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22. Januar 2023 7 22 /01 /Januar /2023 16:03

Auf Seite 142 dieses Buches schreibt Christa Wieland über sich selbst: "Seit Juni 1990 bin ich vom Städtefreundschaftsvirus befallen, den ich über viele Jahre positiv verbreiten konnte und der bis heute immer noch in mir lebendig ist. Diese Reise von Crailsheim nach Pamiers damals war eines meiner größten Abenteuer mit Höhen und Tiefen und mit der wunderbaren Erfahrung, wie in einer Partnerstadt aus Fremden Freunde werden."

 

Von Anfag an hatte sie in Dominique Lafont, der heutigen Präsidentin von Jumelages-Amitiés de Pamiers, einen festen Ansprechpartner. Aus Bekanntschaft wurde Freundschaft, die in den Gründungen von Jumelages-Amitiés in Pamiers und des Interessenkreises Städtepartnerschaften Crailsheim (ISC) mündete. Bei den familiären Kontakten mit Familien von Pamiers tat sich ihr eine neue Welt auf, z.B. wie ein Abendessen als besonderes Ereignis zelebriert wird. Täglich wurde alles frisch eingekauft, vom Baguette über Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch und natürlich viel Käse. Sie entdeckte dabei eine ganz neue Freude am Kochen. ("Die leckere Entenbrust auf den Punkt gebraten und Tomatensalat mit frischem Pfefferminz gibt es bei mir immer, wenn ich wieder einmal Sehnsucht nach Pamiers habe. Vom Genuss beim abendfüllenden Diner mit Aperitif, Vorspeise, Suppe, Gemüse, Fisch, Fleisch, Dessert oder Käse mit dem dazu passenden Wein schwärme ich heute noch. Natürlich darf das übliche Wasser und Brot nicht fehlen. Als Abschluss Kaffee im stilvollen Glas oder Geschirr, danach Cognac oder Likör. Das ist ein 'Leben wie Gott in Frankreich!!' ")



Unter ihrer Leitung wurden Bürgerreisen mit interessierten Personen aus Vereinen, Gewerbe, Handwerk, für Malerei und Musik und für junge Berufstätige organisiert. Sie sorgte mit Gleichgesinnten für die Betreuung der Gäste aus Pamiers beim Fränkischen Volksfest und genoß umgekehrt, wie man bei der FIESTA in Pamiers im Sommer bis tief in die Nacht ausgelassen feierte.

 

Nun ist diese Botschafterin einer gelebten Partnerschaft von uns gegangen, aber ihr Vermächtnis bleibt: "Ich kann nur jedem Bürger in Crailsheim wünschen, dass er durch Eigeninitiative und Engagement einen Beitrag zur Erhaltung der Städtepartnerschaften leisten darf und auch so viel Freude und Glück erleben kann, wie ich es erlebt habe."

 

Nachtrag: Noch warte ich auf Anekdoten aus dieser Zeit, sei es als Kommentar zu diesem Artikel, sei es durch E-Mail oder Facebooknachrichten an mich.

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13. Juni 2022 1 13 /06 /Juni /2022 23:01

Wie kommt man am besten von Georgien nach Armenien? Ganz einfach zu Fuß über die Grenze! Nachdem die Toilette auf georgischer Seite überraschenderweise umsonst war, bekam die Georgierin Tea noch ein nicht eingeplantes kleines Zusatztaschengeld, bevor sie unsere Reisegruppe an die Armeniern Narine Hoveshyan übergab. Der Bankautomat auf armenischer Seite streikte bei allen deutschen Karten, weil er einer russischen Bank gehörte. Hier holte uns der Krieg Russlands gegen die Ukraine zum ersten und einzigen Mal ein. Zum Glück gab es eine Wechselstelle, die unsere Notration an Euro schmälerte, was am Flughafen in Tiflis auch schon der Fall war. Der Vorteil von Wechselstellen ist manchmal, dass man für den nächsten Toilettengang schon etwas Münzgeld in der Tasche hat. Der vermeintliche deutsche Reisebus hinter der Grenze entpuppte sich als Gebrauchter aus dem Internethandel, dessen Stoßdämpfer glücklicherweise die ganze Rundreise durchhielten. Fahrtüchtig sind in Armenien auf dem Land alle Fahrzeuge, die noch nicht auseinandergefallen sind.

