schnell und schonungslos als scheinheilig und einseitig entlarvt.
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