Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.
Durch Winfried Schley
„Getroffene Hunde bellen!“ Facebook-Kommentare jubeln, dass die AfD sich aufregt über die Rede des Bundespräsidenten zum 9. November. Sie entlarve sich damit selbst als rechtsextreme Partei, schließlich habe der Bundespräsident sie nicht beim Namen genannt, wenn er vor Rechtsextremismus warne. Sind diese Kommentatoren naiv oder gerissen, hirngewaschen oder unterwürfige Parteigenossen? Selbst der Dümmste, der nicht ganz aus der augenblicklichen politischen Debatte ausgeblendet ist, merkte auf Anhieb, dass hier der Bundespräsident eine Anti-AfD-Rede hielt.
Dass er die Reichsprogromnacht geistig in die Nähe der AfD rückte, grenzt an eine beispiellose Verharmlosung der damaligen Ereignisse. Weiß er sie wirklich nicht, empfehle ich ihm Nachhilfeunterricht in Geschichte. Weiß er es ganz genau, wirkt das auf mich hintertrieben boshaft. Beides ist eines Bundespräsidenten nicht würdig. Er schadet damit diesem Amt.
Dass er den Fall der DDR-Mauer bejubelt, aber gleichzeitig eine neue geistige Brandmauer hochzieht, werden ihm viele, vor allem in den neuen Bundesländern äußerst übel nehmen. Wie kann man sich nur in diesem Amt als Bundespräsident fast aller deutschen Staatsbürger politisch so instinktlos verhalten? Ja viel schlimmer noch, geht er doch in seiner Ungeduld, dass ein AfD-Verbotsverfahren zu lange dauere, dazu über, zur Gesinnungsschnüffelei aufzurufen, um den Staats- und Verwaltungsapparat frei von AfD-lern zu halten. Als vermeintliche Demokratieverräter taugen diese nicht einmal mehr als Soldaten in der Bundeswehr. Das werden ihm viele Jugendliche danken und scharenweise der AfD beitreten, wenn sie dadurch vor dem Dienst an der Waffe als Kanonenfutter in einem möglichen Krieg gegen Russland verschont bleiben. Weiß er überhaupt um die Sehnsucht nach Frieden und wirtschaftlicher Stabilität vieler Bürger in diesem Land? Ahnt er, wie sehr er das Grundvertrauen in unser gesellschaftliches Zusammenleben vergiftet?
Meine französischen Bekannten halten den Durchschnittsdeutschen sowieso für einen obrigkeitshörigen Blockwart und beäugen mit Misstrauen vor allem bei den Älteren, dass die derzeitige deutsche Politik die Bundeswehr zur stärksten Armee Europas aufbauen will. Die französischen Erinnerungstage am 14. Juli und am 11. November halten das Trauma der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht auch in der jüngeren Generation äußerst lebendig.
Hat der Bundespräsident den Text seines Redenschreibers wirklich zuvor gelesen? Hat er in seiner Mannschaft keinen Advocatus diaboli, der den Text nach möglichen Klippen abklappert? Bei einem Bundespräsidenten zählt jedes Wort zentnerschwer. Ist er sich der Gewichtigkeit seiner Verlautbarungen wirklich bewusst?
Vorgetragen wurde diese Rede in bedächtigem Ton und täuscht somit ein sorgfältiges Durchdenken vor. Nur am Schluss wurde Ton lebhafter, als er dazu aufrief, zu tun, was zu tun sei. Hat er damit gemeint, dass ich ihn öffentlich auffordern soll, sofort von seinem Amt zurückzutreten, weil er Wasser auf die Mühlen jener ist, die das Amt des Bundespräsidenten für vollkommen überflüssig halten und dessen Abschaffung fordern? Oder gibt er gar dem Straßenmob der Antifa einen Freischein?
Mit Absicht habe ich keinen Namen genannt, gehe aber davon aus, dass dennoch jeder dieser eingangs erwähnten Kommentatoren genau weiß, wen ich gemeint habe. Sollten diese sich angesprochen fühlen, entlarven sie sich gemäß ihrem eigenen Denkmuster damit nicht selbst als naiv oder gerissen, hirngewaschen oder unterwürfige Parteigenossen? Eine demokratische BRD wünsche ich mir anders.
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