 

Als weiterer Vorteil entpuppte sich, dass in unserer Reisegruppe sechs Russlanddeutsche waren, die sich hervorragend als Dolmetscher oder Erklärer eigneten, wenn ich unsere Reiseführerin nicht belästigen wollte. Russisch scheint jeder Armenier zu beherrschen, Englisch nur das Personal an der Hotelrezeption. Mit dieser unerwarteten Hilfestellung bestellte ich an der Rezeption den notwendigen, dank meiner Zimmernummer kostenlosen Bademantel, wusste, dass ich im etwas weiter entfernten Schwimmbad beim Empfang rutschfeste Einmalsandalen und einen Schlüssel zu einem Kleiderschrank ausgehändigt bekommen werde. Umkleidekabine war der Flur vor den Schränken. Somit konnte ich im Nobelkurort Tsaghkadzor das zum Hotelkomplex gehörige Schwimmbad benutzen. Der Bankautomat im Hoteleingang schien die Bankfiliale für das ganze Tal zu sein.

 

Dass Armenien das Land der Aprikosen sein soll, ist an uns vollkommen vorbeigeglitten. Für uns war es das Land der sehr guten Rotweine, der weniger guten Biere und der allgegenwärtigen armenisch-apostolischen Kirche mit ihren vielen Klöstern und Kreuzsteinen.

 

Das Kloster Khor Virap mit Blick auf den schneebedeckten, auf türkischer Seite liegenden Fünftausender Ararat gilt als Wiege des Christentums in Europa. Entsprechend gestaltete sich das Programm des Reiseveranstalters mit Kloster- und Kirchenbesichtigungen und drei einzigartigen Musikdarbietungen, vom Volkslied über Kirchenchoral bis zur konzertanten Musik auf alten armenischen Musikinstrumenten. Durch Zufall erlebten wir zusätzlich einen ergreifenden, wunderschönen Gesang bei einer armenischen Eucharistiefeier im Inselkloster Sewanawank am Sewan-See, dem größten Gewässer im Kaukasus.

 

Der musikalische Höhepunkt für mich war jedoch, als bei unserem letzten Abendessen in Jerewan am Nebentisch eine Gruppe armenischer Lehrerinnen den Geburtstag einer Kollegin feierte. Alle Damen waren sehr festlich angezogen, ließen sich ein abwechslungsreiches Mahl servieren und tanzten anschließend begeistert auf armenische Popmusik, zu der eine kleine Musikgruppe mit ihren typisch armenischen Instrumenten aufspielte. Manche mögen über mich Kulturbanausen die Nase rümpfen. Mir ging diese Lebensfreude richtig zu Herzen.

 

Schon zu Sowjetzeiten gab es für den ländlichen Raum ein Förderprogramm für die Landbevölkerung mit Speisesaal und Toiletten für Reisegruppen, bei denen die Einheimischen ihre hervorragende rustikale Küche auftischen konnten. Wir waren heute noch Nutznießer davon, ein Genuss ohne Reue.

 

Den weindurchtränkten Käse einer noch jungen Käserei verspeisten wir im Hotelzimmer, zusammen mit einem Fladenbrot aus dem Supermarkt und einer Flasche Weißwein, die uns ein georgischer Winzer geschenkt hatte, weil wir zufällig bei unserer Einkehr dort unseren 44. Hochzeitstag hatten. War der Einkauf im Supermarkt für uns preiswert, muss er einheimischen Rentnern mit etwa 120 Euro monatlicher Rente fast unerschwinglich erscheinen. Wie in Georgien erstaunte mich das Preisgefälle. In irgendeinem Dorf hing vor einem kleinen Textilladen ein kurzärmliges Sommerhemd für umgerechnet etwa 1 Euro. Für diesen Preis bekam man an den Touristenständen bei den Sehenswürdigkeiten nicht einmal ein Flasche Mineralwasser.

 

Wie in Georgien sah man auf dem Land oberirdische Gasleitungen, der die einzelnen, mit einem Gaszähler ausgerüsteten Haushalte verband und mit russischem Gas versorgte. Die Freundschaft mit Russland wird sich bei einem diktierten Gaspreis in Grenzen halten.

 

Im armenischen Vulkanmassiv lagen die schwarzen Obsidiane zuhauf herum. Drei kleine Steine für unsere Enkel kamen ins Reisegepäck. Ein Blick ins Internet verriet, dass nicht nur Armenier diesem vulkanischen Glas eine Heilkraft zusprechen.

 

Das Kostbarste an Jerewan war für mich die berühmte Sammlung uralter Handschriften im Museum Matenadaran. Welches Gespür für Kultur, Schrift und Wissen müssen die so oft verfolgten Armenier gehabt haben, wenn sie allen Lebensgefahren zum Trotz diese Handschriften versteckten und so einmalige Kulturzeugnisse unter anderem auch ihre eigene Schrift vor dem Vergessen bewahrten! Ich hätte an ihrer Stelle wohl nur meine nackte Haut gerettet.

 

Charles Aznavour und Winston Churchill mögen mir verzeihen, armenischer Brandy, so weltberühmt er auch sein mag, ist nicht meine Welt. Ich ziehe armenischen Rotwein vor.

 

Kurz, eine Reise durch Armenien ist wie die Reise durch Georgien eine exotische Reise der Sinne. Kleiner Zusatztipp am Rande: Man nehme einen zu sich passenden Sexualpartner mit.

 

Die Heimreise steckte voller Pannen. Wir waren erst nach zwanzigeinhalb Stunden wieder glücklich zu Hause.

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13. Juni 2022 1 13 /06 /Juni /2022 22:40

Beschämt muss ich eingestehen, dass ich die Länder Georgien und Armenien zeitlebens nicht besonders bewusst wahrgenommen habe. Vielleicht geht es Fluggesellschaften genauso. Direktflüge aus Deutschland nach Tiflis scheinen rar, der Umweg über Warschau ein Glücksspiel. Hatten meine Frau und ich von München kommend noch Glück, dass wir bei der Zwischenlandung etwa eine Viertelstunde vor dem Boarding am richtigen Gate standen, erreichten andere erst 24 Stunden später unsere Reisegruppe.

 

So schlenderten wir mit unserer Reiseführerin Tea Seperguli mit einer verkleinerten Gruppe zur georgisch-orthodoxen Metechi-Kirche auf dem Gelände der früheren georgischen Könige und danach durch das Bäderviertel von Tbilisi. Für mich klang das wie „Tvilissi“ mit Betonung auf dem zweiten i. Frauen müssen in Georgien beim Betreten einer Kirche ihr Haar verschleiern. Unsere Tea besaß mehrere Schleier in verschiedenen Größen, falls sie sich nicht einfach der Kapuze ihrer Windjacke bediente. Ihre Schleier wurde umso größer, je mehr sie einer Kirche eine tiefere religiöse Bedeutung beimaß. In der Grabeskirche der georgischen Nationalheiligen Nino im Bodbe-Nonnenkloster trug sie den größten. So wurde sie für mich zum Sinnbild georgischer Orthodoxie und Nationalstolz.

 

Beides braucht man dort wohl zum seelischen Überleben, hatte dieses Land doch im Laufe seiner Geschichte immer einen hohen Blutzoll an die augenblicklichen Großmächte gezahlt, die auf diese Weise ihre großen Handelswege militärisch absicherten. So war es naheliegend, dass täglich mehrere Kirchen auf dem Besichtigungsprogramm standen. Offensichtlich war mein Blick dafür nicht geschult genug, denn auf mich wirkten sie mit Ausnahme der prachtvollen Swetizchoweli-Krönungskathedrale in Mzcheta alle irgendwie gleich, viele mehr oder minder gut gemachte Ikonen in alten Gemäuern mit einer brennenden Öllampe davor, die mir den Blick zu näherem und sorgfältigerem Betrachten versperrte. In jeder Kirche gab es einen Sandkasten auf Stelzen, in dessen Sand viele kleine schmale brennende Kerzchen steckten, die man meist am Kircheneingang billig  kaufen konnte. Offensichtlich besuchten viele Einheimische tagsüber kurz ein solches Gotteshaus und verlängerten im Geiste ihr Gebet durch das Anzünden einer solchen Kerze, die noch weiter brannte, während sie schon längst wieder weggegangen waren.

 

Doch das erste, was mir auffiel, waren die zahllosen streunenden Hundemischlinge, meist friedlich schlafend an den unmöglichsten Stellen, alle vier Pfoten weit von sich gestreckt. Vermutlich schonten sie damit ihren Kreislauf; denn wie, wann und womit sie sich ernährten, schien Glücksache. Sie hatten fast alle einen Knopf im Ohr als Zeichen dafür, dass sie geimpft und sterilisiert waren, ihrer Anzahl nach zu schließen dennoch wohl ein ziemlich uferloses Unterfangen.

 

Auffallend war für mich auch das Preisgefälle. In den Cafés und Restaurants waren die Preise knapp unterhalb dessen, was mir aus Deutschland vertraut war. Neugierig, wie die Bevölkerung sich während der Mittagspause ernährte, besuchten meine Frau und ich gleich am ersten Tag unserer Reise einen Imbissstand im Supermarkt und aßen zum ersten Mal Khatchapuri, käsig, salzig, sehr sättigend und spottbillig. Zur Sicherheit unserer Verdauung blieben wir bei Cola und Mineralwasser. Dass warmes Khatchapuri noch besser schmeckt, bekamen wir erst viel später mit. Alkohol gönnten wir uns bei den organisierten Mahlzeiten. Für deutsche Bierliebhaber ist georgisches Bier nicht immer der erwartete Genuss. Wer dagegen wie wir trockene Rotweine liebt, liegt ab 13,5 Volumprozent immer goldrichtig. Andere Teilnehmer der Reisegruppe schwärmten vom gekühlten Weißwein.

 

Wer im Laufe seiner wechselhaften Geschichte ständig von militärischer Vorherrschaft bedroht ist, soll wenigstens gut essen und trinken. Georgische Küche ist ein meisterlicher Lebenströster. Allein nur ihretwegen nach Georgien zu reisen, ist Grund genug.

 

Was mich an Tiflis noch beeindruckte, war die U-Bahn. Sie liegt, im Kalten Krieg gebaut, sehr tief unter der Erdoberfläche, damit sie als Bunker gegen Bomben verwendet werden kann. Die Rolltreppen ans Tageslicht sind sehr lang, sehr steil, sehr schnell und stoßweise proppenvoll. Gedankenlos dösen geht nicht, hochriskant für Gehbehinderte. In der U-Bahn galt Maskenpflicht wegen Corona. Sonst begegneten wir diesem Thema nur bei vier Kontrollen auf den Flughäfen während der Hinreise. Ohne gültigen QR-Code einer Impfung ist ein teurer PCR-Test Pflicht. Genesung zählt nicht.

 

Im Bäderviertel band eine ältere Frau Wiesenblumen zu Sträußen und versuchte, sie an Touristen zu verkaufen. Sie reagierte schmollend und beleidigt, weil wir nicht kauften. Woher sollte sie auch ahnen, dass wir nur für eine Nacht eingecheckt waren, im Hotelzimmer keine Blumenvase und obendrein wie alle Touristen das Problem hatten, die großen Geldscheine vom Umtausch in passendes Kleingeld umzuwandeln.

 

Überrascht hat mich die spontane Hilfsbereitschaft von Passanten, als ein Teilnehmer unserer Reisegruppe an der für uns ungewohnt abgeschrägten Bordkante abrutschte und sich die Schläfe aufschlug. Helfende Hände waren sofort verfügbar. Ein junger Mann reichte eine Flasche Wasser, ebenso verlangsamte im dichten Straßenverkehr sofort ein Auto und der Fahrer reichte ebenfalls eine Flasche Mineralwasser durchs heruntergekurbelte Autofenster herüber. Sind die Bewohner dieser Stadt mit einer Trinkflasche ausgerüstet, sobald sie das Haus verlassen?

 

In der Nähe unseres Hotels befindet sich der Fluss Kura, der mir missfiel, weil auf seiner Wasseroberfläche sich Abfälle floßartig sammelten und gemeinsam stromabwärts trieben. Es störte das schöne Bild der Brücke mit Blick auf die Anhöhe mit der Sameba-Kathedrale. Ältere Menschen bekreuzigten sich hastig dreimal von oben nach unten, und anders als bei uns von rechts nach links, wenn ihr Blick beim Überqueren der Brücke auf die Kathedrale fiel. Es hatte für mich aber nichts Andächtiges. Es wirkte eher wie ein magisches Beschwörungsritual, damit man als Nichtschwimmer heil über die Flussbrücke gelangte.

 

Die Grünanlage auf der anderen Seite des Flusses war voller Menschen, die an diesem frühsommerlichen Abend auf dem Rasen eine Decke ausgebreitet hatten, dort miteinander schwatzten oder gar gemeinsam Mitgebrachtes als billiges Feierabendvergnügen verzehrten. Auf der Halfpipe erprobten viele Kinder mit Rollern oder Skateboards ihre Tricks. Manche zeigten dabei ein bewundernswertes Talent. Die langsam dahinrollenden Autos am Rande der Grünanlage erinnerten mich eher an einen Straßenstrich. Der Flohmarkt auf der Brücke und der Kunstmarkt auf der anderen Seite waren schon längst geschlossen. Davon konnten wir nur noch Reste erhaschen, als wir drei Tage später noch einmal im selben Hotel für zwei Nächte einquartiert waren. Aber das genügte, um festzustellen, dass Tiflis begabte Künstler beherbergt.

 

Wer Georgien bereist, sollte auch den Heldenmythos im Stalin-Museum in Gori kennenlernen. Um die Armut seiner Kindheit sichtbar zumachen, versetzte man Stalins Geburtshaus in ein größeres Gebäude, um es vor dem Zerfall zu bewahren. Ein winziges Zimmer genügte der Familie zum Essen und Schlafen. Nachdenklich verließ ich das Museum. Wie viel demütigende Unterdrückung seiner kindlichen Bedürfnisse musste der kleine Josef in dieser winzigen und ärmlichen Behausung erfahren haben? Was davon setzte sich im kirchlichen Internat bei ihm, dem begabten Stipendiaten, fort? Welche Niedertracht erlebte er bei seinen Gefängnisaufenthalten unter dem zaristischen Regime? Kein Kind kommt als Verbrecher auf die Welt. Welche Entwicklung hat ihn dazu gebracht, für seine politischen Ziele jegliches Menschenleben rücksichtslos zu opfern? Von welch panischer Überlebensangst muss er besessen gewesen sein? Wer hat sie ihm eingeflößt? Die stolze Museumsführerin hat meine Fragen sicher nicht verspürt. Sie dient aus ihrer Sicht dem Gedenken dieses großen Georgiers.

 

In einem kleinen Supermarkt in Gori wiederholten wir unseren Versuch, unser Mittagessen dort einzukaufen, je eine Flasche Mineralwasser und eine an den Enden bereits angetrocknete Wurst in einer Art Brotfladenrolle, die uns der Verkäufer aufwärmte. Damit setzen wir uns auf eine ziemlich verwitterte Bank bei einem heruntergekommenen Plattenbau. Die Wurstenden bekam eine junge Hündin mit Knopf im Ohr. Diese Bank gehörte vermutlich zu ihrem Nahrungsrevier. Sie wartete geduldig, bis sie auch die Brösel unserer Kekse auf dem Boden auflecken konnte. Satt wurde sie damit sicher nicht.

 

Die folgende Nacht verbrachten wir in einem Sporthotel im in der Nachsaison ausgestorben wirkenden Skiort Gudauri bei letzten Schneeflocken um die 0° und voll abgenutzten Skipisten, auf denen kein Gras mehr wuchs. Das Abendessen mit Wein mundete ausgezeichnet. Bewirtet wurden wir von sehr jungen Leuten, die heilfroh schienen, noch einmal etwas zu verdienen. Außer unserer Reisegruppe gab es keine Gäste mehr. Auf dem Weg dorthin entlang der Georgischen Heerstraße nahe der Ananuri-Burg mit ihrer dazugehörigen Klosteranlage stellten wir belustigt fest, dass die Toilettenfrau am Aussichtspunkt oberhalb des Schinwali-Stausees eine auffallende Ähnlichkeit mit Angela Merkel, unserer ehemaligen Bundeskanzlerin, hatte.

 

Kurz, Georgien ist ein Land krasser Gegensätze, das wir voller Erinnerungen an Hunde, Kirchen, Berge, gutes Essen und der ganz privaten Religiosität Teas sehr nachdenklich im Reisebus Richtung Armenien verließen.

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15. April 2022 5 15 /04 /April /2022 19:34

Das Konzept dieser Rundreise durch Nordspanien über Bilbao, La Encartada, San Bernabé, Altamira, Comillas, Covadonga, Gijón,  Oviedo, León, Burgos, Santo Domingo de la Calzada, Rioja-Region, Laguardia, Pamplona, San Sebastián,  Euskotren, Guernica und wieder Bilbao, das uns unser Reiseleiter Jörg Volkmann mit viel Charme und Geschick erfolgreich vermittelt hat, ist ein Knüller – für die richtigen Leute. Meiner Frau und mir hat es jedenfalls sehr gut gefallen. Vor allem die Mischung zwischen Spanisch und deutscher Übersetzung ließ uns das fremde Land sehr gut erspüren. Die Restaurant- und Tapasbarbesuche außerhalb der Übernachtungshotels brachten uns das gesellschaftliche Leben der Spanier näher, weil dort auch Einheimische anzutreffen waren.  

 

Allerdings zeigt die äußerst deftige nordspanische Küche für Vegetarier oder gar Veganer nur wenig Erbarmen. Diese müssen sich mit sehr einseitiger Kost begnügen.

 

Wo Berge und Meer nah beieinander sind, kann das Wetter schnell umschlagen. Ich hatte mit einem täglichen Regenguss gerechnet, der für unsere Reisegruppe glücklicherweise ausblieb. Temperaturschwankungen zwischen -2° und +28° innerhalb dieser zehn Tage zeigten aber deutlich, wer hier das eigentliche Sagen hat, das Wetter. Die „Spazierwanderung“ (laut Prospekt) zum Bergsee Enol de Covadonga ist kein Sonntagsspaziergang im Grunewald von Berlin! Warme Beinkleidung, damit der raue Bergwind die Beinmuskulatur nicht vorzeitig auskühlt, und trittfeste Schuhe mit rutschsicheren Sohlen mindern das Unfallrisiko. Rentnerknochen brechen leicht und schnell und die nächste Klinik liegt nicht um die Ecke. Ich möchte keinem Reiseleiter zumuten, im Tragegriff einen Oberschenkelhalsbruch oder ein verdrehtes Kniegelenk bis zum Busparkplatz zurückzuschleppen. Unsere Gruppe hatte das große Glück einer für Gebirge traumhaften Wetterlage.

 

Obendrein ist diese Gegend bis jetzt noch nicht für das kleine und große Geschäft von Bustouristen ausreichend gerüstet. Ein Fünfzigcentstück über den Tresen versteht dort jeder Wirt ohne Worte, wenn man sich nicht mit Cafe solo vollpumpen will. Einen entsprechenden Vorrat an Münzen sollte man sich also vorneweg ansparen.

 

Alles klar? Dann !Buen viaje!

 

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5. Dezember 2021 7 05 /12 /Dezember /2021 16:39

Geboostert und vom Test befreit
genieße ich mein Leben.
Freiheit wie in alter Zeit
wird mir neu gegeben.

 

Dass ich weiterhin Virenträger von SarsCov2 sein kann, verdrängt man. Ich gelte als immun. Ich muss selbst gar nicht daran glauben. Es reicht, wenn die anderen das tun oder sich einfach der offiziellen politischen Tonlage fügen. Einfach traumhaft! Zumindest vordergründig. Mir bleibt jedoch ein schaler Beigeschmack. Normal Geimpfte müssen sich einen negativen Test besorgen. Ungeimpfte bleiben fast vollständig außen vor. Sie dürfen nur noch überlebensnotwendige Einkaufsmöglichkeiten aufsuchen. Sie sind wie Kastenlose, die man sich am besten vom Leibe hält, so ansteckend scheinen sie zu sein. Da hilft ihnen auch kein negativer Test. Fern jeder medizinischen Logik haben wir entgegen unserem Grundgesetz ein Dreiklassensystem eingeführt, dessen einziges Ziel es ist, alle in die oberste Klasse der Geboosterten zu zwingen als sicherer Dauerkunde für den Absatzmarkt Impfstoff.

 

Die QR-Codes auf den Smart- und Iphones lassen sich durch entsprechende Updates in ihrer technischen Gültigkeitsdauer beliebig ändern, ohne dass ich einen Einfluss darauf habe. Ich kann jederzeit einer neuen minderen Kaste zugeordnet werden.

 

Was mich aber am meisten stört, ist der falsche Zungenschlag, mit dem Ungeimpfte in den Medien und von der Politik gejagt werden. Impfen sei ein Akt der Nächstenliebe, der Solidarität und der Gerechtigkeit, Werte, die diese egoistischen Ungeimpften nicht teilen und deshalb als moralisch Schuldige und Pandemietreiber ausgesondert und geächtet werden müssen.

 

Laut der Johns-Hopkins-Universität, dem augenblicklichen Corona-Papst, gibt es im Ansteckungsgeschehen zwischen Geimpften und Ungeimpften keinen statistisch signifikanten Unterschied. Impfung ist Selbstschutz, nicht Fremdschutz. Mit Nächstenliebe hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun!

 

Solidarität ist, wenn ich jemandem helfe oder unterstütze, der sich selbst gar nicht oder nur unzureichend helfen kann. Wenn man nun vom Ungeimpften Solidarität einfordert, muss man auch erwähnen, wem gegenüber er solidarisch sein soll. Wer ist der angeblich Schwächere, dem er helfend oder unterstützend unter die Arme greifen soll? Der schon Geimpfte kann doch gar nicht gemeint sein! Wer dann? Medien und Politik verändern den Begriff der Solidarität in eine wohlklingende, nichtssagende Floskel. Mit welchem Interesse?

 

Inwiefern Ungeimpfte ungerecht sind, kann ich nicht nachvollziehen. Gerechtigkeit ist in diesem Zusammenhang wohl nur eine Worthülse, um rednerisch einen Dreiklang zu erzeugen.

 

Pandemietreiber sind heimliche Coronapartys unter Jugendlichen, die damit dem Impfen für ein halbes Jahr ausweichen wollen und sich von einer Genesung einen umfassenderen Immunschutz versprechen, als eine Impfung je erreichen kann. Mit einer Klinikeinweisung brauchen sie mit ihrem noch guten Immunsystem kaum zu rechnen.

 

Wenn nun ein an Covid-19 Erkrankter im Krankenhaus liegt, ist für das Infektionsgeschehen vor allem wichtig, wann, wo und bei wem er sich angesteckt hat. Das kann ein Geimpfter genauso sein wie ein Ungeimpfter. Es ist daher unredlich, Ungeimpfte von vornherein als Pandemietreiber zu bezeichnen und sie als Menschen unterster Klasse zu behandeln.

 

Noch liegen auf Station mehr Ungeimpfte. Doch je mehr Geimpfte es gibt, umso mehr Impfdurchbrüche werden dort liegen, bis fast nur noch Geimpfte die Krankenbetten belegen, weil Coronaviren halt immer solche Ausreißer erzeugen. Sind dann die Geimpften die neuen Pandemietreiber?

 

Die uneinsichtigen Ungeimpften seien schuld, dass man eine Impfpflicht einführen müsse. Seit wann schützt diese Impfung vor Ansteckung? Mit welchem Argument sieht sich die Politik veranlasst dazu? Impfpflicht mit Bußgeld rührt an die Grundpfeiler unseres Rechtsstaates. Schuldig ist nicht mehr jener, der gefährdet oder gefährdet hat, sondern jener, vor dem man Angst hat, dass er gefährden könnte. Der vermeintlich Schuldige ist somit nicht Täter, sondern Opfer der Angst der anderen. Er wird dafür bestraft, dass er Angst auslöst. Gerechtigkeit im ursprünglichen Sinn wird damit ausgehöhlt.

 

Zum Abschluss gestatte man mir einen Blick über die Landesgrenze. Unter meinen französischen Bekannten gibt es welche, die sich aus Angst vor einer schweren Erkrankung impfen ließen, solche, die sich zur Impfung gezwungen sahen, sei es aus Angst vor Jobverlust oder vor Ächtung, und jene Impfverweigerer, die sich ihrer persönlichen Freiheit beraubt fühlen. Letztere sehen in ihrer derzeitigen Regierung eine neue Form von Faschismus. Über den in Deutschland gängigen Ton gegen Ungeimpfte als Kampf gegen rechts bis hin zur Nazikeule schütteln sie nur den Kopf und tippen sich wie Obelix an die Stirn: „Die spinnen, die Römer - äh, die Deutschen.“

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15. April 2015 3 15 /04 /April /2015 18:28

Ausgetrickst? Abgezockt? Reingelegt? Oder bin ich nur über einen etwas schusseligen, leicht vergesslichen Bulgaren gestolpert? SPANUPETRO nannte er  sich. Unterwegs war er mit einem Auto, das aussah wie das meines Nachbarn, der einen BMW 5er-Kombi fährt. Dass er ihn immer noch besitzt, erwähne ich nur, damit kein falscher Verdacht aufkommt. Ich möchte meinem bulgarischen Unbekannten nicht mehr unterstellen als für diesen Artikel unbedingt nötig.

 

Doch der Reihe nach. An einem Montagabend nach Feierabend fuhr ich auf der Landstraße von Gaildorf nach Crailsheim, als mir im letzten Waldstück kurz vor Winzenweiler ein Mann auf der Gegenfahrbahn Zeichen gab anzuhalten. Sein schwarzes Auto hatte er an einer Einfahrt zu einem Waldweg abgestellt und er stand hilflos davor. Ich vermutete eine Panne seines Wagens und hielt etwa 100 Meter weiter an einer dafür günstigen Stelle an. Mit schnellen Schritten lief er mir entgegen, als ich zu Fuß seine Richtung einschlug. Er schien sichtlich erleichtert und dankbar, dass ich angehalten hatte, und erklärte mir in recht brauchbarem Deutsch, dass sein Tank fast leer, aber das nötige Geld von seinem Chef über das Wochenende nicht angekommen sei.

 

Nun bin ich selbst viel im Ausland und weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es als Ausländer ist, dass man in kritischen Situationen einen einheimischen Helfer findet. So hatte ich sofort Verständnis für seine vermeintliche Notlage und gab ihm aus Mitleid 50 Euro samt meiner Visitenkarte als Vorsitzender des Pamiers-Städtepartnerschaft-Komitees Crailsheim. Gemeinsam liefen wir zu seinem Auto, wo ich mir auf Knien auf die Rückseite einer zweiten Visitenkarte seine Autonummer notierte und er eigenhändig den Namen SPANUPETRO darauf schrieb. Lustig an seinem Autokennzeichen M.2765 BK mit bulgarischem Nationalkennzeichen BG fand ich, dass es in einer Halterung mit den Aufschrieb Freistaat Bayern befestigt war, dort, wo sonst Autohändler-Adressen stehen.

 

Als ich meine Fahrt fortsetzte, kamen mir Zweifel an meiner spontanen Hilfsbereitschaft, zumal der Bulgare, falls er überhaupt einer war, nicht sofort weiterfuhr. „Das Geld siehst du nicht mehr wieder!“, meinte meine Frau auf dem Beifahrersitz, wütend über meine Naivität. Bis jetzt hat sie recht behalten. Und jeder, dem ich diese Geschichte bis jetzt erzählte, stimmte meiner Frau zu.

 

Dennoch beschäftigen mich  nach diesem Zwischenfall einige Fragen: Könnte dieser Mann nicht doch in einer Klemme gesteckt haben? Findet er mit seinem eben nicht typisch deutschen, also weniger ausgeprägten Ordnungssinn mein Visitenkärtchen nur nicht wieder? Kommt er aus einer Gegend, wo Hilfsbereitschaft und Gastlichkeit so selbstverständlich sind, dass man dort ungeniert meine kleine finanzielle Hilfeleistung mit einem inneren und von ganzem Herzen kommenden Dankeschön abhakt und gar nicht an Rückzahlung denkt? Warum stuften alle meine deutschen Bekannten, denen ich dieses Erlebnis erzählte, ihn sofort als Gauner ein? Kommt uns in unserer deutschen Organisiertheit eine solche Panne, wie dieser Mann sie angeblich hatte, abwegig vor? Wäre unsere Welt nicht ein wenig gefühlskälter, wenn wir hinter jeder Bitte um Hilfe eine hinterhältige Falle wittern? Trauen wir Unehrlichkeit eher Fremden als Einheimischen zu? Welche Nachrichten, Pressemitteilungen oder Fernsehberichte beeinflussen unsere Sichtweise in diese Richtung?

 

Antwort auf diese Fragen kann wohl nur ein Bulgare namens SPANUPETRO geben, der mit seinem schwarzen Kombi und der Autonummer |BG|  M.2765 BK an einem Montagabend nach Feierabend von Winzenweiler nach Gaildorf unterwegs war und mich in einem Waldstück dazwischen um ein wenig Geld bat.

 

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  • : Anekdoten, Gedanken, Gedichte, - mal heiter, mal nachdenklich, Theologisches und Philosophisches im Alltag, dt.-frz. Beziehungen und Städtepartnerschaft, Kunst und Kunstausstellungen, ... und was mir sonst noch in den Sinn kommt.
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  • Winfried Schley
  • Niemals in Gleichgültigkeit verfallen, unabhängig davon, was im Leben auf mich zukommt !  
 Ich interessiere mich für alles, was dem friedlichen Zusammenleben der Menschen dient.
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